ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:45 Uhr

Gutshäuser der Region: Kümmritz wartet auf Geld fürs Schloss

Die Kümmritzer stehen in den Startlöchern. Sobald die beantragten Fördermittel fließen, geht es los mit der Sanierung des Gutshauses. Ein altes Gutshaus als lebendiger Dorfmittelpunkt: Ortsbürgermeister Heiko Terno weiß, dass Kümmritz mit der Sanierung des Hauses bekäme, wofür andere seit Jahren kämpfen. Von Dörthe Ziemer

Terno will das lieber nicht so laut hinausposaunen, schließlich sind die veranschlagten 500 000 Euro eine Menge Geld. Kümmritz hat bis heute kein Dorfgemeinschaftshaus. "Ich habe das immer gebremst, weil wir ja das Schloss hatten", sagt Terno. Hätte aber das Dorf ein Gemeinschaftshaus auf dem Sportplatz gebaut, wie es frühere Planungen vorgesehen hatten, hätte es viel Geld investiert und das Gutshaus wäre ein Sanierungsfall geblieben. Nun sieht es so aus, als könnte es endlich etwas werden mit der Sanierung des Gemäuers, dessen ältester Teil aus dem 16. Jahrhundert stammt und das noch einige Schätze in sich birgt. Der Besucher entdeckt in dem Haus, das teilweise noch bewohnt wird, geschwungene Türschlösser, Spitzbogenfenster auf dem Boden, knarrende Holztreppen. Aus der Bestands-aufnahme im Sanierungskonzept, ausgeführt vom Architekturbüro Dr. Krekeler & Partner, geht hervor, dass die ältesten Türen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen und weitgehend im originalen Zustand erhalten sind. Über dem Eingang, einem Sitznischenportal in Renaissanceformen, ist ein Doppelwappen der einstigen Besitzer zu sehen. Für die Kümmritzer ist aber noch etwas anderes wichtig: Die Dorfgemeinschaft feiert gern und aufwändig. Da bringen Männer, Frauen und Jugendliche ihren eigenen Kulturbeitrag, da gibt es Kirmes, Fastnacht und Zampern, Seniorennachmittage und Jugendclub-Feten. Das und die Proben dazu hatten bisher ihren Platz im Gutshaus. Und so soll es auch bleiben, wünschen sich die Kümmritzer. Doch dazu müssen Dach und Fassade saniert, sollen die Räume im Erdgeschoss um- und Toilette und Küche eingebaut werden. Die Stadtverordneten von Luckau, zu dem Kümmritz seit dem Jahr 2000 als Ortsteil gehört, hätten der Sanierung des Kümmritzer Gutshauses oberste Priorität eingeräumt, so Terno. In den Haushalt sei Geld dafür eingestellt worden. Kümmritz habe mit „Kopfgeld“ und Rücklagen 60 000 Euro in die neue Gemeinschaftskasse eingebracht. Etwas anderes als die Selbstnutzung kommt für das Haus kaum infrage, wie Lutz Schando vom Luckauer Amt für Liegenschaften sagt. Nach der Wende, bei der „Entflechtung von Volkseigentum“ wurde das Gutshofensemble derart zerteilt, dass sich kein Investor mehr dafür interessiere. Das Herrenhaus mit Zufahrt ging an die Kommune, die Stallungen an die Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH (BVVG), eine Treuhandtochter. Die Werkstatt fiel an die Treuhandliegengesellschaft. So ist das Gutshaus heute ohne Nebengelass und Umland – und damit quasi unverkäuflich. Auf der Suche nach Fördertöpfen wurden der Ortsbürgermeister und die Stadt beim Spreewaldverein fündig, der das Konzept der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) für den Dahme-Spreewald-Kreis ausgearbeitet hat und die Projekte koordiniert. Terno kam die Idee, das sanierte Gutshaus als Heimstätte für die Dachmarke Spreewald zu nutzen. Dort könnten Produkte aus der Region angeboten, Schlachte-Nachmittage veranstaltet werden. „Schließlich gehört Kümmritz zur Erzeugerregion Spreewald“. Mit dieser Idee wurde das Kümmritzer Gutshaus ins ILE-Konzept aufgenommen. Welche Promit Fördermitteln bedacht werden, wird derzeit verhandelt. Dietrich Dommain, ILE-Beauftragter beim Spreewaldverein, hält sich bezüglich der Chancen des Gutshauses bedeckt: „Ich würde gern was Positives sagen, das kann ich aber derzeit nicht.“