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| 02:43 Uhr

Gute Nachrichten über Depression

Die Diplom-Psychologin Dörthe Meisel referierte über "Wege aus der Depression" im Richard-Raabe-Haus in Lübben.
Die Diplom-Psychologin Dörthe Meisel referierte über "Wege aus der Depression" im Richard-Raabe-Haus in Lübben. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Gedrückte Stimmung. Negative Gedanken. Gehemmter Antrieb. Wer an Depression leidet, hat das Interesse am Leben verloren. Die psychische Störung senkt deutlich die Lebensqualität. asd1

Jeder zehnte Mensch weltweit ist betroffen. In Deutschland leiden bis zu sechs Millionen Menschen an der Krankheit. Etwa jeder Siebte erkrankt im Laufe seines Lebens an Depression. 99 Prozent der über 77-Jährigen sind betroffen - auch durch wachsende Zahl an Trauerfällen in diesem Alter. Die Zahlen, die Dörthe Meisel nennt, sind beeindruckend. Sie machen aber auch nachdenklich. Ihr zufolge sind Frauen doppelt so häufig betroffen als Männer. "Die Krankheit", sagt die Diplom-Psychologin, "ist nicht leicht zu erkennen. Betroffene klagen häufig über Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Magen-Darmprobleme. Jeder dritte Patient beim Internisten leidet an Depression."

Mögliche Ursachen hat sie während ihres Vortrags in zehn Kategorien eingeteilt. Depression kann vererbt sein. Die Krankheit kann ihre Ursache aber auch in der Entwicklung des Betroffenen haben. Frühe Pubertät bei Mädchen spielt laut Dörthe Meisel ebenso eine Rolle wie sexueller Missbrauch oder das Aufwachsen mit zumindest einem nicht leiblichen Elternteil. Diese zwei Kategorien lassen sich der Expertin zufolge nicht ändern. "Das ist quasi die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass die restlichen acht Kategorien beeinflussbar sind." Der Lebensstil gehört dazu. Selten an frischer Luft und fehlende Bewegung können Ursachen sein. Regelmäßige Schlaflosigkeit sowie unregelmäßiger Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus spielen ebenfalls eine Rolle. Auch Abhängigkeit von Alkohol, Tabak, Kaffee und Drogen begünstigen die Krankheit. Die Ernährung ist eine weitere Kategorie, die Ursachen für Depressionen liefert. Veränderungen in Appetit und Körpergewicht sind Signale, dass etwas nicht stimmt. Auch soziale Ereignisse können Ursachen für die Krankheit sein. Etwa das Fehlen von sozialem Rückhalt, ein alkohol- oder drogenabhängiges Familienmitglied oder die Zugehörigkeit zur unteren Gesellschaftsschicht. Für Betroffene bedeutet das oft "ein verändertes Selbstwertgefühl", wie Dörthe Meisel sagt. "Schuldgefühle treten auf." Auch Erkrankungen können Depressionen auslösen. Erhöhte Reizbarkeit und aggressives Verhalten sind Anzeichen für die Krankheit. Als depressiv gilt laut Diplom-Psychologin auch, auf wen vier der zehn Einflussfaktoren über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen zutreffen.

Psychopharmaka und Gespräche können helfen. Selbstvorsorge für den eigenen Körper sei sehr wichtig - quasi der Lebensstil. Auch dazu hat Dörthe Meisel alarmierende Zahlen: "75 Prozent der Menschen absolvieren kein regelmäßiges Bewegungsprogramm." Dabei würden ihr zufolge schon flotte Spaziergänge über mindestens eine Stunde helfen, um eine deutliche Verbesserung zu spüren-allerdings nur, wenn man sie an mindestens fünf Tagen hintereinander durchführt. Gartenarbeit sei ebenfalls sehr wirkungsvoll; auch Intervalltraining hilft. Möglich sind Schwimmen, Laufen und Radfahren beispielsweise. "Es gibt viele Heilungsmöglichkeiten", sagt die Diplom-Psychologin: "Gesunde Aktivitäten und viel Bewegung an frischer Luft, zudem ausgewogene Ernährung und medizinische Betreuung. Anstrengung lohnt sich."

Zum Thema:
Der Vortrag über "Wege aus der Depression" von Dörthe Meisel wurde durch den Ortsverein Lübben des Deutschen Vereins für Gesundheitspflege e.V. veranstaltet. Die Freikirche der "Siebenten-Tags-Adventisten" ist der Träger des Vereins.