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| 16:08 Uhr

Hilfe für Ältere
Gut alt werden – in zweiter Auflage

Wie reicht man eine helfende Hand auf respektvolle Weise? Die seniorenpolitischen Leitlinien des Landkreises geben auch dazu Hinweise.
Wie reicht man eine helfende Hand auf respektvolle Weise? Die seniorenpolitischen Leitlinien des Landkreises geben auch dazu Hinweise. FOTO: dpa / Oliver Berg
Lübben. Landkreis Dahme-Spreewald legt überarbeitete seniorenpolitische Leitlinien vor.

Fast 40 000 Männer und Frauen in Dahme-Spreewald sind älter als 65 Jahre. Leitlinien rund um ihre Bedürfnisse und das vielschichtige Thema älter werdender Menschen in der Gesellschaft hat sich der Landkreis Dahme-Spreewald erstmals im Jahr 2006 gegeben. Zwölf Jahre später ist jetzt die zweite Auflage vom Kreistag verabschiedet worden.

Im nächsten Schritt geht es darum, diese Leitlinien bekannter zu machen, sagt LDS-Seniorenbeiratsvorsitzender Wolfgang Grunert. Zu finden ist das gut 40-seitige Papier – noch – etwas versteckt im politischen Teil der Internetseite des Landkreises. Zusätzlich ist es unter Familie und Soziales/Senioren verlinkt, eine Broschüre soll entstehen und eine Druckversion an die Seniorenbeiräte verteilt werden.

Darüber hinaus wollen Wolfgang Grunert und seine Mitstreiter darauf einwirken, dass die eher als Handlungsempfehlung gemeinten Leitlinien verbindlicher werden, damit es insgesamt mehr Mitbestimmung für Senioren im Landkreis gibt. Ein Anfang ist gemacht, indem der Kreisseniorenbeirat zu den Themen, die ältere Menschen in Dahme-Spreewald betreffen, bereits jetzt ein Rederecht in den entsprechenden Kreisgremien hat. Dieser Ansatz soll noch weiter ausgebaut werden, sagt Grunert, bis hin zu möglicher hauptamtlicher, koordinativer Unterstützung aus der Kreisverwaltung.

Für die ehrenamtliche Arbeit in und rund um die Seniorenbeiräte werden weitere Aktive gesucht. Grunert zufolge „fühlen sich die 60-Jährigen noch zu jung, um bei den Senioren mitzumachen. Und wenn sie 70 sind, wollen sie nicht mehr.“

Dennoch bleibt der Seniorenbeirat dran. Am 14. November findet beispielsweise eine Vollversammlung aller Seniorenbeiräte im Landkreis statt. Dabei wird einerseits das 25-jährige Bestehen vieler Beiräte gewürdigt, andererseits die Zusammenkunft genutzt, „um miteinander ins Gespräch zu kommen und zu sehen, wo es brennt“, so Grunert.

Die seniorenpolitischen Leitlinien sind in ihrer zweiten Auflage weiterhin „der Versuch, lange Linien auszudrücken und zu steuern“, ordnet Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) ein. Schließlich wollen „die Leute so lange wie möglich ein selbstständiges Leben führen“. Das kann durch eine entsprechende Infrastruktur erleichtert werden, die darüber hinaus oft auch für jüngere Menschen nützlich ist. Kommunen können sich an den Leitlinien orientieren, wenn es – wie beispielsweise aktuell in Lübben-Nord – darum geht, Stadtteile und Quartiere entsprechend der sich verändernden Bevölkerungsstruktur umzugestalten.

In den vergangenen zwölf Jahren hat sich sehr viel getan, dem die Überarbeitung der Leitlinien Rechnung trägt. Allein die Zahl der Apartments im „Betreuten Wohnen“ ist im Landkreis von 564 im Jahr 2004 über 706 im Jahr 2013 auf aktuell rund 1000 gestiegen. Doch längst nicht nur das Wohnen ist Thema der Leitlinien. Fünf Handlungsfelder sind insgesamt berücksichtigt. Dazu gehören die Rollen der örtlichen Begegnungsstätten sowie die Mehrgenerationenhäuser, die Teilhabe an der Gesellschaft und die fürsorgende Gemeinschaft.

Letztere ist ein wichtiger Punkt. Denn wer helfen will, beispielsweise einer alleinstehenden, älteren Nachbarin, steht manchmal vor der Frage, wie der erste Schritt aussehen soll, ohne dass er aufdringlich oder gar bevormundend wirkt.

Die Leitlinien führen dazu viele Ideen zusammen, die es im Landkreis bereits gibt, von den „Kümmerern“ in Märkische Heide und Lieberose bis hin zu festen Einrichtungen wie dem Pflegestützpunkt in Lübben. Sich vor dem ersten Besuch bei der Nachbarin zunächst vor Ort kundig zu machen, welche Strukturen es schon gibt und wo das eigene Hilfsangebot möglicherweise am dringendsten gebraucht wird, ist ein nützlicher Hinweis von vielen. Die Unterstützung ist auch deshalb sinnvoll und nötig, weil das ehrenamtliche Engagement nicht überfordert werden soll. Schließlich wird dieses noch dringend gebraucht.