Die Jubiläumsfastnacht brachte alle Generationen auf die Straße. Jugend und Verheiratete feiern alle fünf Jahre gemeinsam. Entsprechend lang wurde der Festumzug. 100 Paare zogen durchs Dorf. Die Damen in schmucken Trachten, die Herren in Anzug und mit Hut. An der Kopfbedeckung wehten die bunten Sträußchen im Wind. Die Partnerinnen hatten diese zu Beginn der Fastnacht angesteckt.

"Ein wunderschönes Bild", sagt Hildegard Hoppe. "Ich schaue mir gern Trachten an, nutze dafür jedes Jahr den Umzug in Neu Zauche." Die Straupitzerin war eine von vielen Zuschauern, die das Spektakel am Straßenrand verfolgten. Bevor sich der Festumzug jedoch mit lautem Gekreischte und Gejohle in Bewegung setzte, stand das Jubiläumsfoto auf dem Programm. Dafür wurde eine große Tribüne am Brunnenplatz aufgebaut. Die Paare stellten sich dort nicht einfach so auf, sondern wurden platziert. Liane Peschke bat jedes Paar einzeln auf die Bühne und verglich diese Prozedur schmunzeln mit "Mückenhüten". Das Mitglied des Organisationskomitees informierte zudem die zahlreichen Schaulustigen über den Ablauf des Festprogramms.

Das Alter des Mannes bestimmte die Reihenfolge während des Umzugs und auch für das große Gruppenfoto. Die 29 Jugendpaare nahmen zuerst ihre Plätze ein. Sie mussten auf den obersten Stufen am längsten dem eisigen Wind trotzen. Viele Damen hatten wärmende Stutzen über ihre Arme gezogen, ihre Finger mit Handschuhen vor der Kälte geschützt, zudem ein Tuch um den Hals gelegt.

Auch Monika Koch trotzte den niedrigen Temperaturen. "Ich trage gern Tracht, fühle mich einfach wohl damit. Und Fastnacht ist nun mal im Winter. Die Kälte stört mich nicht. Der Stoff meiner Tracht wärmt ganz gut." Die Tracht sei ein Familienerbstück. Die 69-Jährige trage sie auch zu anderen Anlässen, tanze in der örtlichen Trachtengruppe "Nowa Niwa". Die Gruppe hatte am Samstag nicht nur am Brunnenplatz getanzt, sondern auch personell den Festumzug verstärkt. Warum sich Monika Koch noch immer aktiv an der Fastnacht beteiligt, zumindest alle fünf Jahre? "Weil ich helfen will, altes Brauchtum zu bewahren."

Norbert Janetzki würdigte das Engagement der Teilnehmer. "Ich bin stolz darauf, dass eine so lange Tradition in Neu Zauche weitergeführt wird", sagte der Bürgermeister. Er dankte dem Festkomitee, das die Jubiläumsfastnacht seit Wochen vorbereitet hatte. Besonders freute ihn, "dass auch schon Kinder in Trachten dabei sind. Der Nachwuchs sichert die Zukunft unseres Brauchtums in Neu Zauche." Und auf noch etwas war Norbert Janetzki stolz: "Dass wir eine so große Truppe für den Umzug zusammenbekommen haben." Zahlreiche Teilnehmer wohnen längst nicht mehr im Oberspreewaldort. Sie fühlen sich aber noch immer ihrer Heimat verbunden.

Guido Hahn lebt in Neu Zauche. Auch er feierte am Samstag ein Jubiläum. Er zog zum fünften Mal als Kiepenträger durch das Dorf. Der Hochprozentige aus seiner Kiepe war stark nachgefragt. Zahlreiche Flaschen kreisten. Mit zwei Blaskapellen war der Festumzug unterwegs. Vor der evangelischen Kirche gab es einen ersten Stopp. Die Teilnehmer tanzten dort Annemarie-Polka, Rheinländer und andere bekannte Tänze auf der Straße.

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Die Fastnacht in Neu Zauche wird traditionell von der Jugend organisiert. Laura Franz und Maik Sindermann sind die Jugendleiter. Alle fünf Jahre gibt es ein großes Festkomitee, das die Jubiläumsfastnacht vorbereitet. 1995 hatten Jugend und Verheiratete erstmals gemeinsam Fastnacht gefeiert. 146 Paare waren es damals, 85 waren vor fünf Jahren dabei. Der Trachtenumzug ist der jährliche Höhepunkt der fünftägigen Fastnacht in Neu Zauche. asd1