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Grundstücksmarkt
Grundstückspreise steigen weiter

Lübben/Luckau. Bodenrichtwerte in Dahme-Spreewald klettern fast überall deutlich. Von Ingvil Schirling

„Der Immobilienmarkt in LDS kennt nur eine Richtung: rasant nach oben.“ Mit diesem Kernsatz hat Jürgen Kuse als Chef des Katasteramts der Kreisverwaltung am Montag den bisherigen Trend bestätigt. Die Auswertung der vergangenes Jahr notariell abgeschlossenen Kaufverträge hat „zum Teil heftige Wertsteigerungen“ ergeben, sagte er vor Abgeordneten des Bauausschusses. Besonders spannend an der Entwicklung ist, dass sie nicht mehr nur den berlinnahen Raum betrifft, sondern sich bis weit in den Süden des Landkreises erstreckt. Auch der Stadtplan von Lübben, den Jürgen Kuse während seiner Präsentation an die Wand warf, wies zahlreiche grüne Pfeile auf, die nach oben zeigten, und nur wenige, die seitwärts wiesen.

Die Wertsteigerung erstreckt sich ebenso auf landwirtschaftliche Flächen. Die Bodenrichtwerte für Acker­land stiegen im Mittel um fünf, die für Grünland um 17 Prozent, für Forstflächen um sieben Prozent. Und dabei wurde es in diesem Bereich Kuse zufolge „etwas ruhiger“ im Vergleich zu den Jahren zuvor.

Die Gesamtsumme der Umsätze bei den Grundstücksverkäufen in LDS 2017 liegt bei 650 Millionen Euro. Das sind noch 20 Prozent mehr als beim bisherigen „Allzeithoch“, wie es Kuse nannte, aus 2016. „Da hatten wir erstmals mehr als eine halbe Million Euro Umsatz.“ Dabei sei die Zahl der Kaufverträge rückläufig, ergänzte Baudezernent und stellvertretender Landrat Chris Halecker (Die Linke). „Hier geht die Post ab“, schlussfolgerte er, denn dieses Verhältnis sagt einiges über die Marktlage aus. „Es stehen immer weniger Grundstücke zur Verfügung“, so Jürgen Kuse. Das ist problematisch für die Gemeinden, die Platz für dringend benötigten Wohnungsbau brauchen.

Wie unterschiedlich die Entwicklung im Landkreis dennoch ist, zeigen die direkten Vergleiche zwischen Maximal- und Minimalwerten. So verzeichnet die Gemeinde Heideblick einen Umsatz von 2,6 Millionen Euro in 2017, während in Schönefeld 250 Millionen Euro während der Grundstücksverkäufe die Besitzer wechselten. 2016 habe es in Cottbus, Frankfurt/Oder und Brandenburg je rund 100 Millionen Euro an derartigen Umsätzen gegeben, verglich Kuse. „Da sind 250 Millionen Euro wirklich ein Kracher.“

Umgesetzt worden seien sie zum größten Teil im Wohnungsbau. „Das zeigt die Attraktivität und ist für uns ein ausgesprochen positiver Ausblick.“

Besonders die Seegrundstücke in bester Lage von Zeuthen waren begehrt und kletterten auf rund 500 Euro pro Quadratmeter. Am Miersdorfer Werder wurden immer noch deutlich mehr als 400 Euro gezahlt. Eine Grenze könnte mit 600 Euro erreicht sein, schätzte Kuse mit beobachtendem Blick auf den Berliner Südrand in und um Teltow ein, wo seit Jahren nicht mehr wesentlich mehr gezahlt wird.

In Lübben liegen die Steigerungen, die landkreisweit bis zu 30 Prozent betrugen, mit zehn bis 15 Prozent im Mittel. Dennoch werden in der City mittlerweile durchaus 120 Euro je Quadratmeter gezahlt, links der Berliner Chaussee teilweise 75, entlang des Houwald-Dammes immer noch 65 Euro. Die Seitwärtsbewegungen betreffen beispielsweise Lübben Nord.

Einen „Rückfall“ in frühere Zeiten mit günstigen Grundstücken erwartet Kuse keinesfalls. Wer ab 2012 kaufte, lag ihm zufolge richtig – seither bewegt sich der Markt rasant nach oben. „Es mag hier und da Bereinigungen geben“, schätzt er ein, „aber keine wesentlichen Veränderungen“. Die Wanderungsbewegungen auf der Suche nach bezahlbaren Grundstücken entlang gut ausgebauter Infrastruktur seien durch die Auswertung der Kaufverträge im Gutachterausschuss „eindeutig abbildbar“, sagte er weiter. „Wir sehen Ausweichbewegungen in Richtung Süden über Königs Wusterhausen, Bestensee, Mittenwalde bis in den Unterspreewald und nach Lübben: „Überall dort, wo die Verkehrsanbindung gut ist.“ Allerdings reiche die Zuganbindung beispielsweise alleine nicht aus. „Es muss auch eine entsprechende Frequenz geben“, sagte er.