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Dahme-Spreewald
Grundstückspreise klettern rasant

Wohngrundstücke sind auch in Lübben stark nachgefragt. Im neuen Gebiet „Am Wäldchen“ stockt der Absatz allerdings, weil dort Einträge von leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen gefunden wurden, die nun näher untersucht werden sollen. Deshalb soll das geplante Wohngebiet an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße nun zügiger als geplant entwickelt werden.
Wohngrundstücke sind auch in Lübben stark nachgefragt. Im neuen Gebiet „Am Wäldchen“ stockt der Absatz allerdings, weil dort Einträge von leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen gefunden wurden, die nun näher untersucht werden sollen. Deshalb soll das geplante Wohngebiet an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße nun zügiger als geplant entwickelt werden. FOTO: Ingvil Schirling / LR Medienverlag und Druckei GmbH
Lübben/Luckau. Millionenumsätze: Die Auswirkungen sind bis nach Lübben und Luckau deutlich zu spüren.

„Die Grundstückspreise in Dahme-Spreewald kennen nur eine Richtung – und die ist steil nach oben“ – das hat der Baudezernent und der stellvertretender Landrat Chris Halecker (Die Linke) kürzlich festgestellt. Momentan laufen die Auswertungen für das Jahr 2017, aber der Trend ist schon jetzt klar erkennbar: Vor allem im berlinnahen Raum ziehen die Preise für bebaubare Flächen deutlich an. Während es im berlinfernen Raum, zum Beispiel in der Gemeinde Heideblick, eher „Seitwärtsbewegungen“ gibt, wie es Jürgen Kuse vom Kreis-Katasteramt ausdrückt, profitieren alle Kommunen, die an der Infrastruktur nach Berlin liegen – ob Auto- oder Eisenbahn – spürbar von diesem Trend. „Es ist ohne Ende Geld am Markt, das merken wir“, sagt der Katasteramtschef Dahme-Spreewalds. Und das werde in Zeiten niedriger Zinsen gerne in Immobilien angelegt.

Für das erste Halbjahr 2017 gibt es die entsprechenden Auswertungen bereits. Die Zahl der Kaufverträge stieg zwar nicht, aber der Umsatz dafür umso mehr. „Im Landkreis Dahme-Spreewald wurden im ersten Halbjahr 2017 Immobilien für 327 Millionen Euro umgesetzt, was einer Steigerung von 93 Prozent entspricht“, informiert die Verwaltung. Damit liegt der Landkreis auch sehr deutlich über dem Landesdurchschnitt mit 31 Prozent Zuwachs.

Auf den zweiten Blick wird allerdings klar, dass die Unterschiede zwischen dem berlinnahen Norden und dem Süden gewaltig sind. Wurden in Schönefeld 149 Millionen Euro an Umsätzen mit Immobilien erzielt (also fast die Hälfte des Gesamterlöses), in Königs Wusterhausen 47 und in Wildau 35 Millionen Euro, waren es in Heideblick lediglich 0,8, in Märkische Heide 1,3 und in Lieberose/Oberspreewald 3,9 Millionen Euro.

Dennoch: „Wir sehen mancherorts eine Steigerung von vier, fünf Euro auf acht, neun Euro je Quadratmeter – allein schon diese Steigerung auf niedrigem Niveau zeigt, dass es Wachstumsraten gibt, die wir vor zwei, drei Jahren nicht für möglich gehalten hätten“, sagt Chris Halecker.

Dennoch ist verglichen damit, „dass die Wohnstandorte im Berliner Umland preislich echt unter Druck stehen“, wie Jürgen Kuse sagt, die Lage in der Kreisstadt  Lübben und Luckau „eher verhalten“. Doch eine Preissteigerung von zehn bis 15 Prozent sieht er auch in den beiden Städten, abgelesen aus den Trends des vergangenen Jahres. Im Durchschnitt könnten sich die Preise in den beiden Städten bei etwa 70 Euro je Quadratmeter eingependelt haben. Die Umsätze lagen bei 13 Millionen Euro in Lübben und knapp fünf in Luckau. Das lässt sich sagen, auch wenn der Gutachterausschuss im Moment noch auswertet.

Eine Verdichtung entlang der ­Infrastruktur, vor allem der Autobahn, lässt sich ebenfalls ablesen. Davon profitieren im südlichen Bereich vor allem Duben, Frei- und Schönwalde. Eine gute Anbindung etwa nach Cottbus aber wirkt sich auch auf die Preise in Lieberose gleich positiv aus. Mobilität ist ein schlagkräftiges Generalargument für Immobilienkäufer.

Die Gründe für den Erwerb können allerdings im Norden und Süden sehr unterschiedlich sein, so Kuse weiter. Während der südliche Raum, vor allem Luckau und Lübben, geprägt sind von denjenigen, die ein Haus kaufen, um es gleich oder später selbst zu nutzen, ist der nördliche Raum viel mehr im Visier der Anleger. Pensionskassen, Wohnungsgesellschaften, Anleger schauen auf die Region mit dem Gedanken: „So nah an Berlin bekomme ich es immer auch wieder los“, bringt es Kuse auf den Punkt. Verglichen damit sei Luckau geradezu eine „Risikoanlage“, sagt er – außer, man möchte selbst einziehen.

Das „Berliner Modell“ spielt ebenfalls eine Rolle. Wer in Berlin Wohnungen baut, muss einen bestimmten Anteil zu sozialverträglichen Mieten anbieten. „Das minimiert den Gewinn des Bauherrn“, erklärt Kuse. Die Regelung gilt in Brandenburg nicht – wovon die umliegenden Kommunen sehr profitieren.