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| 18:00 Uhr

Schulerweiterung
Wie besser gebaut werden kann

Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Lübben, eine sportbetonte Schule mit Hort, muss dringend erweitert werden.
Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Lübben, eine sportbetonte Schule mit Hort, muss dringend erweitert werden. FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Lübben. Berater stellt Empfehlungen für die sportbetonte Grundschule in Lübben vor.

Zum Umbau und zur Erweiterung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule und des Horts ist im Bauausschuss der Lübbener Stadtverordnetenversammlung das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorgestellt worden. Das sorgte bei manchem Zuhörer für unerwartete Einblicke. Dieses Bauvorhaben, zu dem es bereits einen Workshop und umfangreiche Diskussionen mit den Nutzern gegeben hatte,  wird  gegenwärtig auf ein Volumen von insgesamt rund sieben Millionen Euro geschätzten. Bei dieser Größenordnung steht auch die Verwaltung vor neuen, unbekannten Aufgaben. Wie Bauamtsleiter Frank Neumann am Mittwochabend im Rathaus erläuterte, sind bei solchen Investitionssummen europaweite Ausschreibungen geseztlich gefordert. Doch dazu fehlen der Lübbener Verwaltung bisher Erfahrungen.

Deshalb wurde die Beratungsgesellschaft für Behörden (VDB) beauftragt, vorab eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorzunehmen, in der Empfehlungen für die Realisierung  enthalten sind. „Wir sind seit 1997 tätig und haben in Lübben den Neubau des Rathauses begleitet“, stellte sich Geschäftsführer Thomas Schubert vor. Auch die Vermarktung der ehemaligen Sport- und Freizeitanlage in der Majoransheide gehört zu bisher in Lübben erfolgreich unterstützten Projekten.

Wie Thomas Schubert erläuterte, hat die VBD zunächst die Ausgangssituation und die bisherigen Schritte zusammengefasst. „Mit der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die einem solchen umfangreichen Vorhaben auch in finanzieller Hinsicht unbedingt vorausgehen sollte, werden die Rahmenbedingungen definiert und Vergleiche von Beschaffungsvarianten angestellt“, sagte er. Es werden Risikoaspekte dargestellt, Planungs- und Baukosten prognostiziert und verschiedene Beschaffungsvarianten verglichen.

So stellte er die konventionelle Beschaffung der ganzheitlichen gegenüber. VBD-Geschäftsführer Schubert plädierte eindeutig für die ganzheitliche Beschaffung. „Lübben kauft eine Lösung ein unter dem Motto ,Ein Produkt aus einer Hand’“, sagte er. Ein gewichtiges Argument war in seiner Darstellung der Vergleich der Zeitabläufe. Bei der konventionellen Einzelvergabe mit Architektenwettbewerb, europaweiter Ausschreibung der Planungsleistungen, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Baugenehmigung, Ausschreibung und Bauzeit kam er auf etwa 55 Monate. Dem stehen 41 Monate bei der Gesamtvergabe und der Tätigkeit eines Generalübernehmers gegenüber. Dass die in kürzerer Zeit zu realsierende Variante für Lübben von besonderer Bedeutung ist, weiß jeder, der die aktuelle Raumsituation kennt.

Zur Wirtschaftlichkeitsuntersuchung gehört auch eine Risikobewertung. Beim Vergleich der kalkulatorischen Risikokosten sieht die Beratungsgesellschaft die ganzheitliche Beschaffung mit 4,6 Prozent der Gesamtbaukosten günstiger als die konventionelle Beschaffung mit 10,9 Prozent. Ursachen für die Vorteile sieht Schubert bei der Übertragung von Risiken auf den Auftragnehmer, insbesondere bei den Schnittstellen und der Koordinierung der Planungs- und Bauleistungen. Ein Wettbewerb der Lösungen bedeute bereits in der Planungsphase einen wirtschaftlichen Anreiz zu setzen. Nach seinen Erfahrungen habe ein privater Auftragnehmer bei Vergaben einen größeren Handlungsspielraum als eine Kommune. Auf den Einwurf, dass Lübben nicht mit Dumpinglöhnen bauen will, verwies er auf die Pflichten  des Generalübernehmers. Allerdings: „Mit einer europaweiten Ausschreibung haben Sie Europa auf der Baustelle“, sagte Thomas Schubert.

Der Berater empfiehlt für den Umbau und die Erweiterung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule mit Hort die ganzheitliche Beschaffung von Planungs- und Bauleistungen. Er führte eine Reihe von Beispielen an, die von der VBD nach diesem Prinzip erfolgreich begleitet wurden.

„Der Vortrag hat mir viel gebracht“, schätzte am Ende Sabine Minetzke (Pro Lübben) ein. Interessant war für sie auch der Einwurf des Beraters, dass Lübben bei der aktuell bekannten Investitionssumme auch über einen Neubau nachdenken könne. „Ein Neubau sollte vier bis fünf Millionen Euro teurer werden, deshalb haben wir davon bisher Abstand genommen“, sagte die Abgeordnete.

Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung soll nun noch im Hauptausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert werden. Der VBD-Bericht ist nachzulesen unter: