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| 14:45 Uhr

Kasel-Golzig
Grünes Licht für „merkwürdigen" Beschluss

Kasel-Golzig. Kasel-Golzig will technische Infrastruktur für viel Geld voranbringen. Doch das Vorhaben ruft Skepsis hervor. Von Andreas Staindl

Die Firma „avado Systems Binder & Weber“ GbR in Strausberg wird beauftragt, Hard- und Software für die Erneuerung der Informationstechnik (IT)-Infrastruktur des Amts Unterspreewald zu liefern. Etwa 86 500 Euro werden dafür bereitgestellt. Die Mitglieder des Amtsausschusses gaben kürzlich grünes Licht für das Vorhaben.

So einfach durchgewunken wurde der Beschluss jedoch nicht. Für Manfred Mietusch (Bersteland) sind „die hohen Kosten zumindest fragwürdig, auch wenn ich das fachlich nicht einschätzen kann“. Lothar Lorenz (Unterspreewald) schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir wissen gar nicht, was wir konkret beauftragen.“ Eine fachliche Erläuterung gab es nicht. Dafür aber den Hinweis vom Amtsdirektor Henri Urchs, dass die Hard- und Software in der Verwaltung veraltet sei und erneuert werden müsse: „Wir hoffen, dass unsere Technik dann weniger oft ausfällt.“

Die neue Hard- und Software soll Henri Urchs zufolge über fünf Jahre geleast werden. Leasingkosten pro Jahr: Rund 17 500 Euro. Hartmut Laubisch (SPD/Golßen) hätte gern „Vergleichszahlen benachbarter Kommunen gehabt, um zu wissen, ob das uns vorliegende Angebot am oberen oder unteren Ende liegt“. Vergleiche seien schwierig, weil sich manche Kommunen Rechenzentren bedienen und so ihre eigene IT-Infrastruktur entlasten, wie der Verwaltungschef sagt. Für ihn ist es aber „wichtig, dass wir die Kontrolle über unsere Daten und Zahlen haben“.

Ganz einfach scheint das jedoch nicht. Von den sieben aufgeforderten Unternehmen und trotz Ausschreibung auf dem Vergabemarktplatz des Landes habe nur eine Firma ein Angebot eingereicht. Mietusch findet das „sehr merkwürdig“. Auch Henri Urchs „gefällt das nicht. Wir hatten auch Firmen in Lübben und Umgebung angeschrieben – doch ohne Reaktion. Vielleicht ist das einfach der Zeit geschuldet.“

Folkert Liebscher (Bersteland) blickt skeptisch auf die fortschreitende Digitalisierung: „Wie kommen denn ältere Menschen noch an Informationen des Amtes, wenn künftig alles digitalisiert wird?“ Der Amtsdirektor beruhigt: „Verwaltungen und Behörden sind ab 2022 lediglich verpflichtet, digitale Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Ansprechpartner für die Bürger wird es auch weiterhin geben.“