ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:34 Uhr

Grünen-Bundeschefin auf Bio-Tour

Die Hühner der Familie d'Heureuse in Kuschkow ließen sich von Simone Peter beinahe streicheln.
Die Hühner der Familie d'Heureuse in Kuschkow ließen sich von Simone Peter beinahe streicheln. FOTO: Siegel
Kuschkow/Münchehofe. Der Bio-Landbau im Spreewald hat einen guten Ruf. Der hat sich längst auch bis in die Zentralen der Bundesparteien in der Hauptstadt herumgesprochen. Kein Wunder, dass es Berliner Politiker ins Reich der Fließe zieht. Jan Siegel

Wenn die Sonne am höchsten steht und Berlin in der parlamentarischen Sommerpause in eine Art politischen Dornröschenschlaf verfällt, zieht es alljährlich auch viele Bundespolitiker "aufs Land", so auch die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter. Die große Blonde aus dem Saarland war am Montag auf den Spuren des BioLandbaus in den Spreewald gefahren.

Das Reich der Fließe ist ein Mekka des biologischen Anbaus in Deutschland. Immerhin werden dort fast 70 Prozent der Flächen unter strengen ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet. Erlebt hat Simone Peter bei ihrer Spreewaldtour, die von ihrem Parteikollegen, dem Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke, zusammengestellt worden war, ein maximales Kontrastprogramm.

Im Dörfchen Kuschkow beispielsweise traf Simone Peter die Bio-Gärtner Sonja und Jörg d'Heureuse. Das Paar ist vor fünf Jahren in die Region gezogen und hat vor drei Jahren mit dem Aufbau einer eigenen kleinen Hofwirtschaft begonnen. Dabei war den beiden ausgebildeten Gärtnern von Anfang an klar, dass sie nach den strengen Regeln des biologischen Anbaus wirtschaften wollten.

Zuerst bestellte das Paar ihre Beete im etwa 1000 Quadratmeter kleinen Garten direkt hinter ihrem Dreiseitenhof. Inzwischen aber sind die Beete auf einer etwa zwei Hektar großen Fläche am Kuschkower Dorfrand zu kleinen Feldern geworden, die Sonja und Jörg d'Heureuse gemeinsam mit einer Mitarbeiterin und mit viel Liebe zum Detail bewirtschaften.

"Wir können davon leben", sagt Jörg d'Heureuse. Große Sprünge seien zwar nicht möglich, aber er und seine Frau sind stolz darauf, dass sie den Aufbau ihres kleinen Familienbetriebes vor allem aus eigener finanzieller Kraft ge stemmt haben.

Inzwischen beliefern sie jede Woche zwei Bio-Supermärkte in Berlin. An jedem Freitag stehen sie mit ihrem Stand auf dem Lübbener Markt und haben sich dort eine Stammkundschaft aufgebaut. Außerdem beliefert die Kuschkower Gärtnerfamilie ihre Kundschaft in der Lübbener Region auch frei Haus mit Bioprodukten aller Art, nicht nur aus eigener Produktion. Im Internet können sich die Kunden allwöchentlich eine Kiste mit Produkten frei zusammenstellen, die dann immer Donnerstagabend an die Haustür geliefert wird.

Die Bundespolitikerin Simone Peter zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der Eheleute. "Hier sieht man, wie viel Mühe es kostet, so gute und hochwertige Produkte zu erzeugen", sagte Peter nach dem Rundgang.

Einen Bio-Betrieb ganz anderen Kalibers bekam Simone Peter dann in Münchehofe zu sehen. Die Gläserne Molkerei setzt seit sechs Jahren strikt auf die Produktion von Bio-Milchprodukten und hat sich damit einen beachtlichen Markt erobert.

Die Erzeugnisse aus Münchehofe finden sich inzwischen auch in den Bio-Theken großer Supermarktketten in ganz Deutschland. Das Unternehmen ist, nach Angaben von Geschäftsführer Klaus Frericks, mit seinen Betrieben in Münchehofe und dem mecklenburgischen Dechow inzwischen der zweitgrößte Biomilch-Verarbeiter in der Bundesrepublik. Die Bio-Produzenten wünschen sich von der Politik sowohl im Bund wie auch im Land vor allem Verlässlichkeit. Landwirte, die auf den biologischen Anbau setzten, gingen eben auch finanzielle Risiken ein, die auch für kleine Betriebe beherrschbar sein müssten.

Der Tag im Grünen war für die Grünen-Bundespolitikerin Simone Peter vor allem ein Tag an der Basis - ein spezieller "Feldversuch".

Peter erfuhr vieles aus dem Alltag der Produzenten und ihren Herausforderungen. Daher auch ihr Fazit: "Gut und auch noch günstig, das passt nicht so recht zusammen."