Von Ingvil Schirling

Spätsommerliche Temperaturen sind fürs Wochenende vorhergesagt – und das ist auch gut so. Denn es steht nicht nur im Zeichen des Lübbener Spreewaldfestes, sondern auch in dem der modernen Kunst. Konkret geht es um ein großes Stelldichein in Straupitz und Lübbenau – und dabei darf ein neues Gesicht begrüßt werden.

Es gehört zum Förderverein der Aquamediale, der nach dem Tod seines langjährigen Vorsitzenden Michael Kuttner einen neuen Vorstand zu wählen hatte. Norbert Schmidt leitet seit Dienstagabend die Geschicke des Vereins. Der erfahrene Kreistagsabgeordnete aus Wildau hat seine Zuneigung zur Kunst schon oft gezeigt, ist aber auch für sein kritisches und strukturiertes Nachhaken in Sachen Finanzen bekannt. Der 64-Jährige ist außerdem Vorsitzender der Seniorenunion in Dahme-Spreewald und sitzt für die CDU im Kreistag. Ohne Gegenstimmen wurde er am Dienstagabend in Lübben von den Vereinsmitgliedern zum Vorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist der Lübbener Apotheker Wolfgang Büttner. Benjamin Kaiser, ebenfalls aus Lübben, bleibt Schatzmeister. Neue Beisitzerinnen wurden Anika Meißner aus Lübbenau und Tina Lüben aus Märkische Heide, die in der Unterspreewälder Verwaltung das Hauptamt verantwortet.

Anika Meißner zeichnete bisher als Projektleiterin für die Aquamediale im Rahmen der Kreisverwaltung verantwortlich. Sie wechselt zum 1. Oktober an den Landesrechnungshof, will das internationale Festival für zeitgenössische Kunst jedoch weiter aus dem Verein heraus begleiten und unterstützen. Gemeinsam mit Kurator Harald Larisch sollen jetzt schon die Weichen für die Aquamediale 2021 gestellt werden. Wo und unter welchem Thema sie in zwei Jahren stehen wird, ist noch offen.

Und während das eine beginnt, endet das andere. Am Wochenende wird die Finissage des Festivals in Straupitz gefeiert. Am Samstag dürfen sich die beiden „kreativen Schwestern“ Aquamediale und Spreewaldatelier dann zum krönenden Abschluss direkt begegnen. Beide gehören zum „Kunstraum Spreewald“, einem Dachkonstrukt, das mit den beiden und der Luckauer Spektrale drei große Kulturveranstaltungen in der Fließlandschaft vereint. Ziel ist es, damit das Potenzial des Spreewalds mit und für Kunst sowie für Einheimische und Besucher immer weiter zu heben.

Das Programm an diesem Spätsommerwochenende ist daher umfangreich. Am Freitagabend wird ab 18 Uhr nach Straupitz eingeladen. Damit es auch ganz sicher bei der warmen Atmosphäre bleibt, hat sich der Freundeskreis Kornspeicher wie schon mehrfach in diesem Sommer angeboten, die Versorgung zu übernehmen – und will zum Abend hin ein Feuer anzünden.

Zunächst aber besteht letztmals nach drei Monaten Open-Air-Ausstellung an den Wassern des Straupitzer Schlossparks die Möglichkeit, die Kunstwerke unter Führung des Kurators Harald Larisch vom Kahn aus zu erleben. Wer sich dabei in eine der Arbeiten spontan verliebt (oder schon länger mit ihr liebäugelt), darf sich direkt mit den Künstlern kurzschließen. Vorbereitet ist ein Künstlertisch, an dem Interessierte mit den Kreativen über die Details in Kontakt kommen können. Mehrere der Arbeiten bestehen aus einzelnen Teilen, etwa das „Warten auf Regen“ der Südkoreanerin Joo Young Kim mit ihren bemalten Keramiken oder die Fontanezitate auf Grenzpfählen von Franz Zauleck. Fünf der zehn Arbeiten sind allerdings bereits ganz oder in Teilen reserviert. Ab 20 Uhr spielt dann die Pugsley Buzzard Band unter anderem mit New-Orleans-Blues auf.

Aquamediale-Arbeiten, die an diesem Abend kein neues Zuhause finden, kommen am Samstag in Lübbenau unter den Hammer. Die ganze Woche ist in der Spreewald­stadt zu beobachten, wie aus groben Holzstämmen und mit feinem Stift Kunst wird. Die Besucher können die Künstler beim Arbeiten erleben und sich selbst ausprobieren. Der Samstag steht im Zeichen des gemeinsamen Abschlusses.

Offizieller Start für die schwesterliche Finissage ist um 13 Uhr auf dem Kirchplatz, zu der Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch erwartet wird. Von 15 bis 17 Uhr versteigert einmal mehr Herbert Schirmer die Arbeiten aus beiden Projekten. Um 19.30 Uhr beginnt eine Tanzperformance unter dem Titel „Skulpturen im Licht“, zugleich darf das „Traumstaken“ als poetische Kahnfahrt durch die Nacht mit dem Theater „Anu“ genossen werden.

So neigt sich ein Spreewälder Kunstsommer an diesem Wochenende dem Ende zu. Wenn nach dem Winter das Maigrün in der Fließlandschaft einzieht, blüht auch die Kunst weiter. Denn dann lädt die Berstestadt Luckau zur Spektrale ein.