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Großer Funker-Test in Lübben

Helfer testen den Aufbau der Antenne, wie sie baugleich auch während der Weltmeisterschaft (WM) im nächsten Jahr verwendet wird. Die Fläche an den ehemaligen Fischteichen bei Hartmannsdorf ist einer der 63 WM-Standorte.
Helfer testen den Aufbau der Antenne, wie sie baugleich auch während der Weltmeisterschaft (WM) im nächsten Jahr verwendet wird. Die Fläche an den ehemaligen Fischteichen bei Hartmannsdorf ist einer der 63 WM-Standorte. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben-Hartmannsdorf. Die Amateurfunk Weltmeisterschaft (WM) findet erstmals in Deutschland statt. Brandenburg und Sachsen sind die Gastgeber. Andreas Staindl / asd1

Zwar steigt das Ereignis erst in einem Jahr, doch die Vorbereitungen haben begonnen. Am Wochenende wurden einige der Standorte getestet, einer davon an den ehemaligen Fischteichen zwischen Lübben und dem Ortsteil Hartmannsdorf.

"Wir haben hier gute Bedingungen", sagt Reinhard Schwietzke, Vorsitzender des Ortsverbands Spreewald des Deutschen Amateur Radio Club. "Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen sind weit weg. Während des Tests geht es darum, Erfahrungen für das nächste Jahr zu sammeln, etwa ob Funkverbindungen mit allen Kontinenten möglich sind."

Funkamateure aus dem Spreewald und aus anderen Bundesländern bauten bei Hartmannsdorf eine komplette Wettkampfanlage mit Antenne, Zelt und Generator auf. Im Juli 2018 soll dort eines der Zweierteams um den WM Titel kämpfen. Wer die meisten Verbindungen in möglichst weit entfernte Länder herstellt, gewinnt die "World Radio Team Championship" (WRTC). 24 Stunden haben die Teams Zeit. Sie funken mit 100 Watt und identischen Antennen.

Gleiche Bedingungen für alle ist Grundvoraussetzung der Weltmeisterschaft. Die Teilnehmer kommen aus 40 Regionen weltweit. Pro Land starten zwei Funkamateure. Deutschland darf als Gastgeber drei Mannschaften stellen. Die Starter stehen schon fest. Sie haben sich in einer mehrjährigen Qualifikationsrunde qualifiziert. Aus dem Ortsverband Spreewald ist niemand dabei.

"Funken ist ein sehr komplexes Thema, das schnelle Reaktionen und Auffassungsgabe, aber auch ganz viel Routine und Erfahrung erfordert", sagt Köss Ruthemann. Er kam aus München in den Spreewald um zu helfen. 15 der 63 WM-Standorte wurden am Wochenende getestet.

"Die Erfahrungen helfen uns, gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer zu schaffen", sagt Uwe Hiller aus Potsdam. Er kam während seiner Armeezeit zum Funken und blieb dabei: "Es ist ein faszinierendes Hobby." In Sekunden stellen die Amateurfunker Sprech- oder Tastfunkverbindungen in alle Regionen der Welt her. Sie sind in 339 Ländern zu Hause. Mit 329 von ihnen hatte Reinhard Schwietzke schon Kontakt. Nur zehn Verbindungen fehlen ihm noch, darunter nach Nordkorea sowie zu kleinen Inseln im japanischen Meer und im Pazifik. "Wir Funker sind die bestvernetzten Leute der Welt", sagt der Chef des Ortsverbands Spreewald.

Auch Immo Janz ist seit Jahrzehnten mit dem "Funker-Virus" infiziert. "Funken hat einen völkerverbindenden Charakter", sagt er. "Wir Amateurfunker ticken alle gleich." Der Berliner stammt aus dem Lübbener Ortsteil Hartmannsdorf. Er ist der Bruder der Turn-Olympiasiegerin Karin Büttner-Janz. Ihr Vater Guido Janz hatte einst die Arbeitsgruppe der Funker an der ehemaligen Erweiterten Oberschule (EOS) in Lübben geleitet. Auch Reinhard Schwietzke hat dort das "Funk-Fieber" erfasst.

Im nächsten Jahr findet die Weltmeisterschaft quasi vor seiner Haustür statt. Spitzenteams schaffen bis zu fünf Verbindungen pro Minute. Die deutschen Vertreter hoffen im nächsten Jahr auf den Heimvorteil. Während der bisherigen "World Radio Team Championship" landeten die Gastgeber fast immer auf dem Siegerpodest, wie Reinhard Schwietzke erzählt.

Gut möglich, dass das Siegerteam 2018 von Hartmannsdorf aus funkt. Aus welchem Land das Zweierteam kommt, dass den Standort an den Fischteichen nutzt, wird vor Wettkampfbeginn ausgelost. Gute Bedingungen zumindest sind garantiert. Das hat der Test am Wochenende bewiesen.

Zum Thema:
Die Amateurfunk Weltmeisterschaft findet vom 12. bis 16. Juli 2018 erstmals in Deutschland statt. Spitzenfunker aus der ganzen Welt sind in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen zu Gast. Sie kämpfen an 63 Standorten um den WM Titel. Die "World Radio Team Championship" finden nur alle vier Jahre statt und gelten als Olympische Spiele der Funkamateure.