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| 02:51 Uhr

Große Kunstvielfalt im Rathaus

Voll gepackt mit Lübbener Kunst ist das Rathaus seit dieser Woche. Eine Mitarbeiterin geht an Arbeiten von Edda B. Fischer vorbei.
Voll gepackt mit Lübbener Kunst ist das Rathaus seit dieser Woche. Eine Mitarbeiterin geht an Arbeiten von Edda B. Fischer vorbei. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Wer schon immer mal einen Überblick über das Schaffen Lübbener Künstler haben wollte, ist jetzt im Rathaus goldrichtig. Seit Dienstagabend hängen Werke von 20 Kunstschaffenden verschiedener Stile, Arbeitsweisen und Ausrichtungen aus der Spreewaldstadt an den Wänden. Ingvil Schirling

"Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah" - in seinem Schlusssatz zur Vernissage brachte Bürgermeister Lars Kolan (SPD) den Wert der neuesten Ausstellung im Rathaus auf den Punkt. Sie zeigt, wie vielfältig und tiefgründig die Lübbener Kunstszene ist, welche Breite an Stilen, Materialien, Themen, Sichtweisen und, wie der Titel "Signaturen" schon sagt, Handschriften sie aufweist.

20 Künstler aus der Spreewaldstadt zeigen jeweils beispielhaft eine Handvoll ihrer Arbeiten. Sie bekamen auf allen drei Etagen des Rathauses eigene Abschnitte entlang der Flure und im Foyer zugeordnet. Damit sind die Bilder und Arbeiten im direkten Vergleich erlebbar. Ein Foto mit Lebenslauf und den wichtigsten Angaben zum bisherigen Schaffen hängt neben den Bildern jedes Künstlers.

Wie groß die Bandbreite und das Spannungsfeld der Schau sind, lässt sich beispielhaft an zwei Künstlerinnen zeigen. Die eine ist ganz oben, die andere ganz unten zu sehen: Edith Schwäbisch mit ihren wunderbaren, dreidimensionalen Blütenbildern in der obersten Etage gegenüber dem Bauamt und Fernandez Carmonas abstrahierte Formen mit Tiefenwirkung vis-à-vis dem Bürgerbüro im Erdgeschoss. Dazwischen finden sich bekannte Arbeiten wie der verschmitzte Wassermann mit seinem silbrig glänzenden Fisch, der nur aus dem Pinsel von Ingrid Groschke stammen kann - eine der bekanntesten Lübbener Malerinnen und Autorinnen.

Einen bestechend anderen Umgang mit der Spreewälder Sagenwelt hat Sebastian Franzka, der eine stakende Spreewälderin samt überdimensionierter Haube einfach mal in Flammen setzt. Wenn seine Partnerin Karen Ascher Spreewälder Erzählungen so richtig schön gegen den Strich bürstet, fliegen nicht weniger Funken. Ihre Holzschnitte hängen Franzkas Arbeiten gegenüber in der ersten Etage. Beide leben und arbeiten in ihrem Atelier "Hirnflug".

Sybille Grunert, eine weitere bekannte und erfolgreiche Lübbener Malerin, lässt neben Spreewälder Romantik auch Kritik an gegenwärtiger Umweltpolitik aus ihren Bildern sprechen: Da duckt sich ein Fuchs in die Höhle eines Baumstammes, der entlaubt und einsam in schneebedeckter Landschaft vor Kraftwerksschloten und Windrädern steht.

Nicht weniger deutlich, aber auf ganz andere Art, wird Sylvia Matthes (ein weiterer etablierter Name in der Lübbener Kunstszene) mit ihrem BER-Bild. Auf den ersten Blick klar und quadratisch, ist es auf den zweiten doch so oft übermalt und verändert, dass der Sinn in der Fragwürdigkeit zu verschwimmen scheint.

Monika Fuchs, ebenfalls bekannte Lübbener Künstlerin, taucht hingegen beispielsweise mit ihrem Doppelporträt "Hannes und ich" tief in zwischenmenschliche Beziehungen ein und zeigt darüber hinaus eine große Schaffensbreite. Porträts bekannter Gesichter wie Lars Kolan oder Peter Löwe (Kleine Galerie Schwielochsee) zeigt Monika Schubert im Erdgeschoss, schräg gegenüber von experimentellen Fotografien von Andreas Traube. Andreas Funke, auch genannt Andrew Spark, steuert Fotografien vom Lübbener Marktplatz sowie eine Reihe von Aktbildern bei. Annett Wagner hat die Weite Brandenburger Landschaft anhand von Strommasten auf Holzplanken eingefangen. Hans-Richard Groschke schließt mit feinsinnigen und detailreichen Pastellzeichnungen im Erdgeschoss gleich neben der Rezeption ab.

Die Eröffnung war feierlich und stimmungsvoll umrahmt von Musik und herbstlichen Gedichten, die Marga Morgenstern vortrug.

Zum Thema:
Die Ausstellung mit Arbeiten von 20 Lübbener Künstlern unter dem Titel "Signaturen" ist bis zum 31. Januar im Rathaus zu sehen. Mit dabei sind Arbeiten von Malgorzata Suwalski, Uwe Aulich, Edda B. Fischer, Stefan Bleyl, Franz Rentsch, Ulrike Stoewe und Marietta Thier. Die Öffnungszeiten sind montags und mittwochs von 7 bis 16 Uhr, dienstags von 7 bis 19 Uhr, donnerstags von 7 bis 17 und freitags von 7 bis 14 Uhr.