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| 15:16 Uhr

Neuer Chef gesucht
Große Herzen für Tschernobyl-Kinder

 Eveline Schüler (M.) hat die gesundheitlich angeschlagenen Kinder aus Weißrussland in ihr Herz geschlossen. Sie führt den Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl derzeit kommissarisch. Die Ehrenvorsitzende Brigida Melzer (vorn r.) unterstützt sie.
Eveline Schüler (M.) hat die gesundheitlich angeschlagenen Kinder aus Weißrussland in ihr Herz geschlossen. Sie führt den Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl derzeit kommissarisch. Die Ehrenvorsitzende Brigida Melzer (vorn r.) unterstützt sie. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Lübbener Verein kümmert sich seit mehr als 20 Jahren um Kinder aus Weißrussland. Von Andreas Staindl

Der Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl ist der prominenteste Verein in der Kreisstadt. Bürgermeister Lars Kolan (SPD) hatte diese Einschätzung einst getroffen. Danilo Markewitz erinnerte während der Jahresversammlung des Vereins kürzlich daran. Der Geschäftsführer machte während des Rechenschaftsberichts deutlich, warum der Tschernobyl-Verein ein so hohes Ansehen genießt. Seit mehr als 20 Jahren kümmern sich Mitglieder des Vereins um strahlengeschädigte Kinder aus Weißrussland. Höhepunkt ist der jährliche, dreieinhalbwöchige Aufenthalt der Mädchen und Jungen im Spreewald. Ohne die zahlreichen Spenden wäre das Engagement nicht möglich, wie Ute Moritz sagt. Die Kassenwartin findet es „beeindruckend, wie viele Leute unsere ehrenamtliche Arbeit finanziell und materiell unterstützen“.

Brigida Melzer würdigt zudem die Mitglieder selbst. „Dass sie so zahlreich an unserer Jahresversammlung teilnehmen zeigt, dass sie ein großes Herz für unseren Verein haben.“ Die langjährige Vereinschefin und heutige Ehrenvorsitzende bezog die Gasteltern in ihre Würdigung mit ein: „Wir haben gute und sehr aktive Gasteltern, die sich wie unsere Mitglieder intensiv in unsere Arbeit einbringen.“

Und doch gibt es Sorgen. Der Verein hat schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren seine Vorsitzende wenige Monate nach der Wahl verloren. Herta Katterle hatte den Tschernobyl-Verein vor einem Jahr übernommen (die RUNDSCHAU berichtete), konnte ihre Führungsrolle wegen gesundheitlicher Probleme jedoch nicht ausfüllen, informiert Danilo Markewitz. Im November des vergangenen Jahres hatte sie laut dem Geschäftsführer ihren sofortigen Rücktritt als Vorsitzende und ihr Ausscheiden aus dem Verein erklärt. Brigida Melzer – inzwischen über 80 – sah sich erneut in der Verantwortung. „Sie hat uns durch schwieriges Fahrwasser in diesem Jahr geführt“, sagt das Vereinsmitglied Ilona Schröder.

Inzwischen hat Eveline Schüler aus Gröditsch (Märkische Heide) den Vorsitz des Lübbener Tschernobyl-Vereins kommissarisch übernommen. Sie steht nicht zum ersten Mal an der Spitze des Vereins. Mitte 2016 hatte sie das Zepter von Brigida Melzer übernommen. Ein Formfehler verhinderte damals die Rechtmäßigkeit der Wahl (die RUNDSCHAU berichtete). Ihr Herz allerdings schlägt weiter für die gesundheitlich angeschlagenen Kinder aus Weißrussland. Eveline Schüler ist bereit, den Verein bis zur nächsten Wahl in zwei Jahren zu führen, sagt sie: „Ich bin aber nicht böse, wenn es schon vorher jemanden gibt, der sich für diese Aufgabe engagieren möchte.“

Danilo Markewitz schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir würden uns sehr freuen, wenn jemand dieses Amt übernimmt.“ Die Arbeit des Vereins läuft derweil weiter. Auch die Vorbereitungen für den Aufenthalt der Kinder im Sommer dieses Jahres haben längst begonnen.

Etwa 30 Mädchen und Jungen aus Weißrussland werden vom 11. Juli bis zum 5. August 2019 ihre Ferien im Spreewald verbringen. „Wir suchen noch einige Gasteltern“, sagt der Geschäftsführer. Maria Heilenz aus dem Luckauer Raum engagiert sich schon als Mutter auf Zeit, macht Interessierten Mut und schildert ihre Erfahrung: „Die Gastkinder sind pflegeleicht, nicht anders als unsere Kinder hier auch. Es braucht also niemand Angst zu haben.“

Gasteltern werden vom Verein im Umgang mit den Gastkindern eingewiesen, wie Danilo Markewitz sagt. Der Geschäftsführer verwies zudem auf die „riesengroße Resonanz der Bevölkerung auf unsere Arbeit. Durch materielle Spenden, Geldzuwendungen und andere Hilfen erhält unser Verein Bestätigung und Anerkennung. Die Menschen vertrauen uns. Und das macht froh, gibt Mut und animiert immer wieder zum Weitermachen.“