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| 16:39 Uhr

Groß Leuthen
Groß Leuthener wollen ihren Ort entwickeln

Reinhard Schulz (vorm l.) hat Mitglieder der Enquete-Kommission, Benjamin Raschke (4.v. l.) und Michael Thomas (5.v.l.) sowie weitere Teilnehmer kürzlich durch Groß Leuthen geführt.
Reinhard Schulz (vorm l.) hat Mitglieder der Enquete-Kommission, Benjamin Raschke (4.v. l.) und Michael Thomas (5.v.l.) sowie weitere Teilnehmer kürzlich durch Groß Leuthen geführt. FOTO: Andreas Staindl
Groß Leuthen. Informationsaustausch beim Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Enquete-Kommission 6/1 des Brandenburger Landtags. Von Andreas Staindl

Versorgungs- und Infrastruktur in Groß Leuthen (Märkische Heide) sind bescheiden. Der einzige Lebensmittelmarkt hat geschlossen. Ansiedlung von Investoren und der Wohnungsbau kommen nicht voran, so erleben es die Einwohner. Die gesetzlichen Instrumente sind da, doch sie würden nicht genutzt,  sagt Reinhard Schulz von der Initiativgruppe „Groß Leuthen entwickeln“.

„Gemeindevertreter und Gemeindeverwaltung hätten rechtliche Möglichkeiten, Missstände zu beseitigen und eine Entwicklung voranzutreiben. Doch sie tun es nicht, weil sie Vorurteile und Misstrauen gegenüber engagierten Bürgern haben, und aus Unwissenheit“, so die Einschätzung von Schulz. Zudem bremse der Landesentwicklungsplan aus. Der Plan lasse nur wenig Entwicklung in den 17 Ortsteilen der Gemeinde Märkische Heide zu. Reinhard Schulz will das nicht hinnehmen. Der Architekt hat gemeinsam mit anderen Bürgern vor einigen Monaten die Initiativgruppe „Groß Leuthen entwickeln“ gegründet mit dem Ziel, Groß Leuthen wiederzubeleben und die Entwicklung voranzutreiben.

Erste Vorschläge gibt es, auch ganz konkrete Ideen. Die Gemeinde könnte ein Entwicklungskonzept auf den Weg bringen. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss liegt den Gemeindevertretern demnächst vor, wie Ortsvorsteherin Christine Exler (Initiative Zukunft) sagt: „Unser Ziel ist es, Groß Leuthen wieder zu alter Blüte zu führen, damit von hier aus Impulse auch in alle Ortsteile ausstrahlen.“

Vertreter der Enquete-Kommission des Lands Brandenburg, die sich mit der Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels beschäftigt,  haben sich kürzlich von der aktuellen Situation in Groß Leuthen ein Bild gemacht, sich Visionen und Entwicklungshindernisse aufzeigen lassen. Die Initiativgruppe „Groß Leuthen entwickeln“ hatte eingeladen. Mit Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Thomas (Die Linke) sind zwei Mitglieder und mit Alexandra Tautz (Bündnis 90/Die Grünen) die Referentin für die Kommission sowie weitere Gäste begrüßt worden. Auch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung waren der Einladung gefolgt.

Raschke begrüßt, dass sich „Einwohner für ihre Region engagieren und dazu beitragen, dass sich ländliche Verhältnisse nicht ausschließlich negativ entwickeln“. Ihm zufolge kommt „den Dorfgemeinschaften zukünftig eine immer stärkere Rolle zu“. Den Landesentwicklungsplan sieht auch er kritisch, sagt aber: „Entwicklung ist dennoch möglich.“ Das sieht Reinhard Schulz genauso. „Die Gemeinde hat die nötigen Instrumente in der Hand, nutzt diese jedoch nicht, und das, obwohl Leute herziehen, hier bauen wollen.“ Schulz verweist auf das Schloss inklusive Park und das früher von der Landwirtschaft genutzte Gelände in der Nachbarschaft, das sich „optimal für Wohnungsbau eignen würde. Auch das Schloss hätte enormes Potential für den Ort, eine ähnliche Wirkung wie der Potsdamer Platz in Berlin. Doch beide Objekte wurden an Privatleute verkauft.“

Für Benjamin Raschke ist das eine Sache der Kommune. Die Idee eines Dorfladens, die seit Monaten diskutiert wird, begrüßt er. Auch zu der Absicht, eine Start- und Landebahn für Kleinflugzeuge zu schaffen,  bezog er Position, allerdings nur allgemein: „Jeder, egal ob arm oder reich, muss sich an Spielregeln halten.“ Es müsse darauf geachtet werden, dass in dem kommenden Planungsverfahren Pro und Kontra offen und transparent abgewogen werde. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung müsse dabei unbedingt angewendet werden. „Bei solch einem Vorhaben darf in keinem Fall der Eindruck von Hinterzimmerpolitik entstehen“, sagt Raschke. Der Abgeordnete will nun bei der Landesregierung „nachhaken“, wie weit denn der Stand der Planungen vorangeschritten ist.

Die Enquete-Kommission arbeitet seit 2015. Den Abschlussbericht soll sie dem Brandenburger Landtag im Frühjahr des nächsten Jahrs vorlegen. „Wir schauen deshalb in den Orten, was das Land tun kann, um den ländlichen Gemeinden Gestaltungsmöglichkeiten zu geben“, sagt Raschke. Michael Thomas würde sich wünschen, „dass es gelingt, Groß Leuthen als Zentrum für alle 17 Ortsteile der Gemeinde Märkische Heide zu entwickeln“.

Dass alle Ortsteile berücksichtigt werden, dafür spricht sich auch Bürgermeisterin Annett Lehmann (Pro Märkische Heide) aus. Sie verweist auf Rundschau-Nachfrage darauf, dass gerade eine Anhörung an alle Ortsvorsteher gegangen ist. „Das Ergebnis wollen wir abwarten“, sagt sie, ehe es in der Diskussion weiter geht und ein Dorfentwicklungskonzept erarbeitet wird, für das Geld in die Hand genommen wird. Es gehe nicht allein um die Entwicklung von Groß Leuthen.