| 02:51 Uhr

Grenzgänger auf historischen Pfaden

Auf Schusters Rappen und historischen Spuren ging es für die Wanderer am Wochenende durch die Krausnicker Berge. Sie folgten der Grenze zwischen Preußen und Sachsen, die bis vor 200 Jahren durch dieses Gebiet verlief – unter anderem quer durch Tropical Islands.
Auf Schusters Rappen und historischen Spuren ging es für die Wanderer am Wochenende durch die Krausnicker Berge. Sie folgten der Grenze zwischen Preußen und Sachsen, die bis vor 200 Jahren durch dieses Gebiet verlief – unter anderem quer durch Tropical Islands. FOTO: asd1
Groß Wasserburg. Ein spannendes Thema haben historische Interessierte unter ihre Sohlen genommen. Sie begaben sich auf Grenzwanderung in die Krausnicker Berge. Es war eine unkonventionelle Annäherung an die ehemalige Grenze zwischen Preußen und Sachsen. Andreas Staindl / asd1

Per Shuttle-Bus treffen die Teilnehmer in Groß Wasserburg (Unterspreewald) ein. An der Gaststätte im Ort beginnt die Tageswanderung. Die beiden Wanderwegewarte des Dahme-Spreewald-Kreises hatten eingeladen und stellen sich kurz vor. Uwe Neumann ist im Süden und Manfred Reschke im Norden aktiv, Reschke zudem Autor mehrerer Wanderführer.

Beide sind auch historisch "bewandert" und nutzen "Schusters Rappen" leidenschaftlich gerne. Jetzt hatten sie eine ganz besondere Tour vorbereitet. Sie gaben ihr den Titel "Grenzlinien". Hintergrund ist die im Rahmen des Wiener Kongresses vereinbarte Abtretung der Niederlausitz von Sachsen an Preußen/Brandenburg. Sie jährt sich in diesem Jahr zum 200. Mal. Die Teilnehmer der Tageswanderung folgten der alten Grenzlinie zwischen Sachsen und Preußen von Groß Wasserburg durch die Krausnicker Berge vorbei an Tropical Islands bis nach Oderin.

Etwa 20 Kilometer lagen vor ihnen. Gleich zu Beginn war der Anstieg zum Wehlaberg zu bewältigen. Nach knapp vier Kilometern war der höchste Berg in den Krausnicker Bergen erreicht. Wer noch höher hinaus wollte, musste die Stufen des Aussichtsturms hinaufsteigen. Noch einmal 28 Meter höher kann man rund 50 Kilometer weit blicken, gute Sicht vorausgesetzt.

Manfred Reschke kommt ins Schwärmen: "Der Landkreis Dahme-Spreewald hat mehr zu bieten als nur den Spreewald. Hier im ehemaligen Grenzgebiet lassen sich ausgiebige Wanderungen wunderbar mit Kahnfahrten verbinden." Er ist oft mit Gruppen unterwegs und erzählt, wie er Gästen den Bergspreewald und den inneren Spreewald näher bringt: "Wir wandern um die Heideseen, rasten an der wunderbaren Badestelle, fahren mit dem Bus nach Schlepzig, schauen uns das Dorf an. Eine Kahnfahrt im benachbarten Leibsch ist oft der Abschluss einer Tour im ehemaligen Grenzgebiet."

Die Grenzlinie gibt es für ihn nur noch in den Geschichtsbüchern. Und doch konnten die Teilnehmer sie am Samstag nachvollziehen. Etwa am Gedenkstein "Bunter Stiel". Der Stein markiert heute jenen Standort, an dem vor mehr als 200 Jahren Grenzpfähle standen. Etwa zwei Kilometer entfernt erinnert ein weiterer Gedenkstein an den ehemaligen Standort des Gasthauses "Hungriger Wolf". Ganz in der Nähe befand sich der "Heidekrug zum toten Mann", erzählt Uwe Neumann. Ihm zufolge soll auch der Liederdichter Paul Gerhardt dort eingekehrt und einmal, so erzählt es zumindest der Wanderwegewart, einen über den Durst getrunken haben.

Peter Schäfer kennt jeden markanten Punkt in den Krausnicker Bergen. Er ist dort rund 40 000 Kilometer gelaufen. Inzwischen wohnt er in Drewitz (Spree-Neiße). Für die Tageswanderung kehrte er in seine alte Heimat zurück - mit dem Liegerad: "Bei einer historischen Wanderung wollte ich unbedingt dabei sein."

Die Grenzlinie in den Krausnicker Bergen trennte einst nicht nur Sachsen und Preußen, sondern später auch die früheren Kreise Lübben und Königs Wusterhausen. Heute trennt sie die Reisegebiete Spreewald und Dahme-Seen. Die Linie verläuft Uwe Neumann zufolge mitten durch das künstliche Tropenparadies Tropical Islands bei Krausnick.

Mit der Wanderung am Samstag wollten er und Manfred Reschke auf historische Zusammenhänge in den Krausnicker Bergen aufmerksam machen. Das ist ihnen gelungen.

Zum Thema:
Die Krausnicker Berge sind ein lohnendes Ausflugsziel. Sie bilden die Grenze zwischen dem Spreewald und dem Dahmeland. Berge sowie die angrenzenden Seen Luchsee und Heidesee gehören zum Biosphärenreservat Spreewald. Der Wehlaberg liegt im Naturschutzgebiet Heideseen. Er ist mit 144 Metern die höchste Erhebung in den Krausnicker Bergen.