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| 10:25 Uhr

Golßener sind gegen tägliche Mittagsruhe

Golßen. Auf heftigen Widerstand der Stadtverordneten stoßen die Pläne des Amtes Golßener Land, eine tägliche Mittagsruhe von 12 bis 15 Uhr einzuführen. Die amtlich festgelegte Ruhepause ist eine von mehreren Regeln, die in einer neuen Fassung der "ordnungsbehördlichen Verordnung" festgeschrieben werden sollen. "Die bisherige Verordnung ist etwa zehn Jahre alt und soll nun an aktuelle gesetzliche Grundlagen angepasst werden", erklärt Golßens Bürgermeister Hartmut Laubisch (SPD). Andreas Staindl

Kritik von allen Seiten Den Stadtverordneten liegt seit Wochenbeginn ein entsprechender Entwurf vor. Brigitte Sauerbrei (SPD) hält den Vorschlag für "Blödsinn". Gerd Pietrzok (SPD) sagt: Eine derartige Mittagsruhe-Regelung sei "am Wochenende in Ordnung, aber unter der Woche überzogen". Für Bernd Lehmann (Wählergruppe Ortsteil Zützen) ist die Idee einer täglichen Ruhezeit von zwölf bis 15 Uhr "eine Frechheit". In den drei Stunden wären Lärm verursachende Arbeiten wie etwa Rasen mähen, Holz schneiden oder hacken verboten, so die Angaben der Verwaltung. Allerdings seien Gewerbebetriebe vom Verbot ausgenommen. "Wenn der Bauhof während der Ruhezeit Rasen mäht, machen das auch andere Leute", sagt Hans-Christoph Läbe (Wählergruppe Ortsteil Zützen). "Die Einschränkung ist in der Tat Schwachsinn", erklärt auch Bürgermeister Laubisch. "Warum sollen Unternehmen in der Mittagszeit Bäume verschneiden dürfen und Privatleute nicht?" Edgar Kaiser sagt: "Wer von zwölf bis 15 Uhr Mittagsruhe hält, hat den Tag verpennt. Ich jedenfalls will meine Arbeit um 15 Uhr schon geschafft haben und Kaffee trinken." Das Ergebnis der Diskussion lautet: Die Golßener Stadtverordneten wollen, dass Ruhezeiten nur für Sonn- und Feiertage gelten, an Werktagen wie bisher Arbeiten uneingeschränkt von sieben bis 20 Uhr möglich sind. Die Verordnung regelt außerdem das Verhalten auf öffentlichen Flächen. "Ein Ziel ist es beispielsweise, Wasser von Dächern nicht einfach auf die Straße laufen zu lassen", erklärt Bauamtschef Manfred Mietusch. Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass Gehwege unterspült oder im Winter vereisen würden. Geregelt werden soll zudem der Aufenthalt auf Spielplätzen. Die Golßener Abgeordneten wollen dort zusätzlich ein generelles Rauchverbot. "Wenn in Schulen nicht mehr geraucht werden darf, sollten wir es auch auf Spielplätzen nicht zulassen", sagt Michael Bock (CDU). Schilderzwang umstritten Gleichzeitig wehrt er sich mit seinem Fraktionskollegen Edgar Kaiser gegen einen Schilder-Zwang: Laut Vorlage müssen die Golßener künftig dulden, dass Verkehrszeichen, Straßenschilder und Schilder von mehreren Energieversorgern an ihren Häusern angebracht werden. "Hauseigentümer dürfen nicht einfach gezwungen werden", sagen beide Christdemokraten, "es sei denn, es geht um die Kennzeichnung von Versorgungsleitungen für das eigene Grundstück." Die anderen drei Gemeinden des Amtes Golßener Land haben den Entwurf der "ordnungsbehördlichen Verordnung" ebenfalls auf dem Tisch. Das neue Regelwerk soll am 1. Januar 2006 in Kraft treten.