| 16:31 Uhr

Karneval
Schnapszahl: Seit 44 Jahren heißt es „Golßen – nuff, nuff“

Golßen. Golßener Carneval Club startet am 11. 11. in seine Jubiläumssaison. Die Idee wurde in der damaligen Kulturkommission geboren. Von Birgit Keilbach

Für die Mädchen der Sternchengarde des Golßener Carneval Clubs (GCC) stehen auch während der Ferien Proben auf dem Programm. Eine Stunde lang werden die Muskeln erwärmt und gedehnt. Nach dem Hampelmann gibt Trainerin Jacqueline Knoppan die nächste Übung vor: „Hinlegen, das Bein über den Kopf strecken und die Nase ans Knie.“ Eine Figur nach der anderen wird geübt, „Russische Räder“ und der „Sternchensprung“ zum Beispiel. Zum heißen Start in die Jubiläumssaison muss schließlich alles klappen.

„Deshalb wird es in diesem Jahr zum Auftakt am 11.11. um 11.11 Uhr auch einen Sturm auf das Golßener Rathaus mit Übergabe von Schlüssel und Stadtkasse durch den Bürgermeister geben“, kündigt Präsidentin Carola Guckel an.

Natürlich werden die Garden dabei sein und das neue Prinzenpaar hat seinen ersten offiziellen Auftritt. „Am Abend geben wir im Treffpunkt einen Rückblick auf 44 Jahre Karneval in Golßen, präsentieren aber auch Neues“, sagt die Präsidentin. Zu schaffen seien die umfangreichen Vorbereitungen, inklusive Saaldekoration, Motto, Kostüm- und Kulissenfertigung nur dank der zahlreichen, engagierten Mitglieder und der Sponsoren, die den Verein seit vielen Jahren unterstützen, betont Carola Guckel. 110 Mitglieder zählt der GCC aktuell.

Am Anfang waren es etwa 25 Aktive, die den ersten Karneval in Golßen auf die Beine stellten. Wolfgang Schneider gehörte dazu und war mit seiner Frau Rosemarie das erste Prinzenpaar. Er erinnert sich noch gut, wie es dazu kam. So gab es in Golßen zu dieser Zeit eine Kulturkommission der Stadt, die regelmäßig im Schützenhaus tagte. „Irgendwann im Herbst 1974 brachte uns Inge Börner auf die Idee: Wir könnten doch Karneval machen“, erzählt der ehemalige Lehrer. Das unterstützten die anderen Mitglieder, darunter Willi Dreßler, Helga Ruban, Ursula Stolzenhain und Peter Landes. Zunächst galt es, Mitstreiter zu finden, die im Karneval eine wichtige Rolle spielen können. „Das waren erstens Handwerker für die Bauaufgaben, zweitens Lehrer, die gut reden können, und drittens Leute, die gerne etwas auf die Beine stellen“, erinnert sich das Gründungsmitglied. Anfang Januar 1975 fanden sich rund 25 Golßener in der „Konserve“, damals das VEB Kombinat Obst- und Gemüseverarbeitung, ein und gründeten den Carneval Club. „Wir hatten damit genügend Leute für Elferrat, Prinzengarde und Zermonienmeister zusammen“, erinnert sich Wolfgang Schneider.

Als Präsidenten gewannen die Initiatoren der ersten Saison den Chef des Konserven-Kombinates, Werner Quiel. Gemeinsam mit seiner Sekretärin Helga Ruban habe er viele organisatorische Fäden gezogen. „Alle haben am Anfang alles gemacht und jeder hatte auch seine Spezialstrecke. So haben wir das ganze Ding in rund vier Wochen gestemmt“, blickt er zurück. Das Wappen mit dem Schwein war schnell aus dem Stadtwappen abgeleitet und der Schlachtruf „nuff, nuff“ ergab sich wie von selbst. „Edgar Fuchs war als Schweinehirt die Symbolfigur des Golßener Karnevals und Johanna Handke hat die lustigen Reden geschrieben.“ Die erste Karnevals-Veranstaltung fand Rosenmontag, 10. Februar 1975, im Treffpunkt statt.

Heute ist dieser noch immer Vereinslokal, und die Abendveranstaltungen beginnen stets um 19.30 Uhr. Auch der Schweinehirt hat seinen regelmäßigen Auftritt. Doch vieles hat sich mit den Jahrzehnten weiter entwickelt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sei die kontinuierliche Kinder- und Jugendarbeit. Frühere Gardemädchen tragen heute Verantwortung für die nächste Generation. „Die Ansprüche an die Qualität sind gewachsen. Geblieben ist der Spaß am Karneval, und das hält uns wie eine große Familie zusammen“, sagt Carola Guckel.