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| 02:41 Uhr

Glocken fachmännisch beurteilt

Peter Kossatz und Glockensachverständige Helmut Kairies (r.) begutachten die Aufhängung der großen Glocke.
Peter Kossatz und Glockensachverständige Helmut Kairies (r.) begutachten die Aufhängung der großen Glocke. FOTO: Hoberg
Lieberose. Wenn Ostern die Glocken in der Kirchengemeinde Lieberose und Land läuten, dann wird das wie all die Jahre zuvor geschehen. Per Hand werden die Glocken in Schwung gebracht. Doch zukünftig soll durch die Elektrifizierung eine Erleichterung bei der Bedienung geschaffen werden. Ingrid Hoberg

"Mit kleinen Veränderungen an den Anlagen sind alle Glocken, die ich bei der ersten Begehung gesehen habe, elektrifizierbar", sagt Helmut Kairies. Der Glockensachverständige der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat erstmalig eine Inspektion in der Kirchengemeinde Lieberose und Land vorgenommen. Er besuchte Lieberose, Groß und Klein Muckrow, Chossewitz und Reicherskreuz. Fünf weitere Läutestellen gibt es in Trebitz, Weichensdorf, Ullersdorf, Leeskow und Jamlitz, die beim nächsten Mal untersucht werden.

Von 8 Uhr morgens bis in die Nachmittagstunden war der unabhängige Sachverständige mit Manfred Peschel, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, unterwegs. Er hatte die Rundreise organisiert. Es galt, so manche Stufe auf die Kirchtürme zu nehmen. Eine Herausforderung war gleich der Aufstieg in Lieberose. Im Turm an der Ruine der Stadtkirche gibt es zwei Glocken: die große, deren Aufhängung sich der Fachmann ansah, und die kleinere, die auf eine Wiederinbetriebnahme wartet. Was Helmut Kairies auf der großen Glocke entzifferte, bestätigt auch die in die Jahre gekommene Ausstellung. Dort steht auf einer Tafel, dass im Jahr 1927 die große Glocke durch eine neue ersetzt worden war. "Gestiftet wurde diese, zum Andenken an seine erste Gemahlin Luise Henriette Caroline Auguste Gräfin von der Schulenburg geb. Freiin Schilling von Canstatt (19. 11. 1863 - 20. 06. 1915), von dem damaligen Kirchenpatron Graf Otto Richard Friedrich von der Schulenburg." Die Ausstellung zur Glockengeschichte war zum Erntedankfest 1998 erstmalig gezeigt worden und dann 2002 bei der 700-Jahr-Feier von Lieberose auf dem Kirchturm zu besichtigen. Seitdem ist viel Zeit vergangen und kaum jemand hat sich die Tafeln wieder angesehen. Da wäre zu wünschen, dass der Turm wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Zur Begehung waren auch Manfred Sprenger und Peter Kossatz gekommen. Sie schauten sich an, was von der Technik noch einsetzbar ist, die sie vor Jahren installiert hatten. "Die vorhandenen Motoren sind verwendbar", stellte der Sachverständige fest. Es könnte auch die zweite Glocke aufgehängt und wieder geläutet werden. Doch das kostet alles Geld und noch ist die Finanzierung offen, wie Pfarrerin Susanne Brusch feststellt. Es sollen auch Fördermittelanträge gestellt werden. "Daran arbeiten wir", sagt sie. Ziel der Gemeinde ist es, beide Glocken in Lieberose zu läuten. Um den Turm für Besucher öffnen zu können, gebe es Gespräche mit der Stadt und der Amtsverwaltung.

In Chossewitz ist in diesem Jahr der Turm restauriert worden. Dort ist das gerade Holzjoch verkehrt montiert und sollte geändert werden. Die Läutegeometrie wird damit geändert.

In Groß Muckrow gibt es eine Eisenhartgussglocke. Um die Glockenanlage nachhaltig zu sanieren, sollte diese durch eine neue Bronzeglocke ersetzt werden. Es kann aber auch das vorhandene Geläut elektrifiziert werden.

In Klein Muckrow wurde der Turm saniert und es soll ein Angebot zur Elektrifizierung der Glocke eingeholt werden.

In Reicherskreuz wurde zum Kirchenjubiläum 1988 eine neue Kirche gebaut und der alte, stehen gebliebene Turm ist stabil.