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Glauben. Lieben. Hoffen.

Eine ganz besondere Note bekam die Arbeit von Micha Brendel aus Hohendorf bei Golßen. Sein schiffbrüchiges Wrack als Symbol für gescheiterte Kommunikation und verlorene Hoffnung hatte 24 Stunden lang die Toilettenreihe für die Großveranstaltung auf der Schlossinsel im Hintergrund – farblich passend.
Eine ganz besondere Note bekam die Arbeit von Micha Brendel aus Hohendorf bei Golßen. Sein schiffbrüchiges Wrack als Symbol für gescheiterte Kommunikation und verlorene Hoffnung hatte 24 Stunden lang die Toilettenreihe für die Großveranstaltung auf der Schlossinsel im Hintergrund – farblich passend. FOTO: Ingvil SchirlinG
Lübben. Die zwölfte Aquamediale ist eröffnet. Ab dieser Woche können 15 künstlerische Arbeiten an der Lübbener Schlossinsel per Kahn und zu Fuß erkundet werden. Ingvil Schirling

Nichts beschönigen und dennoch hoffen - das ist ein anspruchsvoller Balanceakt. Im Alltag, im Leben, in der Kunst. Der zwölften Aquamediale ist er gelungen. Unter dem Titel "Glaube Liebe Hoffnung", angelehnt an den Korintherbrief, wird aufs Lutherjahr angespielt. Seit Samstagabend sind 15 Arbeiten dazu rund um die Lübbener Schloss- und Liebesinsel zu sehen. So harmonisch der Titel daherkommen mag, so selbstverständlich wurde er kräftig gegen den Strich gebürstet. Gesellschaftskritisch und umweltpolitisch, erinnernd an das Schöne und das Natürliche, plakativ wie ein Kohlebagger, zart wie ein Wassertropfen - all das ist dabei, und alles funktioniert.

Wie ein roter Faden zog sich durch die Eröffnung am Samstagabend, wie stark Kunstwerke, Natur und Betrachter seit dem Aufbau bereits interagiert haben. Anja Bogotts Fahnen mit ihren ausdrucksstarken, tanzenden, dicken, lebensfrohen Frauen beispielsweise fanden "reißenden Absatz", sagte sie augenzwinkernd und irritiert zugleich. Eine davon musste wieder aufgehängt werden - gerade, als ein Fernsehteam einen Beitrag zur Eröffnung drehte.

In der Lache in der Kreuzspree, wo das aus stilisierten Wassertropfen gefertigte Kreuz von Yvonne Rooding liegt, mischte die Natur kräftig mit im wiederkehrenden Theater von Werden und Vergehen der Aquamediale-Kunstwerke. Bühne frei für die Biberfamilie, die das Kunstwerk als Kinderspielzeug für die Babys requirierte. Einige der Ringe mussten im nahen Auenwald wieder eingesammelt werden. Vorbei war's zunächst mit der andächtigen Anordnung, die liebevolle Berührung, Hoffnung auf echte Nähe und unerschütterlichen Glauben daran elegant verbindet. Angesichts des bibertypischen Pragmatismus, dieses Kunstwerk für die eigenen Zwecke zu konfiszieren, musste darüber nachgedacht werden, es in eine andere Bucht zu verlegen. Da war allerdings die Künstlerin dagegen: Kunst ist Kunst, und wenn der Spreewald als Natur- und Kulturlandschaft das Seine daraus macht, dann sei es so. Und überhaupt: "Es ist, wie es ist, sagt die Liebe", fügte die Niederländerin während der Eröffnung hinzu.

Fast alle Künstler hatten Solches oder Ähnliches über unerwartete Begegnungen mit Natur und Spreewald zu berichten. Durch die Präsentation am Samstagabend führten Kurator Harald Larisch und Kulturdezernent Carsten Saß (CDU) souverän und mit einer Prise Selbstironie. Beide sind Nordlichter und waren darum zuversichtlich, kurzweilig und wortsparsam durch diesen Teil der Vernissage führen zu können. Ziel war es, dass alle Gäste sicher vor dem Regen die Eröffnungsrundfahrt absolvieren würden und sich die Vorstellung der Künstler nicht, wie in vergangenen Jahren, in die Länge ziehen würde. Beinahe wäre dieser Teil des Abends aber doch zur Plauderrunde geworden, hätte nicht die Gewitterfront vor der Tür gestanden, die Schirmherrin und Ministerin Martina Münch (SPD) am Besuch hinderte. Sie ließ vom Flughafen Frankfurt grüßen. Dort war zeitweise kein Weiterkommen wegen eines Unwetters.

Mit Blick auf diese Lage ging es dann flott in die Kähne und auf die Rundfahrt. Zuvor hatte Aquamediale-Fördervereinsvorsitzender Michael Kuttner darauf hingewiesen, dass Kunst nicht gefallen muss, dass das sogar "völlig unwichtig ist. Entscheidend ist für mich, dass darüber geredet wird" - was Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) ähnlich formulierte. "Manchmal ermöglicht die Irritation die Inspiration." Doch so wirklich irritierend, vielleicht sogar abstoßend, ist überhaupt keine der Arbeiten. Im Gegenteil: Jede einzelne hat eine ihr eigene Ästhetik. Mit einigen - wie dem Löffel von Gregor Krampitz - werden sich die Spreewälder leicht identifizieren können, sehen sie doch die Auswirkungen der Spree-Verockerung auch hier mit Sorge. Mark Swysens Glashaus, die "Kapelle in stiller Verehrung der Natur", wie der Untertitel heißt, verschmilzt derart mit der Natur, dass seine Pointe - die Vervielfältigung des üppig-grünen Anblicks durch die Spiegel darin - leider fast verloren geht. Am Ende bleiben doch immer Glaube, Hoffnung, Liebe.

Zum Thema:
Die Aquamediale, das Kunstfestival im Spreewald, wird wie jedes Mal von einem üppigen Rahmenprogramm begleitet. Jeden Freitag findet ein "Kunstkahnstaken" statt, eine eineinhalbstündige Rundfahrt per Kahn zu den Arbeiten mitsamt entsprechenden Informationen. Los geht‘s am Hafen 2 (Lindenstraße) jeweils um 18 Uhr. Gruppenfahrten können unter Tel. 03546 201608 gebucht werden oder per Mail an aquamediale@dahme-spreewald.de.Am 24. Juni findet die Spreewälder Literatour in Burg statt. Um 11 Uhr beginnt ein vielfältiges Programm für kleine und große Bücherfans im Kur- und Sagenpark. Ab 17 Uhr starten Lesungen mit den Autoren Martin Beyer, John von Düffel und Jan Brandt.Weitere Informationen unter www.aquamediale.de