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| 15:00 Uhr

Lieberoser Heide
Gestrandet: Forstamt glättet Waldwege

Das Kreuz mit dem Sand: An dieser Einmündung in der Lieberoser Heide ist der frische Sand zehn Zentimeter dick. Für Radler und Wanderer gibt es an solchen Stellen kein Durchkommen mehr.
Das Kreuz mit dem Sand: An dieser Einmündung in der Lieberoser Heide ist der frische Sand zehn Zentimeter dick. Für Radler und Wanderer gibt es an solchen Stellen kein Durchkommen mehr. FOTO: Jörg Kühl
Lieberose. In der Lieberoser Heide sind unpassierbare Pisten für Radfahrer und Wanderer entstanden. Nun sucht man nach einer geeigneten Stärke der Sandauflage.

In der Lieberoser Heide sind in den zurückliegenden Wochen immer mehr Forstwege mit einer hellen Sandschicht überzogen worden. Die Maßnahme wurde von Umweltbehörden angeordnet. An einigen Stellen ist die Schicht jedoch so dick geraten, dass Wanderer und vor allem Radfahrer nicht mehr passieren können.

Die Landeswaldoberförsterei Peitz ist eine der wichtigsten Vermarkter des Holzes der Lieberoser Heide. Aus diesem Grund kümmert sich die Behörde intensiv um den Erhalt des Forstwegenetzes. Seit 2016 geschieht dies unter der Auflage der Unteren Naturschutzbehörden Dahme-Spreewald und Spree-Neiße, dass die ursprünglich grob und scharfkantig geschotterten Wege mit einer für die Heide typischen Sandschicht zu überziehen seien. Wie Thomas Röver von der Unteren Naturschutzbehörde Dahme-Spreewald erläutert, sollen die Wege in Farbe und Oberfläche der umliegenden Heidelandschaft angepasst werden.

Außerdem ist mit der Sandung beabsichtigt, die Überquerbarkeit für Kleinsäuger, Käfer und andere Lebewesen zu verbessern. Und noch dazu sollen die Wege für Forst- und Feuerwehrfahrzeuge befahrbar sein. Dabei sollen die Wege für Radfahrer und Wanderer nutzbar bleiben. „Ein ziemlicher Spagat, alle diese Funktionen zu erfüllen“, weiß auch Thomas Röver. Weil die Übersandung ein relativ neuer Trend ist, spricht der Sachgebietsleiter von „Neuland“. Erfahrungswerte, was die Mächtigkeit der Sandung angeht, gibt es keine, daher gibt es auch keine Vorgabe der Naturschutzbehörden.

Claus-Rüdiger Seliger von der Landeswaldoberförsterei kann von dem „Neuland“ ein Lied singen. Um zu testen, wie die ideale Dicke der Sandung ist, hat seine Behörde mit zwei, drei Zentimetern angefangen. „Regen und andere Einflüsse haben den Effekt innerhalb kurzer Zeit zunichte gemacht“, so der Oberforstrat. Also versuchte man es mächtiger. Ein Versuch vor einigen Monaten war dann aber doch ein wenig zu viel: Auf mindestens einer der Waldstraßen wurde eine mehr als zehn Zentimeter dicke feine Sandschicht aufgetragen. Seitdem ist hier für Wanderer und vor allem für Radfahrer kein Durchkommen mehr. Dabei soll das Wegenetz im Rahmen der geplanten Internationalen Naturausstellung Lieberoser Heide (INA) für genau diese Zwecke genutzt werden. „Wenn Wege durch die Sandungen unpassierbar werden, wäre dies natürlich kritisch zu hinterfragen“, meint Joachim Faßman, Geschäftsführer der INA-Projektgesellschaft. Er werde die Problematik im Rahmen der Gespräche zum Wegekonzept mit der Landeswaldoberförsterei zur Sprache bringen.

„Wir müssen gemeinsam mit dem Landesforst an der ein oder anderen Stelle nachjustieren“, räumt Röver ein. Notfalls müsse wieder ein wenig abgetragen werden. „Ein Weg, der gebaut wird, muss funktionstüchtig sein.“ Landeswaldoberförster Seliger möchte dagegen erst beobachten, wie sich die jüngst gesandeten Wege weiter entwickeln. „Das Material wird sich mit der Zeit setzen“, ist er überzeugt.

Noch ein Detail beschäftigt die Behörden: Der Kies für die Übersandung der Forstwege stammt aus einem provisorischen Abbau, für den die Auftraggeber keine Genehmigung hatten. Schließlich liegt eine der Abbaustellen im Naturschutzgebiet Lieberoser Endmoräne.

Jede Veränderung der Oberflächenstruktur muss in solchen Gebieten bei der Unteren Naturschutzbehörde genehmigt werden. Entgegen kursierender Gerüchte, eine eiszeitliche Binnendüne sei abgebaggert worden, handelt es sich jedoch laut Seliger um eine von Menschenhand aufgeschüttete Kieserhebung zum Zwecke des Panzertrainings.  Dennoch hätte es auch hierfür eine Abbaugenehmigung geben müssen. Um den Eingriff in das Naturschutzgebiete zu kompensieren, wird laut Röver nun ein Konzept erarbeitet. Eine Überlegung dabei ist, Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume der Eidechsen anzuordnen.