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Gespräche in der Weltküche

v.l.: Marlies Siegert vom Weltküche-Team mit den Köchinnen Azadeh Bazra und Narges Gheydari aus Theran. Die beiden Frauen aus dem im Iran haben die Weltküche-Gäste mit persischen Köstlichkeiten verwöhnt.
v.l.: Marlies Siegert vom Weltküche-Team mit den Köchinnen Azadeh Bazra und Narges Gheydari aus Theran. Die beiden Frauen aus dem im Iran haben die Weltküche-Gäste mit persischen Köstlichkeiten verwöhnt. FOTO: Franziska Dorn
Lübben. Die evangelische Kirchengemeinde hat gemeinsam mit ihren Partnern in Lübben wieder in die Weltküche eingeladen. Beim Essen trafen Einheimische auf Geflüchtete und kamen sich näher. Franziska Dorn

Im Garten des Richard-Raabe-Hauses in Lübben steht eine lange Tafel. Auf ihr reihen sich Töpfe und Schüsseln mit Gerichten, von denen jedes wie ein kleines Kunstwerk aussieht. Filigrane Gitternetze und Symbole aus Zimt, Pistazien, Nüssen und Cremes zieren die Speisen mit den fremden, aber gleichermaßen verlockend klingenden Namen wie Scholesard, Keykemorg oder Halva. Man muss kein geschultes Auge haben, um zu erkennen, dass in diesem Buffet aus Hähnchen, Auberginen, Weinblättern, Reis und mehr reichlich Arbeit steckt. Alles sind persische Spezialitäten, denn das Sagen in der Küche hatten Narges und Azadeh aus dem Iran.

Die beiden jungen Frauen haben gemeinsam mit ihren Männern einen ganzen Tag lang gerührt, gekocht und gebacken und schließlich alles liebevoll dekoriert. In der Weltküche verköstigen sie bei bestem Wetter 80 Gäste aus zehn Nationen. Die Idee ist so einfach wie genial. Damit sich Einheimische und Geflüchtete kennenlernen können, laden die evangelische Kirchengemeinde und ihre Partner regelmäßig zur Weltküche ein. Jeder kann kommen. Gekocht wird international.

Am Sonntagmittag mischen sich Lübbener unter die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und Migranten aus Syrien, Somalia, Tschetschenien, Bulgarien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern. Familie Städter aus Treppendorf ist bereits zum zweiten Mal hier. "Wir finden das Angebot richtig gut. Es gibt nicht oft die Gelegenheit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die bei uns Schutz suchen. Als Vielreisende haben wir überall auf der Welt Gastfreundschaft erfahren. Wir wollen über diesen Weg etwas zurückgeben und zeigen, dass wir offen und interessiert sind", sagt Klaus Städter. Außerdem habe die iranische Küche gelockt, die im Übrigen sehr lecker gewesen sei. Besonders groß ist die Freude, als sie ihre kleine Tischnachbarin vom letzten Mal wiedertreffen. Die zwölfjährige Rezarta aus Albanien ist seit knapp drei Jahren in Deutschland. In nahezu akzentfreiem Deutsch plaudert sie offen und herzlich mit den Städters. Für Marlies Siegert, eine der Initiatoren, bestätigen Momente wie diese die Idee von der Weltküche: Begegnung findet eben überall auf der Welt am Essenstisch statt.

Familie Zoschens aus Lubolz ist zum ersten Mal dabei. Die lockere Atmosphäre gefällt dem Ehepaar. Dass so viele Menschen verschiedener Kulturen an einem Tisch Platz nehmen, sei bemerkenswert. "Wo sollen wir sonst die Menschen kennenlernen?", fragen sie. Wenn sie sich beim nächsten Mal aufmachen, wissen sie allerdings, dass pünktliches Kommen einen vollen Teller sichert. Mit so vielen Gästen hatten die beiden Köchinnen nämlich nicht gerechnet, und so war mancher Topf schon nach kurzer Zeit leer. Sie verstehen das auch als Lob für ihre Kochkunst. "Wir kommen wieder", sagen auch die Brünings aus Glienig, die mit ihrer offenen Art sofort ins Gespräch kommen. Es wird über die Zutaten der Süßspeisen gerätselt. Später lüftet Köchin Narges das Geheimnis. Es ist Rosenwasser, das dem Reis seinen besonderen Geschmack verleiht. Bis in die Nachmittagsstunden hinein vernimmt man Kinderlachen und munteres Geplauder aus dem Garten in der Paul-Gerhardt-Straße.

Das Weltküche-Team muss nur noch freiwillige Küchenhelfer finden, aber selbst das Tellerspülen wird später zu einem internationalen Gemeinschaftsakt. Die nächste Weltküche ist ein Weltcafé, wo in die Räume des Richard-Raabe-Hauses zum Beisammensein bei Kaffee und Kuchen eingeladen wird, selbstverständlich wieder unter der Flagge eines fernen Landes.