ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:53 Uhr

Erneut wird um ein gestalterisches Projekt in Lübben diskutiert
"Geschmacksverirrung": Rostige Stimmung rund um Parkplatz Burglehn

Zwei solcher braunen Stahlwände bilden den Eingang zum neuen Parkplatz Burglehn.
Zwei solcher braunen Stahlwände bilden den Eingang zum neuen Parkplatz Burglehn. FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben. Buchstabengarten, nackte Brüste und nun eine braune Stahlwand – nicht jedem gefällt, wie Lübbens Verwaltung die Stadt umgestaltet. Bürgermeister Kolan aber verteidigt den Mut gegen den Mainstream. Von Steven Wiesner

Über Geschmack lässt sich streiten. Das bekommen in diesen Tagen auch die Mitarbeiter der Lübbener Stadtverwaltung zu spüren, die in der vergangenen Woche den neuen Parkplatz Burglehn eingeweiht haben. Doch kaum jemand scheint sich an den 349 Pkw- und neun Busstellmöglichkeiten zu erfreuen, die neu entstanden sind und die Verkehrssituation in der Innenstadt entlasten sollen. Vielmehr wird nun über die Zierde gemeckert.

Zwei große Cortonstahl-Wände mit rostiger Färbung sollen den Parkplatz schmücken – doch für viele ist der Rost sehr schwere Kost. Auf Facebook haben einige Lübbener ihrem Unverständnis über die Gestaltung unlängst Luft gemacht. „Was Rost so kostet. Erstaunlich“, schrieb ein Bürger in Anlehnung an die nicht unerhebliche Bausumme von 1,1 Millionen Euro. Und ein anderer Bewohner fragte hämisch: „Das ist doch kein Parkplatz, sondern ein Schrottplatz, oder?“

Es kommt nicht zum ersten Mal vor, dass sich die Verantwortlichen in Lübben rechtfertigen müssen für ihre Versuche, gestalterische Akzente zu setzen in der Stadt. Schon die Inszenierung des Schlossumfeldes mit einem kleinen Buchstabengarten und roten Blumentöpfen ließ so manche Besucher mit den Köpfen schütteln. Und auch das Wandgemälde am Warmbad, das freizügige Damen zeigt, in der Form allerdings nicht von der Stadt in Auftrag gegeben wurde, hat vor vier Jahren eine muntere Diskussion über Kunst und Unsinn losgetreten. Eine weitere Stimme auf Facebook kommentierte deshalb: „Die Lübbener Verantwortlichen merken nicht, dass sie an Geschmacksverirrung leiden. Erst das grottenhässliche Wandgemälde, dann die roten Übertöpfe am Schlossplatz und nun die Krönung: Rost, wohin das Auge reicht. Und für alles werden tausende Euros verschwendet.“

In der Stadtverwaltung scheint man derlei Kritik relativ gelassen zur Kenntnis zu nehmen. „Genau das soll Kunst bewirken: Dass man miteinander diskutiert“, moderierte die Presseabteilung die Diskussion auf Facebook. „Von Außenstehenden werden wir oft um unseren Mut beneidet, Dinge umzusetzen, die nicht Mainstream sind“, sagt Bürgermeister Lars Kolan (SPD). „Die roten Baumtöpfe am Schloss, das Wandbild am Warmbad und jetzt der Parkplatz – das sind Dinge, die polarisieren und zu Diskussionen anregen“, lobt Kolan und dankt den Stadtverordneten, die öffentlich in verschiedenen Gremien darüber diskutiert und abgestimmt haben.

 Außerdem darf sich die Stadt darin bestärkt sehen, dass es genauso Stimmen gibt, die Gefallen finden an den Projekten in Lübben. Auch am Parkplatz Burglehn, dessen Gestaltung auf die Entstehungsgeschichte des Spreewaldes abzielt. „Ich finde es sehr gelungen. Sowohl die thematische Auseinandersetzung mit der Entstehungssage wie auch die Umsetzungen passen sehr gut“, schrieb ein Facebook-User. „Es bewirkt genau das, was es soll: Hirn einschalten und Austausch fördern.“  Auch der „erdige Farbton“ habe seine Bewandnis, wie Pressesprecherin Dörthe Ziemer erklärt. Er soll an die Kulturlandschaft Spreewald erinnern und sei durch den fortschreitenden Prozess des Rostens auch noch besonders pflegeleicht.

Und noch ein Irrglaube ist Dörthe Ziemer in der Diskussion aufgefallen: "Viele Lübbener denken, der Parkplatz sei nur für Touristen gedacht, auch weil die Garagen, die dort vorher standen, weichen mussten. Aber auch für Lübbener soll der neue Parkplatz natürlich jederzeit zur Entspannung bei der Parkplatzsuche beitragen." Gäste, die etwa aus Lübbenau oder Luckau kommen, müssen demnach gar nicht mehr mit dem Auto durch die City, wenn sie in Schlossinsel-Nähe parken wollen. Aus Richtung Golßen kommend können Autofahrer die Tangente Bahnhofstraße nutzen und umfahren so ebenfalls die Innenstadt. "Insofern kommen die neuen Parkplätze auch Einheimischen und Bewohnern des Mittelzentrums, die in Lübben einkaufen oder etwas erledigen möchten, zugute." Und bei allem Streit um den Geschmack bleibt wohl genau das festzuhalten: Am Ende sollen dort keine Hochzeiten und Familienfeiern steigen, sondern einfach nur Autos abgestellt werden.

Buchstaben, die aus dem Boden sprießen und die Wörter „Schloss“ und „Museum“ bilden, prägen die Szenerie im Schlossumfeld.
Buchstaben, die aus dem Boden sprießen und die Wörter „Schloss“ und „Museum“ bilden, prägen die Szenerie im Schlossumfeld. FOTO: Stadt Lübben