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| 01:29 Uhr

Gerettete Kirche an einem symbolischen Ort

Die Auferstehungskirche auf dem Schomberg. Foto: K. Gentzsch
Die Auferstehungskirche auf dem Schomberg. Foto: K. Gentzsch FOTO: K. Gentzsch
Pritzen/Spremberg. Vor anderthalb Jahrzehnten ist die Auferstehungskirche auf dem Spremberger Schomberg geweiht worden. Das Gotteshaus war zuvor in Pritzen, das kurz vor dem bergbaubedingten Abriss stand, abgebaut, eingelagert und schließlich am neuen Standort originalgetreu wiedererrichtet worden. Torsten Richter

Heimelig wirkt das Kirchlein auf dem Schomberg. Ortsfremde sind nicht selten der Meinung, die Kirche würde schon Hunderte von Jahren die Gläubigen zum Gebet einladen. Das hat das Gotteshaus über 700 Jahre auch getan, allerdings an einem ganz anderen Standort. Dieser befand sich in Pritzen bei Altdöbern, rund 20 Kilometer Luftlinie von Spremberg entfernt. Der schlimmste TagAm 28. Februar 1988 ist nach Angaben des damaligen Altdöberner Pfarrers Udo Meckert der letzte Gottesdienst am alten Standort gefeiert worden. "Das war der schlimmste Tag in meinem Leben", resümiert der Pastor. Die Kirche habe kaum die unzähligen Menschen aufnehmen können. Die meisten von ihnen hätten ihre Tränen kaum mehr zurückhalten können. Schließlich hieß es nicht nur für die Kirche, Abschied zu nehmen, sondern für das gesamte Dorf. Laut Meckert hatten zwischen 1972 und 1986 bereits von ursprünglich 106 Familien 64 den Ort verlassen. Schließlich stand der Tagebau Greifenhain unmittelbar vor Pritzen. Bereits im Jahr 1987 sei auf massive Intervention der Denkmalbehörde des Bezirkes Cottbus beschlossen worden, die kulturhistorisch wertvolle Kirche zu retten. Immerhin war das Gotteshaus erst in den Jahren von 1936 bis 1938 durch das Bergbauunternehmen Ilse AG weitgehend saniert worden. So habe sich das Gebäude Ende der 80er-Jahre in einem sehr guten baulichen Zustand befunden. Die Pritzener Kirche war die erste und einzige ihrer Art in der DDR, die trotz des voranschreitenden Tagebaus erhalten werden sollte. So begann im Frühjahr 1988 der schrittweise Abbau. Es galt, unter anderem sieben Türen, sieben Fenster, 25 000 Dachziegel, 6000 Bodenplatten und 14 000 Kanthölzer für den Dachstuhl zu nummerieren, fachgerecht abzubauen und einzulagern. "Das meiste ging damals in die Kirchen von Vetschau und Altdöbern", erinnert sich Udo Meckert. Lange Diskussionen habe es um den neuen Standort der kleinen Feldsteinkirche gegeben. Auch Neupetershain hätte damals Interesse bekundet. Letztlich sei im Dezember 1991 die Entscheidung für eine Fläche neben dem Spremberger Waldfriedhof gefallen, weil im benachbarten Neubaugebiet Schomberg zahlreiche Menschen, deren Dörfer ebenfalls der Kohle weichen mussten, eine neue Heimat gefunden hatten. Platz mit SymbolwirkungDie Stadt Spremberg habe der Kirche das rund 3000 Quadratmeter große Grundstück zu einem symbolischen Preis verkauft, erinnert sich Altbürgermeister Egon Wochatz, der sich große Verdienste um den Umzug des Gebäudes in seine Stadt erworben hat. Sämtliche Stadtverordneten seien sich darüber einig gewesen. Der auserkorene Standort hat laut Wochatz sogar Symbolwirkung: So führt die Drebkauer Straße direkt in die Richtung von Pritzen, auch wenn der ursprüngliche Trassenverlauf schon lange durch den Tagebau unterbrochen ist. Als die Bauarbeiten für die Kirche und das benachbarte Gemeindezentrum auf dem Spremberger Schomberg begonnen hatten, war es nach Angaben von Egon Wochatz vor der Baugrube zu einer Demonstration von Pritzenern gekommen. "Das muss alles rückgängig gemacht werden", habe der Tenor gelautet. Denn inzwischen wurde im Oktober 1992 entschieden, den Tagebau Greifenhain einzustellen. Damit war auch die weitere Devastierung von Pritzen hinfällig. 31 Menschen hätten damals noch im zu 75 Prozent abgerissenen Dorf gelebt. Dennoch wurde wie geplant die alte Dorfkirche am neuen Standort weitergebaut. Die Pritzener erhielten dafür den hölzernen Glockenturm aus dem devastierten Dorf Wolkenberg. Torsten Richter