ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:30 Uhr

Hochwasserschutz
Generationenaufgabe Hochwasserschutz

Überflutete Äcker und Felder, wie hier im Spreewald, sind ein Ärgernis für die Landwirte. Damit solche Bilder bei zukünftigen Hochwassern der Vergangenheit angehören, hat das Landesumweltamt einen Maßnahmenplan entwickelt.
Überflutete Äcker und Felder, wie hier im Spreewald, sind ein Ärgernis für die Landwirte. Damit solche Bilder bei zukünftigen Hochwassern der Vergangenheit angehören, hat das Landesumweltamt einen Maßnahmenplan entwickelt. FOTO: Gloßmann Jan
Lübben. Das Landesamt für Umwelt Brandenburg stellte in Lübben Maßnahmen zum Risikomanagement vor. Zahlreiche Arbeiten an Deichen geplant. Von Stephan Meyer

„Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser“, erklärt Rigo Vallet, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft 1 des Landesamts für Umwelt Brandenburg (LfU). Im Hinblick auf die letzten fünf hochwasserfreien Jahre müsse die Zeit jetzt genutzt werden. Die Behörde hatte am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung im Paul-Gerhardt Gymnasium Lübben eingeladen, um über geplante Maßnahmen des Hochwasserrisikomanagements an der Spree aufzuklären. Auch wenn gleich zu Beginn klar gestellt wurde, dass die Planungen noch nicht abgeschlossen sind und das Umweltamt im Gespräch mit Kommunen und Fachämtern ist, wurde hitzig diskutiert.

In mehreren Abschnitten präsentierten die Mitarbeiter des LfU ihren Maßnahmenkatalog. Allen gemein ist, dass zwar Landwirtschafts- und Grünflächen neben Wald und Forst den größten Anteil in der Fläche ausmachen, das Schadenspotenztial in den – meist wenigen – Siedlungsgebieten jedoch am höchsten ist. Grundlage für die vorgesehenen Maßnahmen sind Durchflussgeschwindigkeiten, wie sie bei Jahrhunderthochwassern auftreten. Beim letzten Jahrhunderthochwasser in Lübben beispielsweise flossen 170 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Spree entlang. Ein Wert, der weder bei den Hochwassern 1981 (120 Kubikmeter pro Sekunde), 2010 (62) oder 2013 (89,8) erreicht wurde.

Dahme und angrenzende Gewässer: Im Bereich Dahme sieht das Umweltamt eine geringe Betroffenheit von Siedlungsgebieten im Falle eines Hochwassers. Hier werden vor allem Objektschutzmaßnahmen und die Optimierung der Wehre vorgeschlagen. Auch ist eine Studie zu potenziellen Überflutungsflächen geplant. Für alle weiteren Abschnitte empfiehlt das LfU vor allem Deichsanierungen und Deichneubauten.

Landesgrenze Sachsen bis Spreewald: In Spremberg sollen zudem Abflusshindernisse beseitigt werden. Für den Süden der Stadt Cottbus ist unter anderem auch die Nutzung von Überflutungsbereichen geplant.

Ober- und Unterspreewald: Im Falle eines Hochwassers sind in Lübbenau das westliche Gewerbegebiet und Ferienhäuser am ehesten betroffen. Zusätzlich zu Investitionen in Deiche werden hier Objektschutzmaßnahmen vorgeschlagen. Für Lübben hat die Behörde ein sehr großes Risiko in verschiedenen Bereichen der Ortslage festgestellt. So sind im Ernstfall Wohnhäuser und Gewerbeimmobilien betroffen. Ergänzend zum Deichausbau soll hier vor allem ein schnellerer Durchfluss der Spree durch das Stadtgebiet ermöglicht werden. Für den Spreewald selbst sieht das LfU die Rückgewinnung ehemaliger Überflutungsflächen vor.

Noch sei nichts in Stein gemeißelt, betonte Dorothee Bader, Referatsleiterin Hochwasserrisikomanagement, und ihre Kollegen während des Vortrags immer wieder. Die Umsetzung des vorgeschlagenen Maßnahmenkatalogs zur Schadensbegrenzung bei zukünftigen Hochwassern sei eine Generationenaufgabe, die geplanten Maßnahmen nur ein Konzept. „Das wird sich noch über Jahre hinziehen.“ Technischen Maßnahmen, wie der Neubau von Deichen, müssten, wie bei jeder anderen Baumaßnahme auch, vorher einem formellen Genehmigungsverfahren unterzogen werden. Änderungen an dem Konzept sind daher nicht ausgeschlossen. Während es einigen Brandenburgern nicht schnell genug mit der Umsetzung entsprechender Schritte gehe, sehen andere die Vorschläge sehr kritisch, so die Erfahrung der Referatsleiterin.

Auch beim Infoabend am Montag sind einige Gäste frustriert und unterbrechen lauthals den Vortrag. Nicht für alle Befindlichkeiten sind Dorothee Bader und ihre Kollegen die richtigen Ansprechpartner. Ihr Anliegen ist das Hochwasserrisikomanagement. Probleme, die das Grundwasser oder kleinere Gewässer betreffen, fallen nicht in ihren Aufgabenbereich. Das Land Brandenburg ist nur für Gewässer der ersten Ordnung zuständig. Andere Hinweise, wie der Mangel an Hochwasserpegel, nehmen die Mitarbeiter des LfU auf.

Beim Infoabend blieben bei so manchem Besucher noch viele Fragen offen, die auch nicht im Anschluss gänzlich geklärt werden konnten. Deshalb bot Dorothee Bader mehrfach an, auf Einladung, in die öffentlichen Bauausschüsse der betreffenden Orte zu kommen. Frank Neumann, stellvertretender Lübbener Bürgermeister, stellte am Ende der Konferenz bereits eine erneute Infoveranstaltung im Bauausschuss in Aussicht.

Wer sich mit dem Konzept des LfU im Detail vertraut machen möchte, kann die Präsentation demnächst unter https://lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.422305.de herunterladen.

Bei Rückfragen können sich Bürger per E-Mail
(w16@lfu.brandenburg.de) oder telefonisch (0355 49911341) bei der Behörde melden. Wer keinen Internetzugang hat, dem schickt das LfU auf Anfrage auch entsprechendes Informations- und Kartenmaterial zu.