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Gelenkte Zufälle in Goyatz

Anette Lehmann-Westphal (Mitte) stellt sich den Fragen des Publikums. Bilder der Künstlerin sind derzeit in der Kleinen Galerie in Goyatz zu sehen.
Anette Lehmann-Westphal (Mitte) stellt sich den Fragen des Publikums. Bilder der Künstlerin sind derzeit in der Kleinen Galerie in Goyatz zu sehen. FOTO: Andreas Staindl
Goyatz. Die 124. Ausstellung in der Kleinen Galerie in Goyatz (Lieberose-Oberspreewald) ist eröffnet. Aquarelle von Anette Lehmann-Westphal sind dort zu sehen. Die Künstlerin aus Cottbus stellte sich den Fragen der Gäste während der Eröffnung am Dienstagabend. Andreas Staindl

Die Eröffnungen von Ausstellungen in der Kleinen Galerie in Goyatz sind erfrischend anders. Sie locken auch deshalb reichlich Publikum, weil es Peter Löwe versteht, gemeinsam mit dem Publikum hinter die Kulissen des jeweiligen Ausstellers zu schauen.

Löwe, Veranstalter der Ausstellungsreihe, regte auch diesmal die Künstlerin an, aus ihrem Leben zu plaudern. Anette Lehmann-Westphal, 1957 in Markranstädt bei Leipzig geboren, ist erst über berufliche Umwege zur Malerei gekommen, wie sie erklärt: "Kunst war in meiner Heimatstadt einfach kein Thema." Und weil sie von dort weg wollte, hat sie Handelsökonomie studiert, später eine Ausbildung zur Herrenmaßschneiderei gemacht, in verschiedenen Firmen gearbeitet. Dabei habe sie Malerei schon als Kind interessiert. "Ich war schon immer kreativ, habe später etwa Kleidung für meine Kinder entworfen."

Dennoch: "Die Malerei hatte ich 20 Jahre lang komplett ausgeklammert." 1995 dann ist sie zur Malerei gekommen. Ein Aha-Effekt war der Auslöser: "Wir hatten nach Bildern für unsere Wohnung gesucht. Als wir uns einige angeschaut hatten, hat mein Mann zu mir gesagt: "Das kannst du besser."

Anette Lehmann-Westphal hat es versucht, und das mit Erfolg. Sie hat inzwischen zahlreiche Ausstellungen gestaltet, ihre Werke im In- und Ausland präsentiert. Die Künstlerin arbeitet in verschiedenen Techniken-"am liebsten in Aquarell, weil es am schwersten ist", wie sie sagt. Aquarellmalerei ist für sie "gelenkter Zufall. Manchmal gelingt es mir, Bilder aus einem Guss zu malen." Sie malt vorwiegend im Atelier. Die Techniken hat sie sich selbst beigebracht. "Ich bin Autodidakt, lese sehr viele Bücher über Malerei." Sie ist nicht nur am "wie" ihrer Kunst, am puren Handwerk interessiert, sondern hinterfragt ihr Tun. "Warum muss man welche Technik wie einsetzen? Bücher, die erklären, wie man ein Bild malt, gibt es reichlich. Ich will aber mehr erfahren, auch wissen, warum ich diese und jene Schritte machen muss."

Peter Löwe will wissen, ob sie von ihrer Kunst leben kann. Anette Lehmann-Westphal bejaht das, sagt aber auch: "Man muss bereit sein, sich zu 120 Prozent einzubringen. Wenn man nur im Atelier sitzt und wartet, wird das nichts." Sie lebe für die Kunst - "zwölf Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche". Es lohnt sich offenbar.

Bilder von ihr hängen beispielsweise in Kanada, Japan und auf Maui - einer Insel im pazifischen Ozean. Auch der polnische Ministerpräsident habe ein Bild von ihr. Peter Löwe ahnt, was ihre Werke so begehrt macht: "Sie sind meisterhaft." Anette Lehmann-Westphal sieht sich noch nicht am Ende ihres Künstlerwegs. "Ich will mich immer weiterentwickeln und bin gespannt, wie weit ich mich noch ausbilden kann." An der Inspiration wird es nicht scheitern: "Ideen habe ich genug, nur zu wenig Zeit." Ihre Ausstellung mit Aquarellmalerei unter dem Motto "Zeitlos", in der unter anderem Spreewaldlandschaften gezeigt werden, ist noch bis Mitte Januar des nächsten Jahres von Montag bis Freitag zwischen acht und 16 Uhr sowie nach Vereinbarung in der Kleinen Galerie in Goyatz zu sehen.