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| 14:50 Uhr

CEP-Infoveranstaltung
Gelbe Kreuze am See

An mehreren themenbezogenen Ständen informierten sich Anwohner und Interessierte zu den Aspekten der CEP-Pläne in Bezug auf eine mögliche Erdöl- und Erdgasförderung, hier zur Geologie.
An mehreren themenbezogenen Ständen informierten sich Anwohner und Interessierte zu den Aspekten der CEP-Pläne in Bezug auf eine mögliche Erdöl- und Erdgasförderung, hier zur Geologie. FOTO: Ingvil Schirling
Goyatz. Gegenwehr zu Erdöl- und -gasbohrung bei Goyatz wächst. Bei der CEP-Infoveranstaltung gab es viele kritische Fragen. Von Ingvil Schirling

So hatte sich das die CEP wohl kaum vorgestellt. Das internationale Aufsuch- und Bohrunternehmen der Erdöl- und Erdgasbranche wurde am Donnerstag in Goyatz von zahlreichen gelben Kreuzen empfangen: an Gartenzäunen, Wegkreuzungen, Markierungen festgezurrt. Die gelben Kreuze sollen für die Anwohner deutlich machen: „Wir sind dagegen.“

Die Gegenwehr ist seit Juli sprunghaft gewachsen und richtet sich gegen das Vorhaben der CEP, am Schwielochsee und in Märkische Heide nach Erdöl und Erdgas zu suchen und dieses zu fördern. Nun lud das Unternehmen zur Info-Veranstaltung ins Gasthaus Mocho ein. Genau eine Woche vorher hatte dort die Bürgerinitiative fast 180 Gäste begrüßt. Auch diesmal kamen zahlreiche Anwohner und Interessierte mit ihren Fragen.

Ihren Protest gegen die Erdöl- und Erdgaspläne drückten Anwohner und Bürgerinitiative mit einem Demonstrationszug aus. Foto: Ingvil Schirling
Ihren Protest gegen die Erdöl- und Erdgaspläne drückten Anwohner und Bürgerinitiative mit einem Demonstrationszug aus. Foto: Ingvil Schirling FOTO: schirling

CEP hat bis zu 45 Bohrungen beantragt. Das bedeutet allerdings nicht, dass es so viele Bohrplätze geben wird, denn je Standort können zwei bis vier Bohrungen abgeteuft, also in die Tiefe geführt werden. Das würde rein rechnerisch möglicherweise zehn bis 20 neue Bohrplätze bedeuten.

Zwei weitere Probebohrungen auf der bestehenden Guhlener Anlage stehen aktuell in Rede. Die Bewilligung liegt praktisch unterschriftsreif auf dem Tisch von Angelika Seidemann, Abteilungsleiterin Geologie beim brandenburgischen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR). Abhängig ist sie noch von Auflagen – und die sorgten bei der Info-Veranstaltung der CEP für Zündstoff. Wie so manch anderes. Viele Fragen der Einwohner waren sehr sachlich und fachkundig, einige auch emotional. Es gab Befürworter und Gegner.

Exakt zum Beginn der Veranstaltung um 15 Uhr marschierte vor dem Gasthaus ein Demonstrationszug mit 30 bis 50 Teilnehmern los, der sich unüberhörbar gegen Öl- und Gasbohrung artikulierte. Mit Trommel und Plakaten, Warnwesten, Sprechchören und gelben Kreuzen zogen sie zweimal um den Dorfplatz. Die Bürgerinitiative hatte davor einen Stand aufgebaut, an dem sich zahlreiche Menschen eintrugen und spendeten.

Drinnen, im großen Saal des Gasthauses, fanden sich die CEP-Infostände zu den Themen „Stand der Dinge“, Umwelt- und Brandschutz, Bohrtechnik und Geologie, jeweils mit einem Ansprechpartner des Unternehmens.

Und noch jemand war im Saal bei den CEP-Infoständen zu finden: das brandenburgische Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe. Nicht nur Schwielochsees Bürgermeister Rainer Hilgenfeld sah diese Nähe kritisch.

Sie könne sich keinen Grund vorstellen, aus dem die Bohrungen nicht genehmigt werden könnten, ließ Abteilungsleiterin Angelika Seidemann keinen Zweifel an ihrer Sicht aufkommen. „Tourismus? Ist für mich kein Grund. ,Ich habe Angst‘ – ist für mich kein Grund“, sagte sie den Fragestellern deutlich.

Zum Disput kam es mit Amtsdirektor Bernd Boschan. Die Gemeinde Schwielochsee hatte eine ablehnende Stellungnahme verabschiedet, die aus der Landesamt-Genehmigungssicht allerdings überhaupt keine Rolle spielt. Sie sei „inhaltlich nicht zutreffend“, sagte Seidemann wörtlich, worauf Boschan einen Moment lang vollkommen sprachlos war. Vier Punkte umfasst die Stellungnahme, darunter das fehlende Gesamtkonzept für die geplanten Bohrungen – die Gemeinde müsste sich zu etwas positionieren, was sie noch gar nicht kennen kann. Das Feuerwehr- und Brandschutzkonzept steht ebenfalls aus, kritisiert die Gemeinde weiter. Es wird auch vom Landesamt per Auflage gefordert und sei doch fertig, behaupte Angelika Seidemann. Bernd Boschan widersprach. Beide bezogen sich auf den gleichen CEP-Verantwortlichen, der seinen Stand nur wenige Meter weiter hatte. Die RUNDSCHAU fragte nach und warf einen Blick in das aufgehaltene Konzept: Immer wieder sind die Seiten mit den Großbuchstaben „Entwurf“ gekennzeichnet. Es fehlen noch Zuarbeiten anderer Behörden, sagte der zuständige CEP-Mitarbeiter.

Einer der bedeutendsten Knackpunkte steckt genau in diesem Konzept: Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute der Umgebung des Bohrplatzes bei Guhlen sind weder ausgebildet noch haben sie die Mittel, einen Groß- oder gar Bohrlochbrand zu bekämpfen. Damit ist die CEP dafür verantwortlich, im Falle des Falles zu retten, zu löschen, Menschen und Natur zu schützen. Per Vertrag, sagte Axel Richter als Leiter des Arbeits- und Umweltschutzes bei CEP auf Nachfrage von Einwohnern, seien dafür Spezialunternehmen gebunden. Im Falle des größten anzunehmenden Schadensereignisses, einem Bohrlochbrand mit austretendem und brennenden „Medium“, wie er sagte – gemeint sind vor allem Erdgas und nicht näher bezeichnete Beistoffe –, werde „versucht“, die Bohrung einzuschließen. Die rund 20 ständig vor Ort befindlichen Mitarbeiter werden evakuiert. Die meisten davon seien Ersthelfer, zwei Atemschutzgeräteträger und eine Aufsichtsperson sei immer dabei. Gelöscht werden müsste mit Pulver und aufgrund der austretenden Stoffe aus gewissen Abständen heraus, mindestens aber 40 Meter. In der Umgebung werden Sperrkreise eingerichtet – und dann heißt es mit hoher Wahrscheinlichkeit: Warten. Denn das nächste Spezialunternehmen, „von dem wir Equipment abrufen“, so Richter, sitzt in Celle. Vertraglich gesichert sei, dass es innerhalb von 24 Stunden vor Ort sein müsse. In der Zeit würde das austretende „Medium“ mit Lagerstättendruck weiter brennen.

Welche Stoffe genau das wären, kann derzeit niemand sagen. Überhaupt scheint im Moment noch vieles offen. Selbst die Frage, ob das Unternehmen in der Spreewald-Region jemals fördern wird, sei noch nicht entschieden, hieß es von CEP-Mitarbeitern auf die Nachfragen von Einwohnern. Ab Mitte Oktober soll – abhängig von der Genehmigung – auf dem Platz in Guhlen eine weitere Bohrung abgeteuft werden, ab September wird das vorbereitet. Ziel sind noch mehr Erkenntnisse darüber, ob und wie die Rohstoffe wirtschaftlich förderbar wären. Im Kern ist der Stand also immer noch in der Erkundungsphase.

Kommt es zur Förderung, werden weitere Meter Akten mit Anträgen fällig. Die gemeinsame Landesplanung muss zustimmen, es soll ein Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren geben. Auch da können sich Bürger und Träger öffentlicher Belange wie die Gemeinde Schwielochsee einbringen. In der Hoffnung, dass ihre Einwände als „inhaltlich zutreffend“ betrachtet werden.