ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:23 Uhr

LR vor Ort
Burgwall-Geheimnissen auf der Spur

Christina Orphal (vorn re.) führte die Teilnehmer rund um und über den slawischen Burgwall in Lübben.
Christina Orphal (vorn re.) führte die Teilnehmer rund um und über den slawischen Burgwall in Lübben. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Geschichtsträchtiger Ort wurde auf den Resten eines slawischen Walls aus dem 9. und 10. Jahrhundert errichtet Von Andreas Staindl

Der Burglehn in Lübben ist ein geschichtsträchtiger Ort. Er wurde vor etwa 900 Jahren vermutlich auf den Resten eines slawischen Walls aus dem 9. und 10. Jahrhundert errichtet. Viele Lübbener verbinden mit der Anlage persönliche Erinnerungen. Entsprechend groß war das Interesse an einem Rundgang am Donnerstagnachmittag über die Anlage. Etwa 60 Leute waren dabei. Die LAUSITZER RUNDSCHAU hatte zur Veranstaltungsreihe „LR vor Ort“ eingeladen.

Mit Christina Orphal konnte eine ausgewiesene Fachfrau gewonnen werden, die den Burgwall zwar nicht bis ins kleinste Detail kennt, jedoch viel Interessantes über ihn zu berichten hat. Die ehemalige Museumsleiterin in Lübben ist ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin. Der slawische Burgwall ist ihr vertraut. Ihr zufolge ist er „einer der wichtigsten und schönsten Bodendenkmale in Lübben, wenn nicht sogar im gesamten Spreewald“.

Mit einer Größe von etwa 130 mal 150 Meter ist er die bedeutendste mittelalterliche Burg im nördlichen Spreewald. Christina Orphal vermutet, dass die Anlage schon vor etwa Tausend Jahren eine zentrale Bedeutung hatte. Sie war möglicherweise Sitz der Burggrafen von Lübben, die seit 1208 urkundlich belegt sind, wurde allerdings vom slawischen Stamm der Lusici errichtet. Obwohl es im 19. Jahrhundert sowie 1966/67 Ausgrabungen auf dem Burgwall gegeben hatte, sind noch längst nicht alle Geheimnisse gelüftet.

Um ihnen auf die Spur zu kommen, fehlt Geld. Wie die ehemalige Museumsleiterin sagt, kostet die Grabung auf einem Kubikmeter Erde etwa Tausend Euro. „Ohne Fördermittel ist das nicht finanzierbar. Interessant wären weitere Untersuchungen aber auf jeden Fall.“ Bis dahin ranken sich weiter Sagen und Geschichten um die Anlage. Etwa die von den drei unterirdischen Gängen – einer soll bis zum Marienberg bei Biebersdorf (Märkische Heide), ein anderer zum Lübbener Schloss führen, von silbernen Särgen sowie von sieben Gerippen, die eingemauert gewesen und inzwischen auf dem Areal vergraben seien. Eine Spur davon gibt es nicht, wie Christina Orphal sagt. Auch keinen Hinweis, dass der bekannte Mediziner und Prähistoriker Rudolf Virchow während seines Besuchs 1880 auf dem Burgwall nach den Schädeln der Gerippe gegraben habe. Es gebe allerdings Untersuchungen, die Rückschlüsse auf das frühere Aussehen der Anlage zulassen. Vermutet wird, dass es beidseitig der heutigen Haupttreppe Kahnanlegestellen gegeben haben könnte. Scherben- und Knochenfunde sowie gebrannter Lehm würden zudem auf eine Art Grillplatz von Wachleuten hindeuten, da sich an jener Stelle ein Wachturm befunden haben könnte.

Konkrete Nachweise seien schwierig, auch, weil viele historische Zeitzeugnisse von Lübben im Zweiten Weltkrieg verlorengegangen seien. Hinzu kommt, „dass jeder Eigentümer der Anlage nach Schätzen im Boden gesucht, die Funde jedoch oft behalten und nicht dokumentiert hat“, wie Christina Orphal erklärt. Einige Exponate sind dennoch im Lübbener Museum zu sehen.

„Burglehn ist durchaus ein Thema für uns“, sagt die Leiterin Corinna Junker. „Es wäre spannend, mehr über die alte Burganlage herauszufinden.“

Seit 1897 gibt es eine Gaststätte auf der Burgwall. „Für viele Lübbener gab es dort den schönsten Biergarten der Stadt“, sagt Christina Orphal. „Schade, dass sich die Infrastruktur der Anlage so verändert hat, und Burglehn kein Ausflugslokal mehr ist.“ Der neue Besitzer setzt auf anspruchsvolle Veranstaltungen und Feiern, hat das Haus selbst und auch den Außenbereich entsprechend umgestaltet, verbindet Moderne mit Historischem. Er teilt sich das Areal des slawischen Walls mit der Stadt Lübben.

Gisela Christl aus dem benachbarten Steinkirchen würde sich wünschen, dass die Kommune „Burglehn mehr Beachtung schenkt. Am nahen Radweg gibt es keinen Hinweis darauf. Und auch die Schautafeln am Eingang des Burgwalls müssten aktualisiert und erneuert, der Eingangsbereich mit der Treppe attraktiver gestaltet werden.“ Die Info-Tafeln stammen von 1991, wie Christina Orphal sagt.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR