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| 17:13 Uhr

Verkehr
Wenigstens die Betonplatten...

Der teils nicht vorhandene, teils schadhafte und teils unebene Geh- und Radweg entlang der B115/Berliner Straße bewegt die Gemüter. Abgeordnete fordern ein Provisorium auf Stadtkosten, weil die Bundesstraße wahrscheinlich erst 2025 grundhaft ausgebaut werden soll.
Der teils nicht vorhandene, teils schadhafte und teils unebene Geh- und Radweg entlang der B115/Berliner Straße bewegt die Gemüter. Abgeordnete fordern ein Provisorium auf Stadtkosten, weil die Bundesstraße wahrscheinlich erst 2025 grundhaft ausgebaut werden soll. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Der schadhafte und auf weiten Strecken fehlende Geh- und Radweg entlang der Berliner Straße bewegt die Gemüter. Eine provisorische Lösung entpuppt sich als schwieriger als gedacht. Von Ingvil Schirling

Mit dem Antrag, den Geh- und Radweg entlang der B115/Berliner Chaussee und Berliner Straße wenigstens provisorisch zu ertüchtigen, hat die Lübbener Stadtverordnetenfraktion Pro Lübben ins sprichwörtliche Wespennest gestochen. In jedem Fachausschuss wurde in den vergangenen Tagen darüber diskutiert, zuletzt im Hauptausschuss am Montag. Fazit: „Es ist nicht so einfach, wie es manchmal aussieht“, um es mit den Worten von Jens Richter (CDU/Grüne) zu sagen.

Wolfram Beck führte als Vertreter der antragstellenden Fraktion Pro Lübben nochmals ins Thema ein. „Was uns dort an Geh- und Radweg angeboten wird, ist für die Stadt nicht angemessen“, sagte er im Hauptausschuss. „Es ist nicht nur ein Schulweg, sondern insgesamt ein stark frequentierter Fußweg, mit dem auch ältere Leute zum Teil richtig Probleme haben. Wenn es regnet, ist es an manchen Stellen fast unmöglich weiterzukommen.“

Besonders brisant an der Kritik ist, dass sie von verschiedenen Seiten, auch Anwohnern, seit Jahrzehnten immer wieder geäußert wird. Die Antwort, die es dazu immer gab, stellt auch jetzt noch den Haupt-Knackpunkt dar: Für diese Straße ist die Stadtverwaltung nicht zuständig, sondern der Bund, weil es eine Bundesstraße ist.

Nach aktuellem Stand soll sie in fünf bis sieben Jahren grundhaft ausgebaut werden. Dann würden auf Kosten des Bundes auch die Nebenanlagen, also ein beidseitiger Geh- und Radweg nach Bundesstraßenstandard, neu errichtet. Alles, was die Stadt bis dato als Provisorium errichtet, muss sie selbst bezahlen – und, wenn es diesem Standard nicht entspricht, dann auch wieder abreißen.

Dass der Weg allerdings fast durchgängig eine Zumutung darstellt, ist auch in der Stadtverwaltung unstrittig. Daher hatte sich diese bereits Gedanken gemacht, wie man den Zustand zumindest abschnittsweise verbessern könnte. Demnach würde (die LR berichtete) der „hintere“ Teil zwischen Hartmannsdorfer und Wettiner Straße, der jetzt eine Sandpiste ist, im Rahmen der notwendigen Erneuerung einer Rohrleitung erneuert werden können.

Deutlich schwieriger wird es mit dem mittleren Teil von der Hartmannsdorfer Straße bis zum Lehnigksberger Weg. Er ist immerhin mit Betonplatten belegt, aber insgesamt in schlechtem Zustand. Die Platten rücken teilweise auseinander, sodass man sich per Fahrrad mit schmalen Reifen gefährlich „einfädeln“ könnte.

Die Platten sind zudem uneben und bilden scharfkantige Absätze. Ebenso wie beim „vorderen“ und schlechtesten Teil, der über die Brücke (mit Ausnahme des Anschlusses zum Lehnigksberger Weg) um die Kurve bis zur Schlosserei führt, „wird es da schwierig, ohne Bundesstraßenausbau etwas zu machen“, schätzt Bauamtsleiter Frank Neumann ein. Rein finanztechnisch handelt es sich um eine Straßenunterhaltung.

Die Platten aufzunehmen, einen leichten Unterbau einzubringen und eine provisorische Asphaltschicht einzubringen würde mindestens 200 000 Euro kosten. Das Provisorium müsste mit dem grundhaften Ausbau der Bundesstraße wieder verschwinden. Die Investition sähe die Stadt nie wieder.

Das sorgte im Finanzausschuss schonmal für Ablehnung und im Hauptausschuss für sehr, sehr nachdenkliche Mienen. „Könnte man nicht wenigstens die schlimmsten Gehwegplatten aufnehmen, darunter begradigen und sie wieder einbauen?“, erkundigte sich Thomas Weidemanns von der Fraktion „Wir von hier“. Die schlimmsten Stellen würden im Rahmen der Unterhaltung ohnehin ausgebessert, antwortete Frank Neumann. Doch die alten Betonplatten würden dabei eben auch schnell mal komplett reißen.

Ein weiterer Aspekt der Diskussion ist, dass der Landesbetrieb Straßenwesen die Planung für den kommenden Bundesstraßenausbau im November vorstellen will. Das will Peter Rogalla (Die Linke) gerne abwarten, ehe weitere Entscheidungen getroffen werden. Der unhaltbare Zustand des Weges sei unstrittig, räumte er ein, plädierte jedoch auch inständig dafür, die Situation „nicht losgelöst von der Baustelle am Houwald-Damm zu betrachten“. Denn ein Provisorium wäre stellenweise nur mit halbseitiger Sperrung und Ampelregelung zu bauen.

Fünf Abgeordnete stimmten im Hauptausschuss schließlich gegen den Pro-Lübben-Antrag, zwei dafür. Wolfram Beck ließ zwar durchblicken, dass die Fraktion Pro Lübben für die Stadtverordnetenversammlung möglicherweise Änderungen in Betracht zieht, ließ sich aber auch nicht gänzlich die Butter vom Brot nehmen. Bis 2025 zu warten, „können wir doch nicht akzeptieren. Dann lieber 250 000 Euro investieren. Ich denke, dass sind wir unseren Bürgern einfach schuldig. Zumindest aber sollten wir die schlimmsten Stellen beseitigen, damit der Eindruck entsteht, dass sich hier etwas getan hat und es nicht aussieht wie vor 30 Jahren.“