ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:46 Uhr

Geflügelpest – Züchter fürchten um alte Rassen

Während die Umgebung der Putenzuchtanlage Kartzfehn in Burglehn (Alt Zauche) von der Kreisverwaltung zum Sperrbezirk erklärt wurde, gehört Lübben zum Beobachtungsgebiet der Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt.
Während die Umgebung der Putenzuchtanlage Kartzfehn in Burglehn (Alt Zauche) von der Kreisverwaltung zum Sperrbezirk erklärt wurde, gehört Lübben zum Beobachtungsgebiet der Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt. FOTO: I. Hoberg
Lübben. Ob zehn Hühner auf dem Hof scharren oder Tausende Puten in einer großen Farm gehalten werden, wenn der gefährliche H5N8-Virus auftritt, sind alle Tierhalter gleichermaßen von den Maßnahmen zur Bekämpfung von Tierseuchen betroffen. So sind bei Moorgut Kartzfehn am Standort Burglehn (Alt Zauche) fast 45 000 Tiere getötet worden. Ingrid Hoberg

Wie Unternehmenssprecher Thorsten Mahlstedt informiert, befinden sich gegenwärtig in der Anlage keine Tiere mehr. "Es wurde entmistet und der Dung außerhalb der Stallgebäude gelagert", erklärt er. Der Dung werde mehrfach desinfiziert, abgedeckt und 42 Tage eingelagert.

Amtstierärztin Jana Guth war gestern vor Ort und hat die bisherige Einhaltung der veterinärbehördlichen Maßnahmen kontrolliert. Da zwischen den einzelnen Arbeiten nach EU-Vorgaben mehrere Tage liegen müssen, werde es am Sonnabend die nächste Kontrolle geben, teilt der Landkreis Dahme-Spreewald mit. Mahlstedt rechnet damit, dass Anfang März die Anlage wieder in der gleichen Größenordnung wie zuvor belegt werden kann.

Welche Folgen die Bekämpfung der Geflügelpest für die Rassegeflügelzucht hat, darauf weist Eberhard Nakonzer, 1. Vorsitzender des Kreisverbands der Rassegeflügelzüchter Luckau-Lübben, nachdrücklich hin. "Es wurde wegen der hochpathogenen Form der Vogelgrippe eine landesweite Stallpflicht verordnet - auch für alte Geflügelrassen. Davon sind wir existenziell betroffen", sagt er. Die Erhaltung alter Rassen sei im Gegensatz zu den Wirtschaftsrassen nur in freier, extensiver Haltung möglich. "Wir verlieren zum jetzigen Zeitpunkt viele Tiere und ganze Zuchten - nicht durch die hochpathogene Influenza, sondern durch die seit November 2016 geltende Stallpflicht erklärt er. "Wir mussten verstärkt unsere Zuchttiere schlachten." Die Ställe seien als Schlafplätze eingerichtet und nicht für die ständige Unterbringung geeignet. "Unsere Tiere verbringen die meiste Zeit in Freigehegen und Ausläufen", betont er. Eine Nachzucht sei für die meisten Rassen und Arten unter Stallbedingungen nicht möglich. In den Monaten Januar und Februar werden beispielsweise bei Enten und Gänsen die Zuchtstämme zusammengestellt. Spätestens im März muss die Brutzeit beginnen, damit im Oktober/November zu den Ausstellungen die Zucht ergebnisse vorgestellt werden können. Die aktuell geltenden Maßnahmen würden das Ende für die meisten Rassegeflügelzüchter des Verbandes Luckau-Lübben bedeuten, so der Verbandsvorsitzende. Er wendet sich vehement gegen eine flächendeckende, landesweite Stallpflicht. "Diese Stallpflicht sollte sich ausschließlich auf die Risikogebiete und die Fundorte von Geflügel mit einem hochpathogenen Virus beschränken", sagt Eberhard Nakonzer, der sich für eine artgerechte Haltung der Tiere einsetzt.

Das Veterinäramt des Landkreises Dahme-Spreewald hat mit der Amtshilfe aus Potsdam-Mittelmark, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz fast alle der mehr als 140 Geflügelhaltungen überprüft. Vier Kleinsthalter seien nicht angetroffen worden bei den unangekündigten Vor-Ort-Terminen. Zwei Tierhalter hätten sich nicht an das Aufstallgebot gehalten, es drohe in diesen Fällen nun ein Bußgeld, teilt die Kreisverwaltung mit.

Zum Thema:
Im gesamten LDS sind Geflügel ausstellungen und -märkte verboten. Ausnahmegenehmigungen werden nach Prüfung durch die Veterinärbehörde außerhalb des Sperrbezirks und Beobachtungsgebiets nur für reine Taubenausstellungen erlaubt. Ein schriftlicher Antrag ist dafür notwendig. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat die Vetschauer Feuerwehr aus dem Eis einer Grubenwasserreinigungsanlage eine tote Ente geborgen. Das Veterinäramt OSL hatte die Aktion veranlasst und lässt das tote Tier untersuchen.