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| 14:42 Uhr

Lübben
Fußballer, Funktionär, Manager

Ulrich Lehnigk (80) war ein sehr erfolgreicher Fußballer (re. Mitte) und leidenschaftlicher Läufer (li.). Der Hut mit dem aufgesetzten Fußball ist ein Geschenk seiner Kollegen aus dem Institut für Kraftwerke als Anerkennung für den Doktortitel. Der Ball hat inzwischen eine Öffnung und soll heute Geldspenden sowie Glückwunschkarten aufnehmen.
Ulrich Lehnigk (80) war ein sehr erfolgreicher Fußballer (re. Mitte) und leidenschaftlicher Läufer (li.). Der Hut mit dem aufgesetzten Fußball ist ein Geschenk seiner Kollegen aus dem Institut für Kraftwerke als Anerkennung für den Doktortitel. Der Ball hat inzwischen eine Öffnung und soll heute Geldspenden sowie Glückwunschkarten aufnehmen. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Ulrich Lehnigk feiert am Mittwoch in Krausnick seinen 80. Geburtstag. Dazu hat er einige seiner Weggefährten eingeladen.

Ulrich Lehnigk hat die Sportgeschichte in der Lausitz mitgeschrieben. Der Lübbener war aktiver Läufer, Fußballer, Kapitän, Funktionär und Manager. Sein Name ist weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus bekannt. Auch, weil er nicht nur sportlich, sondern auch beruflich überaus erfolgreich war.

Am Mittwoch feiert Ulrich Lehnigk seinen 80. Geburtstag. Er hat alte Weggefährten eingeladen, will mit ihnen gemeinsam in Erinnerungen kramen. Der Jubilar ist 1938 geboren und in Lübben aufgewachsen. Die durch Bomben zerstörte Stadt ist ihm noch gut in Erinnerung. Der junge Ulrich drängt ins Leben, will die Welt entdecken. Er lernt erste Griffe auf dem Klavier, doch Fußball reizt ihn mehr. Der Ball ist immer dabei, gekickt wird auf der Straße. „Wir hatten ja nichts anderes.“

16 Jahre lang hat er aktiv Fußball gespielt. Der 80-Jährige war Mitglied und Kapitän von Jugendmannschaften und der ersten Mannschaft erst von Fortschritt, später von Dynamo Lübben – der erfolgreichsten Fußballmannschaft in der Kreisstadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit den A-Junioren wurde er 1955 Meister nach Siegen über den BFC Dynamo Berlin, Dynamo Dresden und Dynamo Schwerin. Das Spiel in Dresden vor mehr als 25 000 Zuschauern löst noch heute Emotionen in ihm aus. „So etwas habe ich nie wieder erlebt, es war überwältigend.“ Als Männerspieler war er später an mehreren Auf- und Abstiegen zwischen der Bezirksklasse und der Bezirksliga beteiligt.

Der Fußball ließ ihn auch nach Ende seiner aktiven Karriere nicht los. Ulrich Lehnigk engagierte sich als Sektionsleiter und Vorsitzender bei Dynamo Lübben sowie nach der Wende bei Grün-Weiß Lübben, und das jeweils erfolgreich. Mit Dynamo Lübben wurde er 1974 FDGB-Bezirkspokalsieger, mit Grün-Weiß Lübben in der Saison 2010/11 Achter in der Brandenburg-Liga.

Der Jubilar hat auch in der Nachbarstadt Lübbenau sportliche Zeichen gesetzt. Er betreute als Cheftrainer die TSG Lübbenau während der Saison 1978/79 in der DDR-Liga – der zweithöchsten Spielklasse in der DDR. Seine hervorragenden Führungsqualitäten und sein hohes sportliches Fachwissen waren längst bekannt. Er erhielt das Vertrauen der Verantwortlichen des Trägers von Energie Cottbus, war dort von 1986 bis 1988 für den Leistungssport verantwortlich. Als Manager handelte er unter anderem Verträge mit den Spielern aus, holte sie aus Vereinen in der Lausitz zur Oberligamannschaft von Energie Cottbus.

Mit Energie hatte er auch beruflich zu tun. Nach dem Abitur 1956 in Lübben studierte Ulrich Lehnigk Volkswirtschaft in Berlin. Er absolvierte 1968 eine Auslandsaspirantur in Leningrad und 1974 eine außerplanmäßige Aspirantur an der Technischen Hochschule in Zittau, die er mit dem Doktortitel für Betriebswirtschaft abschloss. Ab 1960 war er im Kraftwerk Lübbenau beschäftigt und dort unter anderem Assistent des Betriebsdirektors.

Der Lübbener leitete das Institut für Kraftwerke, war stellvertretender Forschungsdirektor im Kombinat für Braunkohlekraftwerke. Als Hauptspezialist des Generaldirektors entwickelte er langfristige Kraftwerksstrategien. Das Management bei Energie Cottbus gehörte zu seinen Sonderaufgaben. Von 1990 bis 1998 war Ulrich Lehnigk Projektmanager für die Standortnachnutzung von Kraftwerken sowie für die Industrieansiedlung und direkt dem Vorstand der Vereinigten Energiewerke Berlin unterstellt. Die Ansiedlung von Unternehmen etwa auf dem ehemaligen Gelände des Kraftwerks in Lübbenau trägt maßgeblich seine Handschrift.

Auch politisch war und ist er sehr interessiert. Der Lübbener kandidierte 1996 für das Amt des Landrats im Landkreis Dahme-Spreewald. Sportlich stellte er sich nach der Wende einer neuen Herausforderung. Ulrich Lehnigk war Mitbegründer des Vereins Laufen und Radtouristik 92 (LRT 92) Lübben und 17 Jahre lang dessen Präsident. Die RTF „Spreewald total“, das Volksradeln mit „Täve“ Schur sowie der Kahnkorso mit Radsportprominenz gehörten zu den Höhepunkten. Der 80-Jährige ist gern geradelt und noch immer viel mit dem Rad unterwegs. Er war aber vor allem leidenschaftlicher Ausdauerläufer, ist Marathon etwa in Paris, Berlin und Hamburg, den Rennsteiglauf in Thüringen sowie tausende Trainingskilometer mit Peter Schäfer in den Krausnicker Bergen (Unterspreewald) gelaufen. „Ich habe dem Sport viele schöne Erlebnisse zu verdanken. Und ich durfte tolle Menschen kennenlernen. Dafür bin ich dankbar.“

Die wichtigsten Weggefährten hat er zur Feier am Mittwoch  im Landhotel in Krausnick eingeladen. Ab 19.30 Uhr werden sicherlich weitere Gratulanten vorbeischauen. Blumen und Geschenke will Ulrich Lehnigk nicht. Er wünscht sich Geld, das jungen Nachwuchssportlern zugute kommen soll. „Der Nachwuchs liegt mir am Herzen“, begründet Ulrich Lehnigk.