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Für ein lebenswertes Groß Leuthen

Mit diesem und einem anderen Kleinflugzeug wollen zwei Hobby-Piloten künftig in Groß Leuthen starten und landen. Die neue Bürgerinitiative sieht dadurch die Entwicklung des Orts gefährdet.
Mit diesem und einem anderen Kleinflugzeug wollen zwei Hobby-Piloten künftig in Groß Leuthen starten und landen. Die neue Bürgerinitiative sieht dadurch die Entwicklung des Orts gefährdet. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Groß Leuthen. In Groß Leuthen (Märkische Heide) hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Sie will Projekte anschieben. Und eine Landebahn verhindern. Andreas Staindl / asd1

Der Ort steht am Scheideweg. Die Infrastruktur entwickelt sich rückwärts, die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs ist vor Ort kaum noch möglich. Junge Leute wollen bauen, können es aber nicht. Wochenendhaus-Bewohner würden sich gern stärker engagieren, werden jedoch ausgebremst. Einwohner und Zugezogene sind unzufrieden.

"Die Gemeinde braucht ein Entwicklungskonzept für Groß Leuthen", sagt Reinhard Schulz. "Sie muss Visionen entwickeln, wie sie den Ort wieder lebenswert machen und ihm eine Zukunft geben will." Der Architekt aus Bückchen (Märkische Heide) will helfen. Er hat gemeinsam mit Alexander Weber, Geschäftsführer des Campingplatzes in Groß Leuthen, eine Bürgerinitiative (BI) geründet.

Beim ersten Treffen am Samstag waren etwa 20 Leute dabei, Dauercamper, Bewohner der Wochenendhaus-Siedlung, Zugezogene.

"Die Alteingesessenen wissen vielleicht gar nichts von der Idee einer Bürgerinitiative", vermutet Birgit Raddatz, die das Mehrgenerationenhaus (MGH) leitet. "Die Gegend hier ist wunderschön", sagt Regine Raebel, die einen Bungalow in der Wochenendhaus-Siedlung gekauft habe. "Der Ort braucht sanften Tourismus."

Dem steht nach Ansicht der neuen BI das Vorhaben von Elmar Kleinert und Ralph Seefeld entgegen. Die beiden Hobby-Piloten wollen mit ihren Kleinflugzeugen auf einer Wiese am Rande des Ortes starten und landen. Ein Fischadler hat das Vorhaben vorerst ausgebremst. Die Oberste Luftfahrtbehörde prüft derzeit, wie das Verfahren weitergeführt wird.

Reinhard Schulz wirft den Gemeindevertretern vor, sich nicht im Sinne der Bürger mit dem Projekt auseinanderzusetzen. "Wir sind keine Fachleute, schon gar keine Ornithologen", sagt die Bürgermeisterin Annett Lehmann (parteilos). "Es ist noch keine Entscheidung für oder gegen die Start- und Landebahn gefallen." Das Vorhaben ist für Peter Müller ein "No-Go, ein absolutes Tabu". Er kennt sich aus im Kampf gegen Behörden, macht sich als Sprecher der BI "Klein Leuthen bewahren" stark und will sich auch in der neuen Bürgerinitiative engagieren: "Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Groß Leuthener den Start-und Landeplatz haben will."

Regine Raebel will ihn auf keinen Fall. "Mein Sohn ist Autist. Schon der Rasenmäher in der Nachbarschaft ist ein ernstes Problem. Was passiert dann erst, wenn Kleinflugzeuge über uns hinwegfliegen? Ich müsste unseren Bungalow wieder verkaufen." Katrin Wenzel sorgt sich um den Erholungswert, wenn das Vorhaben der Hobby-Flieger genehmigt wird: "Die Natur, vor allem die Tierwelt, wäre erheblich beeinträchtigt." Und nicht nur das. Siegmund Greulich-Weber von der Geschäftsführung des Campingplatzes sorgt sich um die Zukunft des Platzes: "Die Start-und Landebahn würde unser Geschäft negativ beeinflussen, da sie in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Wir überlegen ernsthaft, ob wir hier überhaupt noch weiter investieren."

Die Bürgerinitiative will jedoch nicht nur das Flieger-Projekt verhindern, sondern den Ort insgesamt voranbringen. "Wir wollen helfen, Groß Leuthen zu entwickeln", sagt Peter Müller. "Alle Bürger sind eingeladen, daran mitzuarbeiten." Er wünscht sich, dass das "wir und ihr" aufhört, auch den Zugezogenen zugestanden wird, dass sie sich aktiv in das Gemeindeleben einbringen. "Ohne uns Zuzügler wäre Klein Leuthen heute ein Geisterdorf", sagt Katrin Wenzel. Auch Reinhard Schulz liegt das Miteinander am Herzen: "Wir müssen die Gemeindevertreter davon überzeugen, dass wir als BI ihnen bei der Entwicklung von Groß Leuthen helfen."

Erste Schritte wurden am Samstag festgelegt. Ein kleiner Film sowie ein Flyer sollen hergestellt werden, die zeigen, wie schön es im Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide ist. Die BI will zudem im Internet präsent sein. Erste Themen sind gesetzt: Bauland ermöglichen, Infrastruktur entwickeln, Wirtschaft fördern sowie Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Er hofft, dass möglichst viele Leute in der neuen Bürgerinitiative mitarbeiten. Das nächste Treffen findet am 7. Oktober, 15 Uhr, auf dem Campingplatz in Groß Leuthen und dann immer am ersten Samstag im Monat statt. Alexander Weber und Reinhard Schulz sind die Sprecher.