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| 02:41 Uhr

Für den Spreewald: Volle Kraft voraus

Ob die klassische Kahnfahrt oder Paddeln auf eigene Faust: Die Fließlandschaft bietet jede Menge tolle Möglichkeiten, sich zu erholen, Kraft zu schöpfen und Ruhe zu finden.
Ob die klassische Kahnfahrt oder Paddeln auf eigene Faust: Die Fließlandschaft bietet jede Menge tolle Möglichkeiten, sich zu erholen, Kraft zu schöpfen und Ruhe zu finden. FOTO: Peter Becker
Schlepzig/Raddusch. Wie feiert man ein Vierteljahrhundert harte und erfolgreiche Arbeit? Anstoßen, Geburtstagstorte essen und Pläne schmieden. Genau so hat es der Tourismusverband Spreewald Ende 2016 in Schlepzig gemacht. Ingvil Schirling

Die offizielle Feier war nur der Anfang einer vielversprechenden Reise in die Zukunft. Der Verband kann auf viele Erfolge zurückblicken. Dass der Tourismus im Spreewald boomt, ist zu einem großen Teil sein Verdienst. Der Wechsel zur anfangs skeptisch beäugten Glücksburg Consulting AG, die mit Annette Ernst eine gebürtige Burgerin als Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Peter Stephan in den Spreewald sendete, hat sich bewährt. Bei der Geburtstagsfeier in Schlepzig votierten die Mitglieder auch dafür, dieses Modell weiter zu tragen.

Den Spreewald touristisch in den kommenden 25 Jahre voranzubringen, trauen sie Annette Ernst und der Glücksburg AG ohne Zweifel zu. Zu Recht. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten haben Arbeitsgruppen in kurzen, knackigen Diskussionsrunden sechs Handlungsfelder für die Zukunft definiert, die als wichtige Schlüsselaufgaben gelten. Die Pläne gehen bis 2030. Die Tourismusbranche ist schnelllebig, und ein Verband muss auf sich wandelnde Ansprüche von Urlaubern rasch reagieren können.

Die LR stellt die sechs Handlungsfelder mit ihren Schlüsselaufgaben einfach mal vor.

Zielgruppen und Märkte

Wer interessiert sich eigentlich aktuell wirklich für den Spreewald? Sind es noch die gewohnten Bustouristen? Der Markt ist ständig in Bewegung. Um die richtigen Angebote machen zu können, muss er beobachtet werden.

Das ist der zentrale Punkt dieses Handlungsfeldes. Bekannt ist, dass sich mehr und mehr junge Familien für den Spreewald interessieren, aber auch Menschen, denen ein gesunder und nachhaltiger Lebensstil wichtig ist. Die Fachabkürzung dafür lautet "Lohas". Aktiv- und Gesundheitsurlauber sind ebenfalls eine wichtige Zielgruppe. Und, das unterstreicht Annette Ernst doppelt in Rot: Anwohner. Finsterwalder schauen zum Wochendausflug nach Lübbenau, Calauer trinken Kaffee in Burg, Radduscher düsen mal nach Schlepzig. Sie sind Kurzurlauber in der eigenen Region und nicht zu unterschätzen.

Wertschöpfende Produkte

Ein eigenes Handlungsfeld ist diesem etwas abstrakten Stichwort gewidmet. Dass es im Spreewald Gurken gibt, ist bekannt - aber wissen viele, wie hoch der Anteil an Bio-Produktion in der Fließlandschaft ist? Und was stellt man sich unter "Kunstraum Spreewald" vor? Wissen Touristen ausreichend über die Vielfalt der kulturellen Angebote Bescheid, von der Aquamediale über die Spektrale und das Spreewaldatelier bis hin zu Festivals, Museen, Industriekultur oder Architektur? Zu vermitteln, welche Vielfalt bis hin zu moderner Kunst im Angebot ist, um daraus Werte schöpfen zu können, das ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben.

Infrastruktur und Mobilität

Wie kommt man im Spreewaldurlaub ohne eigenen Pkw von einem Ort zum anderen? Die Antwort ist: schlecht. Das sagt Annette Ernst als Geschäftsführerin eines Tourismusverbandes so natürlich nicht.

Wer hier lebt oder Urlaub macht, weiß aber: Das stimmt. Busse richten sich stark nach dem Schülertransport, Züge gibt es nur zwischen Cottbus und Lübben. Von dort aus per Fahrrad zum Schwielochsee aufzubrechen, ist schon sportlich. Mit E-Bikes ist ein wichtiger Anfang gemacht, doch das ganze Mobilitätsmanagement aus touristischer Sicht ist in jedem Fall ausbaufähig.

Fest im Blick hat Annette Ernst die Spreewaldcard für Touristen mit der Möglichkeit, einen Ringbus zu nutzen, der wichtige Orte wie Burg, Straupitz, Lübben, Lübbenau und Raddusch verbinden würde.

Digitalisierung und Kommunikation

Ganz ohne Frage ist es auch für den Tourismusverband eines der brennenden, dringendsten Themen: der Ausbau von Breitband und WLAN. Dass schnelles Internet in Cafés, an Bahnhöfen und zentralen Orten zugänglich ist, gehört zu den ganz großen "Muss-sein"-Charakteristika einer Tourismusregion in der Zukunft.

"Gibt es leistungsfähiges Internet?" - Diese Frage wird für Reisende aller Art zum Entscheidungskriterium, in den Spreewald zu fahren - oder woanders hin. Annette Ernst sieht in diesem Handlungsfeld auch die Verbesserung der Online-Buchbarkeit und der Kommunikation untereinander - bis hin zum Zimmervermieter-Mitglied mit der kleinsten Bettenzahl.

Organisation und Kooperation

Unterm Dach des Tourismusverbands wimmelt es nur so von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen und Aufgaben. Da mehr Klarheit hineinzubringen, steht im Zentrum dieses Handlungsfeldes.

Welchen Teil des Marketings übernimmt der Ort, welchen die Touristinformation? Wie und wo arbeiten Biosphäre, Tourismusverband und Spreewaldverein zusammen, wo sind Grenzen? Wie können alle sinnvoll mit Dritten kooperieren und wer übernimmt die jeweilige Führung?

Starke innovative Unternehmen

Mitglieder im Tourismusverband sind zahlreiche Unternehmen aus der Region, darunter Gaststätten, Hotels, Pensionen, aber auch Einzelhändler. Als wichtigste Aufgaben aus der gemeinsamen Sicht von ihnen und dem Tourismusverband wird gesehen: gut ausgebildetes Fachpersonal halten und gewinnen, Qualität im Spreewald fördern und vermarkten, eine außergewöhnliche Gastronomie aufbauen und bewerben sowie weiter daran arbeiten, die Saison auf den Winter auszudehnen.

Gerade in der Gastronomie sieht Annette Ernst schon jetzt viele gute Ansatzpunkte mit regionalen Produkten von hoher Qualität und Bekanntheit (Spargel, Gurken), kurzen Wegen zum Verarbeiter und ins Restaurant. Auszubauen wären vegane, Bio- und Sterneangebote.