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| 02:33 Uhr

Fünf neue Stolpersteine in der Cottbuser Bahnhofstraße

In der Cottbuser Bahnhofstraße 51 versenken David Petrick (l.) und Roberto Konzack, beide Auszubildende an der FAA Cottbus, Stolpersteine. Diese tragen die Namen jüdischer Bürger, die dort gelebt haben und im Krieg deportiert worden sind.
In der Cottbuser Bahnhofstraße 51 versenken David Petrick (l.) und Roberto Konzack, beide Auszubildende an der FAA Cottbus, Stolpersteine. Diese tragen die Namen jüdischer Bürger, die dort gelebt haben und im Krieg deportiert worden sind. FOTO: Adelheid Floß
Cottbus.. Auszubildende der „FAA Gesellschaft für berufliche Bildung Cottbus“ haben gestern fünf neue Stolpersteine in der Cottbuser Bahnhofstraße verlegt. Die Steine erinnern an durch Nazis verschleppte Cottbuser. A.Floß

Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Mitglieder von Parteien, Vereinen, Institutionen und Kirchen nahmen an der Verlegung teil.
Während die Azubis mit Mörtel die Gedenksteine in das Pflaster einbrachten, berichtete Gudrun Breitschuh-Wiehe von der Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine“ über das Schicksal dieser jüdischen Cottbuser Bürger. Die Lebensberichte seien aus Forschungen zusammengetragen worden. So habe das Ehepaar Adele und Ludwig Friebe in der Bahnhofstraße 55 eine Möbelhandlung betrieben. Im Jahr 1939 sei es „zwangsumgesetzt“ worden. Friebes hätten in eines der Cottbuser „Judenhäuser“ umziehen müssen. Im Jahr 1942 waren die beiden ins Warschauer Ghetto gebracht worden, wo sie nach Aussage eines Zeugen umgekommen seien.
Einige Häuser weiter, in der Bahnhofstraße 51, versenkten die Lehrlinge neben den Stolpersteinen für Georg und Adele Schlesinger drei weitere Steine. Diese erinnern an die Tochter von Georg Schlesinger, Josefine Gutekind, deren Ehemann Ludwig Gutekind und den gemeinsamen Sohn Hans-Jakob Gutekind.
„In der Zeit von 1929 bis 1937 wohnte die junge Familie vermutlich bei Georg Schlesinger zur Untermiete“ , berichtete Gudrun Breitschuh-Wiehe. Im März 1937 seien die Gute kinds nach Berlin verzogen, um „unterzutauchen“ . In der Großstadt mussten sie nach ihrer Aussage bis zum Jahre 1942 „Zwangsarbeiten“ ausführen. Das hätten die Recherchen der Arbeitsgruppe ergeben. „Am 9. Dezember 1942 sind alle drei nach Ausschwitz deportiert worden“ , erklärte sie. Hans-Jakob Gutekind sei 16 Jahre alt, seine Mutter 39 Jahre und der Vater 43 Jahre alt gewesen, als sie ihr Leben verloren hatten. „Im Zug der Erinnerungen, der in Cottbus halt macht, wird an den 16-Jährigen erinnert“ , betonte Gudrun Breitschuh-Wiehe. „Es ist schwer, von den Schicksalen wieder Abstand zu bekommen“ , berichtete sie. 33 Stolpersteine sind in Cottbus nun insgesamt verlegt worden, weitere sollen folgen. „Diese berichten von vernichteten Leben“ , fügte Stadtverordnete Karin Kühl (Die Linken) hinzu.
An der Verlegung der Stolpersteine nahmen Vertreterinnen der Jüdischen Gemeinde Cottbus teil, darunter Natalya Kretingen. Sie betonte: „Georg Schlesinger war der letzte Vorsteher der Jüdischen Synagoge.“ Sie sei froh, dass an die Schicksale dieser Menschen erinnert werde. Acht Mitarbeiter der Gemeinde erforschten seit Monaten die jüdische Geschichte. „Auf dem Jüdischen Friedhof in Cottbus haben wir angefangen“ , erzählte sie. „Wir versuchen, Spuren der Cottbuser Juden zu finden.“ Viele Informationen seien bereits im Cottbuser Stadtarchiv gefunden worden.