Von Ingvil Schirling

Ein Fertighaus kaufen – heißt das, die Wahl zwischen genau zwei Ausführungen zu haben und mit der gleichen zu enden wie der übernächste Nachbar? Nein. Das war vielleicht einmal, vor langer Zeit. Mit solchen Vorstellungen räumte die RUNDSCHAU-Sommertour am Dienstag gründlich auf. Bei der Kampa GmbH in Freiwalde trafen sich rund 20 Gäste und lernten ein neues Wort: „Schüsselfertig“.

Schüsselfertig wird mit Augenzwinkern gesagt, ist aber treffend. Das Wort bedeutet, dass man sein Haus nicht nur mit Dach, Wänden, Fenstern und Schloss („schlüsselfertig“) in Besitz nehmen darf, sondern dass es bis zur kleinsten Schüssel im Küchenschrank fertig eingerichtet ist, wenn man seinen Fuß über die Schwelle setzt. Das hat die Kampa GmbH als eine von mehreren individuellen Optionen im Portfolio. Sie übernahm 2015 das Werk in Freiwalde und krempelte es gründlich um. „Man muss immer einen Schritt voraus sein, um am Markt bestehen zu können“, sagt Geschäftsführerin Irene Hübner. Sie gab den Gästen tiefe Einblicke in die Firmenphilosophie und Entwicklung, nachdem diese mit Produktionsleiter Tomasz Krzeminski eine sehr informative Führung durch die Hallen genossen hatten.

Kampa übernahm Hübner zufolge die meisten der damaligen Leiharbeiter und bot ihnen feste Verträge und zweistellige Stundenlöhne an – als ein Teil gelebter Wertschätzungskultur. Heute arbeiten 100 Menschen in der Produktion, weitere knapp 30 in anderen Bereichen – womit Freiwalde der größte Standort der Kampa GmbH ist. In diesen habe das Unternehmen gut eine Million Euro seit 2015 investiert – nicht nur in Technik und Gebäude, sondern vor allem in die Menschen. „Auch wenn das bei insgesamt 500 Mitarbeitern natürlich an gewisse Grenzen stößt, sollen sie sich zum Unternehmen fast wie zu einer Familie gehörig fühlen“, formuliert die Chefin den Anspruch.

Energieeffizienz ist neben Individualität ein weiteres wichtiges Thema. Es werden Irene Hübner zufolge nur Häuser mit Wärmepumpenanlagen verkauft. Höchste Energieeffizienz werde angestrebt.

Sommertour-Gast Reinhard Meier war von der Entwicklung des Standorts angetan. Er hatte noch zu Zeiten des früheren Herstellers Willco einen Besuch am Standort gemacht und bilanzierte positiv, wie viel nun investiert worden sei. Der einstige Burger Polytechnik-Lehrer Joachim Neumann aus Straupitz kam voll auf seine Kosten, lauschte konzentriert und fotografierte viel. „Mich interessiert alles, was mit Konstruktion zu tun hat – Material, Technologie, Mechanik. Ich muss einfach wissen, wie das funktioniert.“

Aufgebaut werden die Häuser übrigens in ganz Deutschland, Holland, Italien – vereinzelt zudem in Russland, Slowenien und sogar im Iran. Auf Wunsch schüsselfertig.