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Lübben
Frühlingsgefühle in Worte gefasst

Die öffentliche Autorenlesung am Sonntag war sehr gut besucht. Sie fand erstmals im wendischen Bauernhof in Lübben-Steinkirchen statt.
Die öffentliche Autorenlesung am Sonntag war sehr gut besucht. Sie fand erstmals im wendischen Bauernhof in Lübben-Steinkirchen statt. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Premiere im Bauernhof mit der ersten öffentlichen Lesung – vor Publikum.

Der Veranstaltungsort war offenbar sehr gut gewählt. Das Interesse an einer öffentlichen Autorenlesung war noch nie so groß wie am vergangenen Sonntagnachmittag: Etwa 30 Gäste sind der Einladung in den wendischen Bauernhof in Lübbens Stadtteil Steinkirchen gefolgt.

Gastgeberin Gisela Christ freute sich darüber ebenso wie Ilona Noack. Die Autorin aus Lübbenau führt seit Jahren durch die Autorenlesungen; sie trägt auch eigene Werke vor. Seit 14 Jahren etwa treffen sich Autoren aus dem Spreewald regelmäßig, um sich über ihre Arbeiten auszutauschen, bisher in öffentlichen Gaststätten. „Jetzt haben wir ein richtiges Zuhause gefunden“, sagt Ilona Noack. „Hier im wendischen Bauernhof ist es gemütlich und irgendwie intimer. Wir sind sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen.“

Seit einem Jahr ist der wendische Bauernhof Heimstatt des Autorentreffs. Zahlreiche Werke der Autoren wurden dort schon diskutiert. Nun gab es die erste öffentliche Lesung. Der Frühling stand im Mittelpunkt. Die Autoren hatten sich Gedanken über diese Jahreszeit gemacht und diese in Gedichten, Versen sowie kleine Geschichten verarbeitet.

Und das oft sehr poetisch, immer mit reichlich Emotionen gespickt. Vom „Zauber der Schöpfung“ ist im Text von Sybille Grunert die Rede. „Der Frühling“ hat sie ihr Werk genannt. Im Werk von Ingrid Groschke „Frühlingserwachen“ singen die Vögel im Chor, später las sie von der Liebe im Spreewald. Nicht immer aber brauchten die Zuhörer Fantasie, um sich das Gehörte auch vorstellen zu können.

Monika Schubert etwa hatte zu ihrem Frühlingsgedicht „Die Braut“ das passende Bild dabei. Auch Sybille Grunert hat ihre Frühlingsgedanken mit Bildern illustriert. Ingrid Groschke macht das ohnehin in ihren Kinderbüchern. „Einige unserer Autoren sind auch Maler“, erklärt Ilona Noack. „Wir haben schon wunderbare Künstler in unserer Gruppe. Ihre Arbeiten haben allesamt eine hohe Qualität.“

Einige waren im Bauernhof ausgestellt. Aber auch diejenigen Autoren, die nicht malen, sind kreative Köpfe. Ralph Ronneberger ist einer von ihnen. Er schreibt Geschichten, gern auch etwas länger, immer aber mit einem überraschenden Ausgang. Auch diesmal schien in seinem Werk alles auf das übliche Miteinander von Menschen hinauszulaufen, wenn man heimliche Liebelei dazu zählt.

Doch am Ende lag der abgetrennte Kopf der Nebenbuhlerin im Osterpaket. Frühlingsgefühle mal durch die tiefschwarze Brille gesehen. Helga Lehmann mag es gern frivol. Ihre Texte sind mehr eindeutig als zweideutig, immer jedoch mit einem Schuss Humor versehen. Diesmal brachte sie „Die schöne Eva“ ins Spiel. Die Autorin beschrieb gut nachvollziehbar deren Beziehung zu einem der Sauna-Herren bis hin zum Liebesspiel auf dem Bärenfell vor dem Kamin. Frühlingsgefühle in Worte gefasst.

Jeder interpretiert den Frühling anders. Michael Schulze, neu in der Runde, nahm die Zuhörer mit auf eine Liebesreise. In wenigen Worten, kurz und knackig fasste er seine Gedanken zum Frühling zusammen. Kirsten Klengel näherte sich dem Thema ganz anders. Sie hat eine Friedensgeschichte aufgeschrieben und diese vorgetragen. Auslöser sei gewesen, dass ihr Enkel wissen wollte, was denn Frieden ist. Entstanden ist eine lockere, aber auch nachdenkliche Geschichte. Irgendwie passend zur Jahreszeit, die bekanntlich alles neu macht.

Brigitte König gehört zu den Stammteilnehmern der Autorenrunde. Sie schreibt gern eigene Kindheitserinnerungen auf, trägt diese in Mundart vor. Ilona Noack nahm diese Vorlage gern an, schlüpfte in Kleidung einer früheren Hausfrau vom Dorf und erzählte so wie den Leuten früher den Schnabel gewachsen war. Diese etwas andere Präsentation kam an, der Beifall bewies es. Und ganz nebenbei erfuhren die Gäste von ihr noch, was eine Pralinenhochzeit ist – nämlich die Heirat einer Braut mit süßer Füllung.

Die Besucher hörten nicht nur vom Frühling und den Gefühlen, sie sangen auch darüber. Gisela Christl begleitete die Gäste mit dem Akkordeon. Nach 90 Minuten war der äußerst unterhaltsame Nachmittag offiziell beendet. „Sie waren ein liebenswertes Publikum“, lobte Ilona Noack die Zuhörer. „Wer Lust hat, kann gern bei uns mitmachen.“ Der Autorentreff findet jeweils am letzten Mittwoch eines Monats ab 19 Uhr im wendischen Bauernhof in Lübben-Steinkirchen statt.