ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:03 Uhr

Fröhlichen Spinteabend in Groß Leine auf die Bühne gebracht

Groß Leine.. Knapp 200 Gäste haben am Samstagabend das zweite sorbische Konzert im Gasthaus Welke besucht. Harald Konzack, Vorsitzender des Rates für Sorbisch-Wendische Angelegenheiten, begrüßte die Zuhörer an den voll besetzten Tischen auch in sorbischer Sprache. J. Golombek

Er mahnte an, "sich weiter mit den sorbischen Bräuchen zu beschäftigen und sich noch stärker für deren Kultur einzusetzen".
Heiter führte der Cottbuser Bernhard Rentsch durch das Programm des Niedersorbischen Kinderensembles. Er moderierte das Wechselspiel von Tanzvorführungen und Darbietungen des Chores in Wendischen Festtagstrachten. Stürmischen Applaus erntete Insbesondere Solistin Anna Daßler.
Im Anschluss brachte der Niedersorbische Trachtenverein „Spintestübchen Pseza“ aus Sielow Stimmung in den Saal. "Dobry wjacor!" eröffnete die Herrin der Spinte den Reigen aus Schauspiel, Musik und Tanz. Zehn Paare in historischen Arbeitsgewändern zeigten einen fröhlichen Spinteabend. Wie die unverheirateten Mädchen fleißig spannen und Lieder übten, später durch die Burschen gestört wurden war ebenso Thema des gesungenen und gespielten Programms wie die Neckereien und zarten Liebesbande. Der Spaß, den die Hobbydarsteller hatten, übertrug sich sehr schnell auf das Publikum.
"Wir versuchen, soviel Natürlichkeit und Lebensfreude, wie es sie früher gegeben hat, zu vermitteln", erzählte Christa Kretschmer. "Wir wollen die Leute mitziehen, sie sollen Spaß und Freude haben. Dabei war das sorbische Leben meist harte Arbeit." Christa Kretschmer brachte den Mädchen über 50 Lieder für den Jahreslauf bei. "Wir haben in unserer Tanzgruppe, die auch eine große sorbische Hochzeit im Programm hat, sogar etwas Männerüberschuss", sagte sie stolz.
"Man kann sich hier wunderbar in seiner Muttersprache unterhalten, was mir einfach ein Bedürfnis ist", beschrieb der Cottbuser Hans-Peter Pet rick seine Eindrücke des Abends. Er präsentierte eine Auswahl sorbischsprachiger Literatur des Domowina-Verlages aus Bautzen. "Vor 50 Jahren war das Wendische hier in der Gegend noch überall anzutreffen", führte er als Vorsitzender des Domowina-Regionalverbandes aus. „Doch dann begannen die Leute, sich ihrer Sprache zu schämen. Dabei grenzt sie ihre Sprache und Kultur gegen den puren Folklorismus ab.“
"Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt", schwärmte der Groß Leuthener Hans Kübart. "Man müsste noch einmal jünger sein, da ist soviel Schwung dahinter", fügte seine Frau Waltraud mit Blick auf die Volkstänze an, während sich die Jugend aus Groß Leine für den anschließenden Tanz mit den "Spreemücken" in Stimmung brachte.
"Wie ich finde, wieder eine sehr gelungene Veranstaltung", resümierte Ortsbürgermeister Dieter Freihoff. "Es ist durchaus lohnenswert, sich mit dem noch vorhandenen Kulturgut der Region auseinander zu setzen."
Wie Ortsbürgermeister Dieter Freihoff ankündigte, werden im kommenden Jahr weitere sorbische Konzerte stattfinden. Die mit Unterstützung der Sorbischen Stiftung ins Leben gerufenen Veranstaltungen hatten im Jahr 1999 Premiere. (jgk)