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| 17:26 Uhr

Zur Frauenwoche
Für die Vielfalt in der Gesellschaft

Die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lübben stand unter dem Motto: Das Märchen von der „Genderverschwörung“. Angriffe auf die Gleichstellung von rechts. Barbara Stiegler analysierte Denkfiguren, die Geschlechtergerechtigkeit in Frage stellen.
Die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lübben stand unter dem Motto: Das Märchen von der „Genderverschwörung“. Angriffe auf die Gleichstellung von rechts. Barbara Stiegler analysierte Denkfiguren, die Geschlechtergerechtigkeit in Frage stellen. FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Lübben. In Lübben diskutieren Frauen und Männer über Angriffe auf die Gleichstellung.

Mit dem zugegebenermaßen schwierigen Motto „Selber schuld“ ist in diesem Jahr die Brandenburgische Frauenwoche überschrieben. Das könne durchaus nicht nur als Vorwurf verstanden werden, wie Elke Voigt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald, feststellt. „Auch an 100 Jahre Frauenwahlrecht sind wir selber schuld“, sagte sie zur Eröffnung der Veranstaltung „Das Märchen von der ,Genderverschwörung’ - Angriffe auf die Gleichstellung   von rechts“. Vieles sei schon erreicht worden, doch in manchem bemerkt sie auch Rückschritte.

In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung haben der Landkreis Dahme-Spreewald und die Stadt Lübben zur Frauenwoche zu einer Veranstaltung in den Wappensaal eingeladen.  Interessierte Frauen und Männer aus dem Süden Brandenburgs kamen, um sich mit „Gender-Ideologie“ und anderen Begriffen auseinanderzusetzen, mit denen in rechtspopulistischen Diskussionen argumentiert werde, um dagegen zu polemisieren, was mit einem liberalen Verständnis von geschlechtlicher Identitität, sexueller Orientierung oder Gleichstellungspolitik zu tun habe, wie die Veranstalter ankündigten.

Den fachlich-fundierten Rahmen für die Diskussion legte Dr. Barbara Stiegler aus Bonn. Die Psychologin und Pädagogin, die in der Geschlechterforschung tätig war, stellte die Frage, von welchen Bildern jeder geprägt ist, welche Argumente es für Gesprächsrunden gibt. „Nicht nur rechte Parteien greifen die Gleichstellung an, es spielen viele Gruppierungen mit“, stellte sie fest. Dass es gerade jetzt wieder eine Debatte gebe, sei eine Reaktion darauf, dass einiges erreicht worden sei. Vieles werde beim Thema Gleichstellung wieder in Frage gestellt, was schon als etabliert galt. Es sei wieder von spezifischen Geschlechterrollen in der Familie, der Kleinfamilien als Keimzellen der Gesellschaft die Rede.

Um sich im Argumentieren zu üben, gab es eine Diskussion in Gruppen und am Ende ein Resümee. Dabei zeigten sich Erfahrungen, die Frauen insbesondere im mittleren Alter mit unterschiedlicher Sozialisation einbrachten. „Anmachsprüche“ von Männern waren für selbstbewusste, eigenständige Ost-Frauen kein Thema. Sie hatten ihre eigenen Antworten parat. Dass das Macho-Gehabe wieder Aufwind hat, erleben junge Frauen heute dagegen wieder verstärkt. Den Vortrag von Barbara Stiegler fand Astrid Arndt, Kommunikationsberaterin aus Cottbus, interessant. „Was ist traditionelles Denken, was ist Erziehung in der Familie, was sagt die Forschung - das war eine andere Sicht auf das Thema“, stellte sie fest. Auch das Ausprobieren in der Runde sei wichtig gewesen. Ähnliche Anregungen nimmt Marlis Rhinow, Stil- und Etikette-Beraterin aus Cottbus, mit in ihre berufliche Tätigkeit. Bernd Setny aus der Gemeinde Am Mellensee nutzt immer wieder Veranstaltungen der Friedrich-Ebert-Stiftung, um sich über gesellschaftliche Themen zu informieren. „Frauen gehören in Führungspositionen, sie agieren anders, sind kreativer“, so seine Erfahrung aus Politik und Wirtschaft. Deshalb setze er sich für eine Frauenquote ein - und für eine gerechtere Gesellschaft.

Dass das Thema „Gender-Verschwörung“ in der Region bisher nicht als Schwerpunkt wahrgenommen wird, hatte Bürgermeister Lars Kolan (SPD) in seiner Begrüßung festgestellt. Und dass die Geschichte ein Wechselspiel der Machtverhältnisse ist, belegte Corinna Junker, amtierende Museumsleiterin, bei ihrem erfrischenden Vortrag zur Geschichte des Hauses, in dem die Veranstaltung stattfand.