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Förderverein will liberalen Nationalpark

In diesem Jahr will der Förderverein Nationalpark Lieberoser Heide noch mehr Anwohner des rund 27 000 Hektar großen Wald- und Offenlandgebietes für seine Idee begeistern. Das beträfe vor allem die angrenzenden Gemeinden im Spree-Neiße-Kreis. Für erste Projekte sei bereits Geld in kommunale Haushalte eingestellt worden, erklärte Vereinsvorsitzender Christian Hähnlein im RUNDSCHAU-Interview. Außerdem setze der Verein Hoffnungen in ein neues Förderprogramm.


Wird der Nationalpark Lieberoser Heide im Jahr 2007 realistischer„
Ich denke schon, wenn sich die Region einig ist. Immerhin hat sich der Landkreis Dahme-Spreewald bereits positiv zu unserem Ansinnen positioniert. Im Spree-Neiße-Kreis hingegen muss die Nationalpark-Diskussion von der Gemeinde- in die Kreistagsebene getragen werden. Meines Wissens wird es Ende März ein Gespräch zwischen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg (NLB) sowie den Landräten Martin Wille und Dieter Friese geben.

Wie will der Förderverein seine Öffentlichkeitsarbeit verstärken“
Wir werden an der Basis weiter Aufbauarbeit betreiben. Immer wieder rufen mich Einwohner aus dem Spree-Neiße-Kreis an, die weiterführende Informationen zum Nationalpark möchten. Wenn uns die Gemeindevertreter zu Gesprächen einladen würden, kämen wir gern. Außerdem wäre ein „Lieberoser Heide-Tag“ denkbar.

Warum befürworten Sie einen „liberalen“ Nationalpark, wo auch wirtschaftliche Nutzung möglich ist und keinen „strengen“ , bei dem der Mensch außen vor bleibt„
Das ist in der Tat die Kernfrage. Ich denke, dass die Handlungsfreiheit für den Menschen trotz des Schutzstatus erhalten bleiben sollte. Schließlich ist es von Vorteil, bestimmte Prozesse steuern zu können. Ein Beispiel wäre unser Wisentprojekt.

Wird es Wildpferde und Wisente in der Lieberoser Heide geben“
Für unser Entwicklungs- und Erprobungsprojekt (E&E) haben wir die Bedingungen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) als potenziellem Fördermittelgeber erfüllt. So stünden im Spree-Neiße-Kreis westlich der B 168 auf der früheren Schießbahn 200 Hektar Landesfläche im Totalreservat zur Verfügung. Hinzu kämen 99 Hektar von der NLB, direkt angrenzend im Landkreis Dahme-Spreewald. Von beiden Seiten haben wir bezüglich der Flächen schriftliche Zusagen. Unser Antrag wird derzeit beim BfN in Bonn geprüft.

Welche Rolle spielt dabei die Munitionsbelastung„
Natürlich gibt es auf den Flächen noch immer Munition. Daher wird ein unabhängiges Gremium benötigt, das in einer Vorstudie feststellt, wo sich welche Munition befindet. Die eigentliche Beprobung könnte auch über beräumte Korridore oder über Luftbilder stattfinden.

Wann können die Tiere im beabsichtigten Schaugatter beobachtet werden“
Ich bin zunächst sehr erfreut, wie sehr die Anliegergemeinden das E&E-Projekt samt Schaugatter wollen. Insgesamt haben Spreewaldheide, Byhleguhre-Byhlen, Schwielochsee und Drachhausen in diesem Jahr 10 000 Euro, ein Prozent der Gesamtkosten, in ihre Haushalte eingestellt. Der Förderverein will über das neue Leader-Spreewald-Plus-Förderprogramm einen Antrag für das Schaugatter unweit des Byhlener Sees stellen. Ich kann mir vorstellen, dass es zunächst 30, später bis 80 Hektar umfassen wird. Es soll darin auch ein Öffentlichkeitsbüro geben. Demnächst ist dazu ein Vororttermin mit der Oberförsterei Lieberose und dem Flächeneigentümer geplant.

Wie könnte die Bewirtschaftung des Schaugatters funktionieren?
Es ist noch zu klären, ob der Förderverein oder die Anliegergemeinden die Bewirtschaftung übernehmen. Es wäre schön, wenn auch die Drachhausener trotz der etwas größeren Distanz im Boot blieben. Wichtig ist, dass das Schaugatter später im zukünftigen Nationalpark aufgehen wird.
Mit CHRISTIAN HÄHNLEIN sprach Torsten Richter.

Zum Thema Zwei Heiden möglich
 Nach Vorstellungen des Fördervereins könnte auch die im Nordosten an die Lieberoser Heide unmittelbar anschließende Reicherskreuzer Heide in den geplanten Nationalpark integriert werden. Als Hauptargument werden zahlreiche geografische, biologische und historische Gemeinsamkeiten genannt. Die Reicherskreuzer Heide diente von 1956 bis 1991 ebenfalls als Schießplatz für die sowjetischen Streitkräfte.