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| 02:59 Uhr

Flutwelle kommt auch auf Lübben zu

Die Lübbener Feuerwehr packte die Jugendherberge vorsorglich mit Sandsäcken ein, um sie vor dem Hochwasser zu schützen.Foto:
Die Lübbener Feuerwehr packte die Jugendherberge vorsorglich mit Sandsäcken ein, um sie vor dem Hochwasser zu schützen.Foto: FOTO: A. Staindl/asd
Lübben. Die Hochwasserwarnstufe A3 wird für Lübben seit dem gestrigen Dienstag nicht mehr ausgeschlossen. Das würde bedeuten: Ständige Kontrolle der Deiche und möglicherweise auch deren Sicherung. Grund ist der dramatisch erhöhte Abfluss aus der Talsperre Spremberg. Ingvil Schirling und Andreas Staindl

45 Feuerwehrleute aller Lübbener Wehren waren am gestrigen Dienstag ab spätem Nachmittag bereits im Einsatz. Sie füllten Sandsäcke und schützten damit vorsorglich die Jugendherberge in Steinkirchen. Eine "präventive Maßnahme", erklärte Lübbens zuständiger Fachbereichsleiter Christoph Bartoszek. "Ob der Schutzwall tatsächlich nötig wird, hängt von vielen Faktoren ab, etwa Regen oder dem Verlauf des Wassers aus der Talsperre."

Der Abfluss aus dem Wasserbauwerk in Spremberg hatte sich da schon um das Doppelte erhöht - von 36 Kubikmeter pro Sekunde auf 75 - vorerst. Heute soll entschieden werden, ob er ab auf mehr als 90 Kubikmeter gesteigert wird - alles, um die fast randvolle Talsperre zu entlasten. Weiter südlich, in Bautzen, läuft das dortige Wasserbauwerk bereits über, wenn auch kontrolliert. Die Wassermassen wälzen sich in Richtung Cottbus, wo die Warnstufe 3 ausgerufen wurde - mit der Option, auf vier zu erhöhen.

Wie Wolfgang Genehr, Abteilungsleiter Süd des Landesumweltamtes, bestätigt, soll der Großteil des Wassers aus Richtung Cottbus an der Überlaufschwelle am Wehr Eichenwäldchen nahe Straupitz in den Hochwald laufen. Die dortige Stauabsenkung Nord ist dafür vorgesehen und wird nun das vierte Jahr in Folge mit Hochwasser gefüllt.

Übereinstimmend berichten Genehr, Landrat Stephan Loge (SPD) und Kerstin Chilla vom Amt Lieberose/Oberspreewald, dass der Nordumfluter derzeit mit Hochwasser kaum belastet werden kann. Denn dort läuft die seit Jahren geplante und sehnlich erwartete Deichsanierung. Auf einer Länge von rund 1000 Metern wird gebaut, teilweise ist bereits Erdreich abgetragen worden, der Deich sehr durchgeweicht, informiert Loge. Mehr als 20 Kubikmeter Wasser soll der Nordumfluter nicht bekommen.

Was Loge die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist die Frage, wie und wann das Wasser aus dem Hochwald und über die Hauptspree in Lübben ankommt. Er erwartet, dass die Fluten schlimmer werden als das Jahrhundert-Hochwasser von 2010. Die Führungsspitze des Landkreises fährt in diesen Tagen zu einer Katastrophenschutzübung nach Ahrweiler südlich von Bonn. Landrat Loge hat angesichts der angespannten Lage im Spreewald seine Teilnahme abgesagt.

Unterdessen ist das Lübbener THW bereits voll im Einsatz. Zunächst half die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen im sächsischen Grimma. THW-Informationen zufolge wurden einige bereits im Laufe des Tages abgezogen, um in Cottbus bei der Sicherung mit Sandsäcken zu helfen.

Zum Thema:
Der Landkreis Dahme-Spreewald warnt aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeiten dringend vor Paddelboot- und Kahnfahrten. Besonders an Wehranlagen und anderen Engpässen würden hohe Strömungsgeschwindigkeiten auftreten. Manchmal sei das eigentliche Gewässerbett nicht mehr erkennbar. Auch die Wasserspiegel von Neuendorfer und Schwielochsee steigen, warnt der Landkreis Campingplätze und ufernahe Nutzungen.