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Fischadler stoppt Privatflieger in Groß Leuthen

Müssen sich weiter gedulden: Ralph Seefeld (li.) und Elmar Kleinert (re.) dürfen vorerst nicht auf ihrer Wiese in Groß Leuthen starten und landen. Der Probebetrieb am Sonntag war eine Ausnahme.
Müssen sich weiter gedulden: Ralph Seefeld (li.) und Elmar Kleinert (re.) dürfen vorerst nicht auf ihrer Wiese in Groß Leuthen starten und landen. Der Probebetrieb am Sonntag war eine Ausnahme. FOTO: Andreas Staindl
Groß Leuthen. In Groß Leuthen (Märkische Heide) werden so schnell keine Kleinflugzeuge starten und landen. Der Probetrieb für die geplante Graspiste ist zeitlich beschränkt worden - weil ein Fischadler in der Nähe seinen Horst hat. Andreas Staindl

In Groß Leuthen (Märkische Heide) werden so schnell keine Kleinflugzeuge starten und landen. Die Bürgermeisterin Annett Lehmann (Pro Märkische Heide) hat den Beschluss zur Stellungnahme zum Vorhaben während der Gemeindevertretersitzung am Montagabend zurückgezogen: "Wir wurden heute Mittag vom neuen Sachstand überrascht." Die Verwaltung konnte und wollte die Beratung jedoch nicht mehr absagen. Die Sitzung war wegen des großen Interesses in das Gasthaus "Beinio" verlegt worden. Etwa 100 Bürger wollten wissen, ob sich die Gemeindevertretung für oder gegen die geplante Start-und Landebahn entscheidet (die RUNDSCHAU berichtete). Die Entscheidung ist verschoben.

Auslöser ist, dass im Bereich der Buckelpiste am Ortsrand in Groß Leuthen ein Fischadler-Horst ansässig sein soll wie die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Magoltz erklärt. Das Landesumweltamt Brandenburg habe von Bürgern einen entsprechenden Hinweis erhalten, daraufhin seine Stellungnahme zum Vorhaben geändert und die Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg informiert. Die Genehmigungsbehörde habe dann verfügt, dass Testflüge nur noch bis zum 15.März dieses Jahres möglich sind. Die beiden Hobby-Flieger Ralph Seefeld und Elmar Kleinert hatten einen Testflugbetrieb für maximal zwei Jahre beantragt.

Die neuen Erkenntnisse bremsen die Beiden nun aus. Ihr Vorhaben muss nun durch ein zweites Verfahren. Ziel ist es, die Genehmigung für den privaten Start-und Landeplatz langfristig zu bekommen. Dieses Verfahren ist sehr aufwändig wie die Bürgermeisterin sagt. Sie rechnet mit mindestens einem Jahr. Alle Träger öffentlicher Belange würden beteiligt, die Bürger informiert: "Wir kehren nichts unter den Tisch." Auch das Landesumweltamt sitzt wieder mit im Boot. Die Vertagung der Entscheidung ist ein Etappensieg für die Gegner des Projekts. "Ich bin absolut gegen die Flugpiste", sagt Reinhard Schulz aus Bückchen. "Ein Flugplatz lockt keine Touristen. Zudem bin ich als Jagdpächter mit meinem Revier in direkt Nachbarschaft betroffen." Für ihn ist "nicht der Lärm das Problem, sondern der Eingriff in die Natur". Er hofft, dass das neue Verfahren "das Vorhaben der beiden Herren stoppt". Schulz nimmt Kleinert zudem dessen versicherte Ehrlichkeit "nicht ab".

Elmar Kleinert, Flughafenchef in Tegel und Berlin, hatte zuvor erklärt, dass nur er und Ralph Seefeld in Groß Leuthen starten und landen sollen, das Vorhaben ein reines Hobby ist, es nur um private Nutzung geht: "Die gewerbliche Fliegerei ist nicht unser Interesse." Er wolle auch nicht zu Arbeit fliegen-wie Medien spekuliert hätten: "Das ist eine irrsinnige Idee." Wie Kleinert weiter erklärt, würde mit dem Projekt nicht in die Natur eingegriffen, im Gegenteil: "Die Agrarfläche wird sich selbst überlassen. Flora und Fauna können sich besser entwickeln, als wenn die Ackerfläche bewirtschaftet würde." Thomas Jacob aus Glietz appellierte dennoch an die Gemeindevertreter, dem Vorhaben nicht zuzustimmen: "Es gibt genügend Flugplätze im Land Brandenburg." Er verlas zudem ein Schreiben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der sich ebenfalls gegen die Flug-und Landebahn in Nachbarschaft mit dem Landschaftsschutzgebiet und dem Naturschutzgebiet ausgesprochen hat. Alexander Weber hat noch ein ganz anderes Problem. "Die geplante Start-und Landebahn liegt direkt neben unserem Campingplatz und wird uns stark schaden." Der Geschäftsführer befürchtet auch "Konsequenzen für den Ort", wenn Touristen ausbleiben, weil sie vom Flugsymbol auf Karten abgeschreckt würden. "Ich gönne den beiden Herren das Fliegen, aber nicht neben unserem Platz", sagt Alexander Weber. Für ihn ist die Entscheidung pro oder contra Buckelpiste auch eine Entscheidung "für oder gegen den Campingplatz". Die Stimmung im Saal war geteilt. Es gab "Buh-Rufe" für alle Redner. Die beiden Hobby-Piloten sind offenbar auch privat Anfeindungen ausgesetzt. Elmar Kleinert etwa berichtet, dass sein Sohn von einer Jagdpächterin als "Reichenschnösel" beschimpft worden sei. Und dass sie - die beiden Antragsteller - sich eine "schwache Gemeinde" für ihr Vorhaben ausgesucht hätten. Für ihn nimmt die Diskussion "eigenartige Kurven. Aber wir haben uns auf Widerstand eingestellt."