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| 19:00 Uhr

Lübben
Dickes Lob für die Feuerwehren

Bernd Wrege (r.) hat das Brandenburger Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold erhalten. Edmund Krüger (l.) und Dieter Heinze (Mitte) haben es ihm überreicht.
Bernd Wrege (r.) hat das Brandenburger Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold erhalten. Edmund Krüger (l.) und Dieter Heinze (Mitte) haben es ihm überreicht. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Versammlung aller Wehren in Lübben nachgeholt. Bernd Wrege erhält Ehrenkreuz in Gold. Von Andreas Staindl

Auf die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Lübben ist Verlass. „Wir vertrauen ihnen“, hat Lübbens stellvertretender Bürgermeister Frank Neumann (parteilos) während der Jahresversammlung der Wehren der Kreisstadt am Freitagabend versichert. „Die Einsatzkräfte verfügen über ein hohes Fachwissen, halten auch besonderen psychischen Belastungen stand. Dafür kann man ihnen gar nicht genug danken.“

Er sicherte den Kameradinnen und Kameraden zu, „dass die Stadt auch weiterhin die Voraussetzung schaffen wird, damit die Ortswehren bestmöglich vorbereitet sind.“

322 Einsätze stehen in der Statistik des vergangenen Jahrs. Am meisten mussten die Einsatzkräfte zur technischen Hilfeleistung ausrücken. 230-mal war das der Fall. „Unsere sechs Ortswehren konnten alle an sie gestellten Aufgaben erfüllen“, sagte der Stadtbrandmeister Bernd Wrege. „Wir sind allerdings manchmal an die Grenzen unserer physischen und psychischen Belastbarkeit gekommen.“

Der Kampf um Menschenleben ist besonderes belastend. 23 Menschen konnten gerettet, drei leider nur noch tot geborgen werden.

Auch das Unwetter forderte die Einsatzkräfte im vergangenen Jahr. Sie mussten allein während des Sturms „Xavier“ 59-mal ausrücken. Einen ungewöhnlichen Einsatz gab es im Juli 2017. Der Löschzug Lübben/Stadt und die Ortswehr in Steinkirchen hatten mit zahlreichen anderen Wehren des Landkreises Dahme-Spreewald geholfen, Kohlenstaub von der Autobahn A13 zu spülen, den ein Lkw während eines Unfalls dort verloren hatte.

Die Aufgaben der Feuerwehr werden immer komplexer und anspruchsvoller, die Personaldecke jedoch wird dünner. „Wir sind personell an unsere Grenzen gestoßen und müssen uns Gedanken machen, wie wir die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr weiter gewährleisten“, sagt Bernd Wrege. „Eine technische Hilfeleistung können wir noch bewältigen. Kommt es aber zu einem Feuer, bei dem eine große Anzahl Atemschutzträger benötigt wird, stehen wir vor fast unlösbaren Problemen, wenn das Ereignis während der Arbeitszeit stattfindet. Wir wären bei der Brandbekämpfung auf benachbarte Wehren angewiesen, doch deren Personalsituation sieht oft nicht besser aus.“

Die Stadtverwaltung hat das Problem erkannt und inzwischen sechs Feuerwehrleute beschäftigt. „Sie stehen für die Tageseinsatzbereitschaft zur Verfügung“, sagts die zuständige Fachbereichsleiterin Petra Streiber. „Zudem ist der Bürgermeister in Gesprächen mit Unternehmen unserer Stadt.“

Die Feuerwehr soll außerdem von bestimmten Einsätzen befreit werden. Ölspuren beseitige jetzt der Baubetriebshof, wie Petra Streiber sagts. Sie ist, obwohl erst ein paar Monate im Amt, „sehr beeindruckt vom Engagement der Kameradinnen und Kameraden. Sie leisten ehrenamtlich sehr viel. Ihr professioneller Einsatz nach der Explosion kürzlich im Spreewerk hat mich begeistert. Ich habe dort eine sehr konstruktive Zusammenarbeit erlebt.“

Die Aus-und Weiterbildung ist die Grundlage einer erfolgreich agierenden Feuerwehr“, sagte der Stadtbrandmeister. „Unsere Wehren nutzen die zahlreichen Möglichkeiten.“ Bernd Wrege zog am Freitag zum letzten Mal Bilanz. Ende Juni endet seine ehrenamtliche Amtszeit als Stadtbrandmeister; er kandidiert nicht mehr. Seit 29 Jahren steht der 60-Jährige an der Spitze der Feuerwehren in der Stadt Lübben und schätzt ein: „Die Arbeit ist ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen. Wir bemühen uns deshalb seit Jahren um die Stelle eines hauptamtlichen Stadtbrandmeisters.“

Die Verwaltung hat eine andere Lösung gefunden. Sie plant die Stelle eines hauptamtlichen Sachbearbeiters Brandschutz ein, wie Petra Streiber sagte: „Er oder sie soll den Stadtbrandmeister unterstützen.“ Einen Bewerber für das Ehrenamt gibt es ihr zufolge noch nicht: „Es könnte auch eine Frau sein.“ Ziel sei es, den neuen Stadtbrandmeister im Juni dieses Jahrs zu berufen.

„Wir bleiben mit den Wehren im Gespräch und kommen unserer Verantwortung nach“, versprach der Stadtverordnetenvorsitzende Peter Rogalla (Die Linke). Bernd Wrege sicherte seinem Nachfolger zu, „ihn bestens in die Aufgaben einzuarbeiten und ihm für einen gewissen Zeitraum mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“.

Er selbst wurde während der Jahresversammlung überrascht. Dieter Heinze, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Dahme-Spreewald, und Edmund Krüger, Leiter des Brand- und Katastrophenschutzzentrums des Kreises, überreichten dem Stadtbrandmeister das Feuerwehr-Ehrenkreuz des Landes Brandenburg in Gold. Diese Auszeichnung wird ihnen zufolge nur für „ganz besondere Verdienste“ verliehen. Bernd Wrege sei landesweit erst der Dritte, der diese Würdigung erhalten hat.