Von Andreas Staindl

Wenn ein Unglück passiert, Menschenleben oder Gebäude in Gefahr sind, ist schnelles und sicheres Handeln der Einsatzkräfte gefragt. Damit das auch klappt, müssen Handgriffe und Abläufe regelmäßig geübt werden. Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Lübben führt einmal pro Jahr eine Ganztagsübung mit allen Ortswehren der Kreisstadt durch.

Der diesjährige Ausbildungstag fand am Samstag statt. Vormittag wurde an verschiedenen Stationen geübt, am Nachmittag das Gelernte während einer Einsatzübung umgesetzt. „Die Ganztagsübungen sind wichtig, um die Kameradinnen und Kameraden aller Ortsfeuerwehren für den Ernstfall fit zu machen“, sagt Stadtwehrführer Oliver Nopper. „Ziel ist es, auch kleinere Ortswehren so vorzubereiten, dass sie geeignete Maßnahmen einleiten können, wenn sie als Erste am Einsatzort sind.“ Klar, der Löschzug Lübben-Stadt hat die meisten Einsätze, die Kameradinnen und Kameraden verfügen über viel Erfahrung. „Wir brauchen aber auch gut ausgebildete Leute in unseren Stadt- und Ortsteilen“, sagt Oliver Nopper. „Nur so können wir die personelle Einsatzbereitschaft und bestmögliche Hilfe gewährleisten.“

Während des Ausbildungstags am Samstag wurde auch das Zusammenspiel von Einsatzkräften aus verschiedenen Bereichen geübt. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Rettungsdienst waren dabei – insgesamt 70 Leute. „Wir agieren auf Augenhöhe, lernen voneinander“, sagt der Stadtwehrführer. „Einsätze sind ohnehin oft sehr komplex. Einer muss sich auf den anderen verlassen können. Gemeinsame Übungen helfen, die Herausforderungen im Ernstfall zu meistern.“ Wie rettet man verletzte Personen aus großen Höhen? Was ist bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden zu beachten? Welches Einsatzmittel ist bei Rauch im Gebäude das Richtige? Und wie schafft man es, auch schwere Fahrzeuge selbst auf schwierigem Untergrund zu bergen? Kameraden der verschiedenen Ortswehren haben an den einzelnen Stationen ihr Wissen an die anderen Feuerwehrleute und Retter weitergegeben.

Ingo Pietsch leitete eine der Stationen. Der ehrenamtliche Feuerwehrmann ist hauptberuflich Rettungssanitäter und kennt bestens die Anforderungen beider Bereiche. „Gemeinsames Üben ist sehr wichtig“, sagt er. „Je mehr alle wissen, was der andere kann und über welche Technik und Hilfsmittel er verfügt, umso besser ist es im Ernstfall.“ Für seine Notfallsanitäter in Ausbildung war der Ausbildungstag am Samstag zudem „eine sehr praxisnahe Schulung“.

Edmond Krüger von der Stadtwehrführung hatte den Übungstag inhaltlich geplant. Die Einsatzübung am Nachmittag gehörte dazu. Diese fand im Stadtzentrum statt. Das Szenario: Es brennt im ersten Obergeschoss des Rathauses. Personen müssen tragbare Leitern gerettet werden. Mitglieder der Jugendfeuerwehr stellten sich als zu Rettende zur Verfügung. „Wir haben diese Übung bewusst im Zentrum durchgeführt, um möglichst viel Öffentlichkeit auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen“, sagt Oliver Nopper.

Dass diese Arbeit ehrenamtlich geleistet wird, Feuerwehrleute immer da sind, wenn sie gebraucht werden, sei noch längst nicht jedem Bürger bewusst, so Petra Streiber. Die zuständige Fachbereichsleiterin in der Lübbener Stadtverwaltung hat „höchsten Respekt vor den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr. Sie sichern nicht nur den Brandschutz, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt der Gemeinschaft.“ Die Fachbereichsleiterin selbst ist sehr an Feuerwehrtechnik und Abläufen interessiert, ließ sich am Samstag viel zeigen und erklären: „Das praktische Wissen hilft mir bei meiner Arbeit.“

Die Ganztagsübung fand jetzt zum zweiten Mal am in Lubolz statt. „Wir sind sehr froh, hier sein zu dürfen“, sagt der Stadtwehrführer. „Die Ortsfeuerwehr um den Wehrführer Maik Köllnik ist sehr engagiert. Auch andere Ortswehren entwickeln sich sehr positiv. In Neuendorf etwa gibt es einen zahlenmäßig starken Nachwuchsbereich.“ Für Oliver Nopper habe die Ganztagsübung am Samstag gezeigt, wo es noch Bedarf gebe für Verbesserungen. „Aber ich denke, dass wir insgesamt gut aufgestellt sind“, so der Stadtwehrführer.