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| 15:56 Uhr

Lübben
Parkinsongruppe feiert furios

Laut, rhythmisch und farbenfroh war der Auftakt zur Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Parkinson-Selbsthilfegruppe in Lübben. Im großen Beratungsraum des Asklepios-Fachklinikums hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden.
Laut, rhythmisch und farbenfroh war der Auftakt zur Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Parkinson-Selbsthilfegruppe in Lübben. Im großen Beratungsraum des Asklepios-Fachklinikums hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen mit neuen Erkenntnissen, persönlichen Worten, zahlreichen Gästen und viel Schwung. Von Ingvil Schirling

Herzliche Stimmung, ganz viel Humor und ein selbstbewusster Umgang mit sichtbaren Einschränkungen – die Festveranstaltung der Regionalen Parkinson-Selbsthilfegruppe Lübben und Umgebung war beispielgebend auch für Menschen, die nicht an der Erkrankung leiden. Am Mittwoch feierte sie ihr 20-jähriges Bestehen im großen Konferenzraum des Asklepios-Fachklinikums in Lübben.

Bis auf den letzten Platz besetzt waren die Reihen mit Gästen, von denen viele auch aus anderen, befreundeten Selbsthilfegruppen kamen. Vernetzung war ein großes Thema, das auch in Hinsicht auf die Digitalisierung zur Sprache kam.

Zunächst aber erlebten die Gäste, viele davon Betroffene mit Angehörigen, einen furiosen Auftakt mit der „Drums Alive Gruppe“ der Regionalgruppe Ludwigsfelde. Mit ihren zitronengelben T-Shirts und der Lautstärke zogen sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Landrat Stephan Loge (SPD) hob in seiner Begrüßung die Bedeutung von Selbsthilfegruppen wie dieser hervor: „Die Mitglieder wollen ihr Schicksal in eigene Hände nehmen, wo medizinische Betreuung alleine nicht ausreicht. Hier helfen sich Menschen untereinander, indem sie sich zuhören, einander verstehen und Erfahrungen weitergeben. Ihr Anliegen ist es, gemeinsam das Leben zu meistern.“ Das Signal, das davon ausgehe, laute: „Du bist nicht allein.“ Somit „leisten Selbsthilfegruppen einen unschätzbaren Beitrag zu unserem Gemeinwesen“.

Auf die „sehr aktive Landschaft der Selbsthilfegruppen im Landkreis Dahme-Spreewald“ wies Kreistagsvorsitzender Martin Wille (SPD) hin. „Ich bewundere die Leute, die den Mut haben, über die Schwelle zu gehen und sich anderen anzuvertrauen“, sagte er offen.

Wie viel Kraft dazu tatsächlich gehört, insbesondere bei einer Krankheit wie Morbus Parkinson, die den sichtbaren Kontrollverlust über Bewegungen in sich trägt, machte der Beitrag von Dr. Hans-Dieter Piehl deutlich. Er leitet derzeit die regionale Selbsthilfegruppe für den Bereich Lübben und ist selbst erkrankt. „Es ist leider so, dass bei einer Krankheit, die so äußerlich wahrgenommen wird, hohe psychologische Hürden überwunden werden müssen“, sagte er. „Das erste Mal mit dem Stock durch die Stadt gehen, das erste Mal mit dem Rollator, das erste Mal im Rollstuhl! Irgendwann traut man sich und dann nimmt man dankend zur Kenntnis, wenn holprige Straßenübergänge geebnet worden sind.“ Damit verband Piehl ein Dankeschön an die Stadt Lübben für solche Maßnahmen und appellierte daran, sie auch zu nutzen. Die große Aufmerksamkeit, die die Parkinson-Gruppe mit ihrem Jubiläum und der Festveranstaltung erzeugen wollte, solle auch dazu dienen, „Betroffene aus ihrem Schneckenhaus herauszulocken und von unseren Angeboten zu überzeugen.“

Da sehr viele Informationen und Kontakte auch auf dem Feld der Parkinson-Forschung und -Information über das Internet laufen, forderte Piehl einen Ausbau der digitalen Kommunikation – bei den Mitgliedern selbst, aber auch in der Infrastruktur. Wie viel inzwischen auch abseits der Behandlung mit Medikamenten möglich ist, um die Bewegungsfähigkeit, das Selbstbewusstsein und die Teilhabe der Betroffenen zu verbessern, wurde in den medizinischen Fachvorträgen deutlich.