Alle haben im engen oder weiteren Sinn etwas mit der Thematik Wasser zu tun und geben einen Einblick in die vielfältige Nutzung des nassen Elements. Heute: Pintschens-Quell in Byhlen.

Jährlich bis zu 300 Besucher
Wasser, das so rein ist, dass man es in einem Behälter ein Jahr stehen lassen kann, ohne dass es schlecht wird - dies sei in der Byhlener Dorfchronik im Jahre 1927 über das Wasser vom Pintschens-Quell geschrieben worden, berichtet Revierförster Romeo Buder. Nahe seines Wohnhauses in Byhlen befindet sich die Quelle, die im Jahr 200 bis 300 Besucher anziehe.
Ob das mit dem Jahr Haltbarkeit stimme, wisse er nicht, so Romeo Buder. „Aber einen Monat kann man das leicht trübe und erdig riechende Wasser stehen lassen, und es ist dann immer noch trinkbar.“ Zurückzuführen sei dies auf den Mangel an Mineralien und anderen Stoffen im Wasser der Quelle. „Da ist fast nichts drin und der ph-Wert beträgt 5,63“ , erzählt der ehemalige Bürgermeister.
Als Revierförster bietet Romeo Buder regelmäßig fachliche und geschichtliche Führungen durch das Wald- und Wiesengebiet rund um Byhlen an. Dafür hat er ein reiches Wissen über die Region und ihre Besonderheiten erworben. Warum es im Bereich rund um den Byhlener See viele Quellen gibt, erklärt er mit der geologischen Entstehung der Landschaft. „Wir befinden uns hier im Gebiet der Lieberoser Endmoräne mit Anschluss zum Spreetal.“ Das Gelände sei sehr hügelig, und im Boden gebe es viel Lehm, Ton und Sandablagerungen. Manchmal, so Buder, könne bei dieser Bodenbeschaffenheit das Wasser nicht unterirdisch abfließen und trete als Quelle zu Tage.

Alle zehn Meter eine Quelle
Rund um den See gebe es alle zehn Meter eine Quelle. „Da sie nicht zufrieren, besteht im Winter Gefahr. Dann sollte man die Haltbarkeit des Eises nicht überschätzen.“ Auch Pintschens-Quell, idyllisch im Wald gelegen, würde im Winter nicht zufrieren. „Das Wasser kommt aus einer sehr großen Tiefe und hat immer eine Temperatur von sechs bis acht Grad.“ Auch die Durchflussmenge von vier Litern in der Sekunde sei stets gleich.

Ein kleines Rinnsal
Diese Menge lässt sich kaum vermuten, blickt man auf das kleine Rinnsal, das sich plätschernd seinen Weg aus dem mit Holzbohlen eingefassten Überlaufbecken bahnt. Wie die Weinberg-Quelle entspringt auch Pintschens-Quell nicht aus einem kleinen Punkt im Boden. „Das Wasser tritt auf einer Fläche von 20 Quadratmetern hervor“ , sagt Romeo Buder. Drumherum sind ein hölzernes Auffangbecken mit einem Dach darüber zum Schutz des Wasser vor Laub und anderem Schmutz gebaut. „Als ich vor 25 Jahren hierher zog, war das alte Holzhaus rund um die Quelle eingestürzt“ , erinnert sich Buder. Mit einem Bagger habe er alles wieder freigeräumt. „Meine Oma erzählte mir, wie es hier früher aussah. Nach dieser Beschreibung habe ich dann wieder eine kleine Schutzhütte errichtet.“
Noch etwas fand Romeo Buder bei seinen Aufräumarbeiten an der Quelle - Reste einer alten Holzleitung. „Vor 1900 wurde das Wasser vom Pintschens-Quell und auch von der Weinberg-Quelle durch diese Leitung etwa fünf Kilometer weit bis zum Straupitzer Schloss geleitet“ , sagt Romeo Buder. „Das Oberflächenwasser hatte meist eine schlechte Qualität, also machten sich die Schlossbewohner Gedanken, wie sie an frisches und sauberes Wasser kämen.“
Als „hohe Ingenieurleistung“ ohne technische Hilfsmittel bezeichnet der Revierförster den Bau der Wasserleitung. „Das Gefälle, welches zwischen Byhlen und Straupitz nur 25 Meter beträgt, und der Druck der Quelle sowie der Durchmesser der Leitung wurden so berechnet, dass man keine Pumpen brauchte und trotzdem fließendes Wasser im Schloss hatte.“ Ein im Schloss angestellter „Rohrmeister“ habe sich einst um die Leitung gekümmert.
Die Wasserleitung bestünde aus drei bis vier Meter langen, durchbohrten Kiefernholzstämmen. „Diese wurden ineinander geschoben. Durch das Wasser quoll das Holz auf und dichtete sich so natürlich ab.“
Neben der Schlossversorgung sei das Wasser des Pintschens-Quells wegen seiner Reinheit früher auch für den Brauch des Osterwasser-Gießens genutzt worden, berichtet Buder von seinen Recherchen. Es gehe das Gerücht, dass auch mal eine Brauerei in Straupitz mit dem Wasser versorgt worden sein soll. „Aber dafür gibt es keine Belege.“ Auch alte Fischteiche, die sich früher auf dem Gelände der Wiesen nahe des Hauses von Romeo Buder befunden hätten, sollen mit dem Quell-Wasser versorgt worden sein.

Wasser fließt bis nach Berlin
Noch heute holten sich manche Leute aus der Umgebung Wasser aus der Quelle, weiß der Förster. „Zum Kaffee kochen soll es wohl sehr gut sein.“ Und auch die meisten Touristen, die sich übers Jahr an der Quelle einfänden, so Buder, führen nicht ab, ohne vorher „einen Schluck zu nehmen“ .
Das „restliche Wasser“ fließe über kleine Rinnsale und Gräben in den Byhlener See, sagte der Revierförster. „Von dort fließt es in den Schwielochsee und irgendwann ist es in Berlin. Also versorgen wir quasi die Hauptstadt mit Wasser“ , fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.