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Aus dem Gericht
Faustschläge, Tritte und Drohungen

Das Amtsgericht in Lübben. Hier sind am Mittwoch zwei junge Männer zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden.
Das Amtsgericht in Lübben. Hier sind am Mittwoch zwei junge Männer zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. FOTO: Rüdiger Hofmann
Straupitz. Zwei junge Männer gehen in Straupitz ohne erkennbaren Grund auf einen 47-Jährigen los. Von Rüdiger Hofmann

Zu acht Monaten auf Bewährung und jeweils 500 Euro Strafzahlung an gemeinnützige Einrichtungen sind am Mittwoch zwei junge Männer vor dem Amtsgericht Lübben verurteilt worden. Richterin Katrin Ehlers sah es als erwiesen an, dass ein 24-jähriger Angeklagter aus Lübben und ein 28-Jähriger aus der Gemeinde Schwielochsee bereits vor gut drei Jahren einen 47-Jährigen in Straupitz (Dahme-Spreewald) im Eingangsbereich eines Mehrfamilienhauses ohne Motiv mit Faustschlägen ins Gesicht und Tritten in den Rücken angegriffen und verletzt haben.

Die verurteilten Männer sollen zunächst im Dezember 2014 bei dem 47-Jährigen in Straupitz geklingelt haben. Da dieser Besuch erwartete und die Sprechanlage nicht funktionierte, verließ er seine Wohnung und ging zur Haustür. Dort standen vier Männer, wobei die beiden Angeklagten sofort auf den Straupitzer losgingen. „Ich kannte die Männer nicht“, gibt der Geschädigte zu Protokoll. Gesehen habe er sie höchstens mal flüchtig, mehr aber auch nicht. Sie schlugen ihm laut Gericht auf den Kopf und den Oberkörper, rissen ihn zu Boden und traten ihm mehrfach in den Rücken. Der 47-Jährige wurde dabei verletzt, er erlitt Schürfwunden im Gesicht und Prellungen am Rücken. Etwa 15 Minuten soll der Angriff gedauert haben. Anschließend flüchteten die Angreifer mit einem hellen Pkw, erinnert sich der Straupitzer.

Doch das blieb nicht der einzige Vorfall: Ein paar Wochen später kamen die beiden Schläger zurück. Dieses Mal befanden sie sich bereits im Hausflur und klingelten beim Nachbarn des Geschädigten. Als dieser öffnete, stellte einer der beiden sofort seinen Fuß in den Türbereich und drängte ihn in die Wohnung zurück. Der Nachbar wurde wohl von den Tätern verwechselt und attackiert. Nur mühsam konnte er einem Kopfstoß ausweichen, sagte dieser am Mittwoch vor Gericht. Erst als er per Ausweis „beweisen“ konnte, dass er nicht der Gesuchte sei, ließen die beiden Angreifer ab und flüchteten abermals mit einem hellen Pkw. Der gegenüber wohnende und eigentlich gesuchte 47-Jährige hörte den Angriff aus seiner Wohnung und rief daraufhin die Polizei.

Dem Gericht unklar blieb bei beiden Fällen das Motiv der Angeklagten, die sich während der gesamten Verhandlung kein einziges Mal zum Fall äußerten. Auch weitere Zeugen konnten den Grund der Angriffe nicht aufklären, die Täter aber durch geschilderte Beobachtungen überführen. Richterin Ehlers folgte dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft. Gefährliche Körperverletzung und versuchte gefährliche Körperverletzung, hieß es in der Urteilsbegründung. Dass die Strafe nicht noch höher ausfiel, liegt an den bereits sehr lang zurückliegenden Vorfällen. Warum die Straftaten überhaupt erst im vergangenen Jahr angezeigt wurden, blieb unklar.