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| 02:34 Uhr

Faszination Falknerei

Täglich trainiert Dirk von Bargen mit seinen Tieren, die bei Stadtfesten, zu Flugshows und auch bei Filmaufnahmen gefragte Akteure sind. Er hat in Werchow einen Adler- und Jagdfalkenhof. Aus dem Hobby soll bald sein Beruf werden. Von Bernhard Schulz

Etwas ängstlich ist es einem Besucher schon zumute, wenn er das große Gut des Werchowers Dirk von Bargen betritt. Viele scharfe Augen von Jagdvögel schauen ihn dort an. "Wir halten hier sieben Arten von Greifvögeln: einen Steinadler, zwei Uhus, einen Milan, zwei mexikanische Mäusebussarde sowie je einen Saker-, Lanner und Wanderfalken", erklärt der langjährige Falkner den Bestand.

Begonnen hat Dirk von Bargens Interesse an der Vogelzucht schon in frühester Kindheit. "Bereits mit sechs Jahren hatte ich mit Brieftauben zu tun und päppelte verletzte Greifvögel wieder auf", erinnert er sich der 44-Jährige. In der DDR habe er kaum Zeit und Geld für dieses seltene Hobby gehabt, fügt er hinzu. Erst im Jahr 1990 lernte er einen anderen Falkner aus Zeckerin kennen, der ihn beim brandenburgischen "Verband Deutscher Falkner" (VDF) einführte. "Mithilfe der neuen Kontakte habe ich in den 90er Jahren dann meinen Jagdschein und meine Falknerprüfung abgelegt", berichtet von Bargen. Zusammen mit einer Gehegeerlaubnis waren die Grundvoraussetzungen für die artgerechte Haltung seiner Greifvögel nun geschaffen.

Seitdem arbeitet Dirk von Bargen mit seinen Tieren in unterschiedlichsten Bereichen. So tritt er mit den Jagdvögeln in ganz Brandenburg auf. Ihre Einlagen sind bei Stadtfesten, Flugshows, privaten Feiern oder gar bei Filmdrehs gefragt. "Unser Ziel ist es, dass die Menschen hautnah erleben können, auf wie viel Perfektion es ein Vogel in freier Wildbahn bringen kann", sagt von Bargen. "Außerdem werden wir auch zur Schädlingsbekämpfung in befriedeten Bereichen eingesetzt", erklärt er. Denn wo nicht geschossen werden darf, müsse eben der Greifvogel die Arbeit erledigen. Er züchte überdies schon seit Jahren erfolgreich in unterschiedlichen Gelegen Nachwuchs heran, ergänzt er.

Hinter alldem steckt allerdings ein enormer Arbeits- und Zeitaufwand: "Greifvögel sind Leistungssportler, wenn sie nicht mehr trainieren, fangen sie auch keine Beute mehr", erläutert der Falkner. Deshalb versucht er, jedem Vogel mindestens eine Stunde pro Tag zu widmen. Er erhält deren Kondition mit Trainingseinheiten auf dem eigenen Hof oder ist mit ihnen in der Calauer Schweiz unterwegs.

Auch bei der Jagd werden die Tiere zur Schärfung ihrer Instinkte eingesetzt. "In der Falknerei braucht man ein ruhiges Händchen und eine Menge Zeit", sagt von Bargen. Die Tiere seien clever und treu, wären aber sofort weg, wenn sie schlecht behandelt würden.

"Gänsehaut bekomme ich jedes Mal, wenn ich einen Jungvogel einarbeite und er mir das Vertrauen entgegenbringt, das erste Mal zu mir zurückzufliegen", sagt er über das Faszinosum Falknerei. Aber nicht nur beim Training, sondern auch bei der Haltung der Tiere ist viel Arbeit erforderlich. Dirk von Bargen lobt hierbei die gute Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt Senftenberg, das die artgerechte Haltung seines Geheges überprüft. Engagement ist auch im brandenburgischen Landesverband des VDF gefragt. Auf Tagungen beratschlagen sich die knapp 20 aktiven Falkner des Verbandes über anstehende Jagden oder neue Gesetzeslagen der Vogelhaltung. Künftig sollen auch Falknerlehrgänge über den Verband angeboten werden, informiert von Bargen.

Seine Tätigkeit hat in Brandenburg und in unserer Region Seltenheitswert. Deshalb ist der Falkner auch in Sorge darüber, ob sich Nachwuchs für dieses seltene Hobby begeistern kann. "Wenn ich bedenke, dass mich mein junger Steinadler locker überleben wird, hoffe ich, dass einer meiner Söhne den Falkenhof einmal übernimmt", sagt er. Im kommenden Jahr möchte er sein Hobby zum Beruf machen. Bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun für Dirk von Bargen.