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| 14:52 Uhr

Fastnacht
Wenn sich bunte Röcke drehen

Der Trachtenumzug lockt zahlreiche Schaulustige aus der Region nach Neu Zauche. Von Andreas Staindl

Ein Höhepunkt der 143. Fastnacht ist der Trachtenumzug am Samstag in Neu Zauche (Lieberose/Oberspreewald). Mit dem Sträußchenanstecken am Mittwochabend war das Fest eingeläutet worden. 18 Paare sind in diesem Jahr dabei gewesen,eben so viele wie im vergangenen Jahr. Dass die Zahl der Teilnehmer gehalten wurde, ist nicht selbstverständlich. „Es ist für die jungen Leute nicht einfach, Teilnehmer für den Trachtenumzug und die anderen Aktivitäten während der Fastnacht zu begeistern“, sagt Norbert Janetzki. „Die meisten lernen, studieren und arbeiten in anderen Regionen. Ich bin deshalb sehr froh, dass die Jugend unsere Tradition im Dorf bewahrt und altes Brauchtum weiterführt“, sagt Neu Zauches ehrenamtlicher Bürgermeister.

Er stand am Samstag als Zuschauer am Streckenrand und würdigte das Engagement der jungen Leute: „Sie organisieren die Fastnacht selbst, das ist aller Ehren wert.“ Seine Enkeltochter Maria Krautz (20) ist neben Monique Kuschka (20) und Michael Leo (31) eine von drei Jugendchefs des Dorfs im Oberspreewald. Das Trio lief mit den jeweiligen Partnern an der Spitze des Umzugs, unmittelbar hinter dem Kiepenträger und der Blaskapelle. Guido Hahn hatte zum achten Mal die Aufgabe als Kiepenträger übernommen. Und es war sein 27. Trachtenumzug als aktiver Teilnehmer. In der Kiepe führt er Hochprozentiges mit.

Bei Temperaturen von wenigen Grad über Null half ein Schnäpschen zumindest kurzfristig. Es heizte die Stimmung weiter an. Und die war schon gut, als die 18 Paare mit einem lauten Gejuchze aus dem Gasthaus „Zum Oberspreewald“ kamen. Sie wurden von den etwa hundert Zuschauern erwartet. „Ich bin auf die Trachten der jungen Frauen gespannt“, sagte Irina Schmidt, die extra aus Cottbus in den Oberspreewaldort gekommen war. „Es ist schön, dass die jungen Leute Traditionen ihrer Vorfahren fortführen.“

Sieben Teilnehmer feierten ihre Premiere in diesem Jahr. Sie zogen wie die anderen Akteure am Samstag durchs Dorf. Die jungen Damen in Trachten, mit Stulpen und Jäckchen vor der Kälte geschützt, die jungen Männer im Anzug und mit Hut. Die Sträußchen mit den bunten Bändern an der Kopfbedeckung hatten die jeweiligen Partnerinnen zu Beginn der Fastnacht angenäht. Gegen 14 Uhr setzte sich der Trachtenumzug in Bewegung. Nach einer Runde um den Brunnen vor dem Gasthaus ließen die Teilnehmer die Zuschauer erstmals zurück, um etwa 15 Minuten später wieder vor der benachbarten evangelischen Kirche aufzutauchen.

Auf der Straße dort wird traditionell das Tanzbein geschwungen. Der Schneewalzer erklingt. Die Trachtenpaare bewegen sich im Rhythmus der Musik. Sie schunkeln und drehen sich, werden von den Schaulustigen fotografiert. Wenn sich die jungen Damen rasch im Kreis drehen, fliegen ihre Röcke in die Höhe. Musik erklingt, nach der schon die Eltern und Großeltern der Teilnehmer getanzt haben. Die Annemarie-Polka wurde auch am Samstag von den Blasmusikanten gespielt.

Nach der Tanzeinlage auf der Straße zogen die Trachtenpaare weiter. Den nächsten Stopp für sie gab es im Gasthaus „Zur Spreewaldbahn“. Dort hatte mit dem Sträußchenanstecken schon der Auftakt der diesjährigen Fastnacht in Neu Zauche stattgefunden und zum Abschluss auch der Frühschoppen. Fünf Tage lang wurde die 143. Auflage gefeiert, wurden Tradition und Brauchtum gepflegt. Auch im nächsten Jahr ziehen junge und unverheiratete Trachtenpaare durchs Dorf. Alle fünf Jahre sind verheiratete Paare dabei. 2020 ist es wieder so weit.