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| 14:24 Uhr

Lausitzer Wölfe mal anders
Fast vergessen: der Hungrige Wolf im Unterspreewald

Vor genau 30 Jahen wurde der Gedenkstein im Wald platziert.
Vor genau 30 Jahen wurde der Gedenkstein im Wald platziert. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Brand. 30 Jahre erinnert Gedenkstein an ehemalige Wirtschaft. Von Torsten Richter-Zippack

Derzeit sind in Brandenburg 23 Wolfsrudel und sieben Wolfspaare zu Hause, teilt das Landesamt für Umwelt mit. Einen hungrigen Wald gibt es im ausgedehnten Waldgebiet des Brands nordwestlich von Lübben. Dabei handelt es sich aber um keinen lebenden Graupelz. Sondern um eine ehemalige Gastwirtschaft, an die nur noch wenige Relikte erinnern.

Vor 30 Jahren wurde anstelle des Lokals ein Gedenkstein aufgestellt. Denn der Findling enthält die Jahreszahl 1988 und das Kürzel „HK, jedoch keinen konkreten Namen“. Nach Angaben des Stadt- und Regionalmuseums Lübben ist die Wirtschaft im Jahr 1669 als „Hungrichte Wulf“ erwähnt worden. Diese befand sich an der alten Handelsstraße, die Lübben mit Berlin verband und bis heute als Waldweg vorhanden ist. Der aus Berlin stammende Heimatforscher Robert Scharnweber berichtet im Luckauer Heimatkalender aus dem Jahr 1928 von zwei Feuerstellen mit 15 Menschen, die im „Hungrigen Wolf“ gelebt haben sollen. Um das Jahr 1900 wurden die Gebäude abgerissen. Zudem erwähnt Scharnweber einen unterirdischen Gang, von dem nichts mehr zu sehen sei. Die Gastwirtschaft habe in früherer Zeit nicht gerade den besten Ruf besessen. Die Wirte hätten sich auch als Räuber und Mörder einen Namen gemacht.

Heute sind außer dem Gedenkstein noch Ziegelreste zu finden. Markant ist die uralte Winterlinde, die rund drei Jahrhunderte alt sein könnte. Direkt neben dem Stein wächst eine dominante, knorrige Kiefer. Der „Hungrige Wolf“ ist am besten über den Verbindungsweg von Oderin nach Köthen erreichbar. Dort, wo die West-Ost-Verbindung die alte Lübben-Berliner Straße quert, geht es wenige hundert Meter nach Süden. Wenn der Weg leicht abfällt, ist die Stelle der ehemaligen Gastwirtschaft erreicht. Selbst in detaillierten topografischen Karten ist dieser Ort am Zusammentreffen der markierten Forstabteilungen 3135 und 3138 nicht verzeichnet.

Nach Angaben des Krausnicker Autors Bernhard Heinz Witzsch gab es auf dem Brand ein zweites Lokal, den „Toten Mann“, später als „Neue Schenke“ bezeichnet, dass sich auf Krausnicker Gemarkung befand. Der Wirt soll ein gewalttätiger Viehdieb gewesen sein. Heute erinnert nichts mehr an die Gastwirtschaft. Lediglich ein Wegweiser am Ortsausgang Groß Wasserburg in der alten Straße nach Krausnick zeigt die Richtung zur „Neuen Schenke“ an.