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| 18:09 Uhr

Trümmerteile meterweit geflogen
Explosion im Spreewerk Lübben: Eine Person weiterhin vermisst

Die Luftaufnahme zeigt die Betriebshalle des Munitionsentsorgungswerks Spreewerk nach der Explosion am Freitagvormittag.
Die Luftaufnahme zeigt die Betriebshalle des Munitionsentsorgungswerks Spreewerk nach der Explosion am Freitagvormittag. FOTO: Polizeidirektion Süd / dpa
Lübben. Im Spreewerk in Lübben hat es am Freitagmorgen mindestens eine Explosion gegeben. Ein Gebäude wurde beschädigt. Nach Auskunft der Kreisverwaltung wird ein Arbeiter vermisst. Polizeiangaben zufolge erlitt ein weiterer Mitarbeiter einen Schock. Von Ingvil Schirling mit Bodo Baumert

Nach Informationen vor Ort hat es mindestens eine Explosion im Spreewerk gegeben. Die Feuerwehren der Region wurden um 10.13 Uhr alarmiert, um 10.21 Uhr weitere Kräfte angefordert. Ein Mitarbeiter wird vermisst, ein weiterer erlitt einen Schock. Das hat die Polizei bestätigt.

Die schwer beschädigte Halle war bis zum Abend nicht betretbar. Die Feuerwehr löschte Glutnester. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst prüfte mit einem ferngesteuerten Roboter, wo noch Strom anliegt und Brandherde sind.

Am Vormittag hatte zunächst ein Einsatzstab aus Feuerwehr und Polizei, Brand- und Katastrophenschutz sowie Vertretern von Landkreis- und Stadtverwaltung beraten, um die Lage zu klären. 37 Feuerwehr-Einsatzkräfte aus der gesamten Region waren vor Ort. Mit Hilfe eines Polizeihubschraubers wurden Bilder aus der Luft gemacht. Dabei sei zu sehen gewesen, dass das Gebäude schwer beschädigt worden sei, teilte eine Polizeisprecherin mit. Nach der Explosion brach ein Brand aus.

Die Landesstraße zwischen Schlepzig und Börnichen war von der Polizei gesperrt worden.

Einer Polizeisprecherin zufolge muss das beschädigte Gebäude gestützt werden, ehe weitere Untersuchungen zur Explosion möglich sind. Dafür rückte das Technische Hilfswerk (THW) an.

Bei dem Vermissten soll es sich um 55 Jahre alten Mitarbeiter handeln. Außerdem habe ein 53 Jahre alter Beschäftigter des Werks im Spreewald einen Schock erlitten, teilte eine Sprecherin der Stadt Lübben am Freitag mit.

Landrat Stephan Loge (SPD) war am Nachmittag vor Ort und stand im Gespräch mit der LR sichtlich unter dem Eindruck der Ereignisse. „Auch der materielle Schaden ist sehr groß“, schätzte er ein. Trümmerteile, beispielsweise eine Tür, seien bis zu 100 Meter weit entfernt, die meisten Scheiben geborsten.

Anwohnern zufolge soll es mehr als eine Explosion gegeben haben, wahrscheinlich zwei. Offizielle Stellen gehen allerdings bisher von einer Detonation aus. Die Polizeisprecherin wollte auf LR-Nachfrage aber auch nicht ausschließen, dass es mehrere Explosionen gegeben haben könnte. „Vielleicht sind verschiedene Sprengstoffe nacheinander explodiert.“ Das könne aber erst mit Sicherheit gesagt werden, wenn Experten den Hergang untersucht haben.

Im Spreewerk werden Munition, Pyrotechnik und Explosives zerlegt und zur Entsorgung beziehungsweise größtenteils zur Wiederverwendung im zivilen Markt vorbereitet.

Im Juni 2017 wurde auf dem weitläufigen Spreewerk-Gelände eine Katastrophenschutzübung durchgeführt. Das Szenario lautete auf Explosion mit nachfolgendem Waldbrand.

Vor 16 Jahren waren bei einer Explosion im Spreewerk vier Menschen ums Leben gekommen. Anwohnern zufolge soll die Detonation heute Vormittag nicht so laut gewesen sein wie damals.