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| 12:32 Uhr

"Es war Liebe auf den ersten Blick"

Qualitätscoach Verena Micknaß
Qualitätscoach Verena Micknaß FOTO: Ingvil Schirling (LR-MOB-RED-321)
Lübben. Lübben steht in einem harten Wettbewerb um Gäste. Qualität ist hoch wichtig, um dabei erfolgreich zu sein. Personalberaterin Verena Micknaß will dazu beitragen, die Spreewaldstadt in puncto Qualität voranzubringen – und hat fast nebenbei ihre eigene Wohlfühloase geschaffen. Ingvil Schirling

Verena Micknaß hat mehrere Eisen im Feuer. Die gebürtige Freilebenerin aus dem Elbe-Elster-Kreis lebt seit einiger Zeit in Lübben, arbeitet für ein großes Personalberatungsunternehmen in Hamburg, hat zusätzlich ihr eigenes, selbstständiges Beratungsgeschäft in der Spreewaldstadt und beherbergt in der stilvoll restaurierten "Villa Reich" Tagungsräume mit Küche und allem, was dazugehört, um auch einmal genussvoll zu feiern. Obendrein bekleidet sie ein für Lübben wichtiges Ehrenamt: Sie ist die Sprecherin der komplexen Qualitätsinitiative, die Lübben als Q-Stadt ausweist. Mit der RUNDSCHAU sprach sie darüber, was Qualität für sie bedeutet und wie sie zur "Villa Reich" kam.

Frau Micknaß, wie wurden Sie Qualitätssprecherin für Lübben?
Voraussetzung, um von der Initiative Service-Qualität Deutschland in Brandenburg die Zertifizierung als Qualitätsstadt (Q-Stadt) zu bekommen, ist eine bestimmte Anzahl von entsprechend qualifizierten Betrieben. Jeder Betrieb musste im Vorfeld einen Mitarbeiter als Qualitäts-Coach ausbilden. Das habe ich für die Villa Reich gemacht - zusammen mit anfangs nur einer Handvoll anderer Lübbener Firmen. Im Laufe des Prozesses wurde ich dann einstimmig aus der Runde der Qualitätscoaches von insgesamt 15 Unternehmen in Lübben als Sprecherin gewählt.

Was bedeutet für Sie Qualität?
Das hat mehrere Aspekte. Einmal bedeutet Qualität für mich, das, womit man wirbt, was man verspricht, auch einzuhalten. Qualität zeigt sich, wenn der Kunde oder Gast die Dienstleistung oder Lübben als Reiseziel weiterempfiehlt beziehungsweise gerne wiederkommt. Es bedeutet weiter, von dem, was man macht, selbst überzeugt und begeistert zu sein - und diese Begeisterung weitergeben zu können. Und schließlich heißt Qualität für mich, mit Kritik gut umzugehen. Wenn mal was nicht rund läuft, sagen zu können: Danke für den Hinweis, ich denke drüber nach.

Worüber müsste Lübben aus Ihrer Sicht mehr nachdenken?
Ich denke, dass sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan hat. Als ich mit der Villa Reich anfing, habe ich selbst oft Zimmer für Gäste vermittelt, die zu mir auf Tagungen oder Fortbildungen kamen. Das mache ich auch heute noch manchmal. Was ich mir am Telefon manchmal anhören musste - ich hätte es verstanden, wenn der Gast sagt: Danke, ich buche woanders. Dabei war die ursprüngliche Äußerung wahrscheinlich gar nicht böse gemeint sondern nur in einer falschen Ausdrucksform gesagt. Inzwischen erlebe ich die Telefonate wirklich freundlich, service- und kundenorientiert. Da hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert.

Auf der Beraterseite habe ich oft den Eindruck, dass es viele geschäftstüchtige, kreative, innovative Chefs gibt - aber immer wieder vergessen wird, die Mitarbeiter mitzunehmen und zu schulen. Manchmal müssen diese auch nur andere Formulierungen kennenlernen, wenn der Gast vielleicht Kritik äußert, oder serviceorientierten Umgang vorgelebt bekommen.

Was ist das Ziel der Qualitäts-Initiative?
Ziel ist es, mit dieser Gemeinschaft die Serviceorientierung und das Erscheinungsbild der Stadt zu verbessern. Wir haben in dem Rahmen beispielsweise Verkehrsschilder geputzt oder eine Stieleiche an der Spreelagune gepflanzt. Wichtig ist, viele mitzunehmen - ein oder zwei gute, serviceorientierte Unternehmen reichen nicht. Vor allem aber geht es darum, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Noch vor dem aufwendigen Prozess suchten und fanden Sie mit der Villa Reich Ihr neues Domizil in Lübben. War es Liebe auf den ersten Blick?
Ja, es war Liebe auf den ersten Blick. Die Villa war damals völlig überwuchert, sah eher aus wie ein Dornröschenschloss. Ich sah sie und versuchte, etwas über den Eigentümer herauszubekommen - vergeblich. Nach vielen Versuchen dachte ich: ,Lass es, es soll nicht sein.' Doch zwei Jahre später, da hatte ich schon einen Businessplan für das, was ich heute hier anbiete geschrieben, rief mich die Bank an und sagte: "Frau Micknaß, wir haben das perfekte Objekt für Ihr Konzept." Es war die Villa Reich. Ich bin der Verantwortlichen heute noch sehr dankbar, dass sie das so kombiniert hat.

Sie sieht außen und innen sehr schön aus, ist vor allem sehr geschmackvoll eingerichtet. Haben Sie zu all dem eine Leidenschaft für Inneneinrichtung?
Ich bin ja ein Kind der DDR und wollte eigentlich Dekorateurin werden, was damals allerdings nicht möglich war. Ja, meine Leidenschaft dafür lebe ich hier aus.

Mit Verena Micknaß

sprach Ingvil Schirling